Im Freundschaftsspiel im Februar, das der HFC 1:0 gewann, luchste Patrick Mouaya dem Jenaer Stürmer Nils Pichinot (l.) den Ball ab. (FOTO: TINO ZIPPEL)
Wenn der Hamburger SV in der Auto-Reichweite von gut einer Stunde spielt, da muss ein Hamburger hin. Dass er selbst einst für den Rivalen FC St. Pauli gekickt hatte, egal. Nils Pichinot fühlte sich bestimmt nicht als Verräter. Also besorgte er sich eine Karte - und zwar für das Eröffnungsspiel des Erdgas-Sportparks Hallescher FC gegen den Bundesligisten. Auch wenn damals nur ein B-Team des HSV auflief - und 4:1 gewann - Nils Pichinot war trotzdem gebannt. Von der Atmosphäre, der großartigen Stimmung in diesem Schmuckkästchen. Die ging ihm seit jenem 20. September 2011 nicht mehr aus dem Kopf.
Wie auch der Weg zur Arena, den er gestern von Jena erneut mit dem Auto zurücklegte. Mittags hatte Nils Pichinot einen Termin mit HFC-Manager Ralph Kühne. Der dauerte nur kurz. Man war sich ja einig. Also unterschrieb der Fußball-Profi den Vertrag und war damit dritter Zugang des Drittliga-Aufsteigers. Der 22-Jährige stürmt bis 2014 für die Rot-Weißen.
"Dieses Eröffnungsspiel war schon etwas Besonderes", sagte Pichinot, als die Unterschrift trocken war. "Und dann hat mich das Konzept des Trainers überzeugt." Es ist die Erklärung, warum er sich gegen den Chemnitzer FC und für den HFC entschieden hatte. Den ersten Kontakt mit Sven Köhler gab es bereits vor eineinhalb Monaten. Da zeichnete sich ab, dass der FC Carl Zeiss das rettende Ufer in Liga drei nicht mehr erreichen würde. Angeblich sollen danach auch Dynamo Dresden und der SC Paderborn an dem achtfachen Saison-Torschützen interessiert gewesen sein. "Ach, das mit den Klubs aus der zweiten Liga waren lediglich Gerüchte. Etwas Konkretes gab es nur noch von Chemnitz", so der Stürmer, den Köhler also seinem himmelblauen Heimatverein und Trainer Gerd Schädlich wegschnappte.
"Er ist unsere Wunschverstärkung für den Angriff", sagte Manager Ralph Kühne voller Freude über den gelungenen Coup. "Ich will einfach die Sicherheit haben, spielen zu können und nicht irgendwo auf der Bank zu sitzen. Die Chance sehe ich beim HFC - trotz des Konkurrenzkampfes", begründete Pichinot derweil noch einmal seine Motivation. Andis Shala und Angelo Hauk müssen sich nun strecken, um in die Startelf zu kommen.
Seine ehemaligen Kollegen aus Jena gaben bei Pichinot übrigens keineswegs den Anstoß, die Saale abwärts zu ziehen. "Ist schon irgendwie komisch: Weder Sören Eismann, mit dem ich ja auch noch in Jena gespielt habe, noch Pierre Becken, der ja auch aus Hamburg kommt und schon vor mir beim HFC unterschrieben hatte, drängten mich zum Wechsel. Die Sache habe ich ganz allein mit mir ausgemacht", so Nils Pichinot.
Und mit einem guten Gefühl, alles richtig gemacht zu haben, düste er dann gestern wieder zurück nach Jena. "Für einen Urlaub bis zum Trainingsstart am 18. Juni in Halle wird es jetzt wohl zu knapp. Ich werde hier in Jena noch ein paar Tage verbringen, dann noch mal nach Hamburg fahren. Und dann muss ich mir ja noch eine Wohnung suchen. Das hat jetzt erst einmal Priorität", sagte Pichinot gestern. Groß muss die Wohnung gar nicht sein. Der Neue ist bislang Single.