Sein Lachen dröhnt über den Trainingsplatz am Erdgas-Sportpark. Patrick Mouaya hat wieder sichtlich Spaß beim Halleschen FC. Seine schwere Zeit ist seit drei Wochen vorbei, dank der Verletzung von Pierre Becken hat er seinen Stammplatz in der Innenverteidigung zurück. Und er bestätigt Woche für Woche mit hervorragenden Leistungen, dass sich Trainer Sven Köhler nicht in ihm getäuscht hat. "Man fliegt mit Verletzung raus, man kommt über eine Verletzung in die Mannschaft. Das ist Fußball", sagt Mouaya beinah philosophisch.
Er hat das am eigenen Leib zu spüren bekommen. Mouaya fehlte im entscheidenden Vorbereitungsspiel gegen den Zweitligisten Erzgebirge Aue wegen einer Rückenverletzung und verlor prompt seinen Stammplatz an Pierre Becken. Aber Patrick Mouaya lamentierte nicht oder beschwerte sich. Er hat seine ganz eigene Art, solche Krisen zu überwinden - er wechselt seine Frisur. In diesem Fall fiel sein blonder Irokesenkamm dem Haarschneider zum Opfer - übrig blieb nur ein raspelkurzer Flaum. "Damit wollte ich zeigen: Ich fange wieder bei Null an. Das war so etwas wie eine Kampfansage", erzählt Mouaya.
Und so ist es immer: Jede Frisur hat seine ganz eigene Bedeutung, steht für eine radikale Veränderung in seiner Karriere. So auch sein blonder Irokesenkamm, mit dem er zur Mitte der Aufstiegs-Rückrunde überraschte. "Das war direkt nach meiner Augenverletzung. Gelb steht für die Sonne und die brauchte ich damals unbedingt", sagt Mouaya. Für ihn war das damals eine ganz schwere Zeit. Im Spiel gegen die zweite Mannschaft vom VfL Wolfsburg hatte er sich die Augen- und Kieferhöhlen gebrochen. Eine Operation war unumgänglich "Ich hatte damals eine riesige Angst vor der Operation. Ich habe wirklich um meine Karriere gefürchtet", erzählt der 27-Jährige. Am Ende ging alles gut, Mouaya fehlte nur vier Spiele. Ein Glück im Aufstiegskampf, denn mit Steven Ruprecht bildete er schließlich das beste Innenverteidiger-Duo der Regionalliga. Dabei war sein letzter radikaler Frisurenschnitt noch gar nicht so lange her. Erst zum Rückrundenauftakt der Aufstiegssaison ließ er sich die zuvor raspelkurzen Haare länger wachsen. "Das hieß: volle Konzentration. Nach unserer Super-Hinrunde wollte ich zeigen, dass mich im Aufstiegskampf nichts mehr ablenkt, noch nicht einmal mehr meine Frisur", sagt Mouaya.
Diese Bildsprache hat bekanntlich gewirkt. Wie auch sein blonder Bart mit dem er im entscheidenden 0:0-Unentschieden am letzten Spieltag gegen RB Leipzig auflief. "Das war das Signal an alle: Heute haben wir etwas zu feiern. Darum dieser etwas lustig gefärbte Bart." Und der wurde am Ende auch zu einem der am meisten fotografierten Aufstiegssymbole.
So viel wie der HFC von Mouayas Frisurwechseln profitiert hat, so wenig kann sich die Friseur-Innung in Halle freuen. Denn der Kongolese schneidet und färbt sich die Haare selbst. "Meistens hilft auch meine Frau", erzählt er. Und wenn gar nichts anderes geht, dann lässt Mouaya auch mal Außenverteidiger Jan Benes ran. "Der ist so etwas wie unser Team-Friseur." Er durfte auch schon bei Toni Lindenhahn die Seiten ausrasieren.
Benes oder Mouayas Frau müssen bald wieder ran. Denn der Grund für seine "Kampffrisur" hat sich mit seiner Rückkehr in die Stammelf erledigt. "Die nächste Frisur ist schon in Planung, aber es wird eine Überraschung", sagt Mouaya geheimnisvoll. Hoffentlich wird es wieder ein blonder Bart.