Am Dienstagnachmittag wurde es Darko Horvat wieder richtig warm. Beim Torschuss-Training flog der kroatische Schlussmann des Fußball-Drittligisten Hallescher FC von einer Ecke in die andere. Viele Bälle wehrte er ab, doch bei einigen war er auch machtlos. Der Torwart schüttelte den Kopf. Man sah ihm an, was er dachte. Im Training zerschießen sie fast die Tornetze. Sie verwandeln Eckbälle direkt. Und sie treffen mit Kunststößen aus großer Entfernung gewollt die Latte des leeren Tores. Aber in den Drittliga-Partien haben die Offensivkräfte des Aufsteigers bislang Ladehemmung. Trainer Sven Köhler sagt: "Wenn wir auf Dauer erfolgreich sein wollen, brauchen wir die Tore unserer Offensivkräfte."
Keine Frage: Der Saisonstart der Rot-Weißen ist geglückt. Vier Punkte aus zwei Spielen sind das maximal Mögliche, wenn man nur ein Tor geschossen hat. Zudem beweist die Bilanz ohne Gegentor, dass die Defensive drittliga-tauglich ist. Der Offensive aber fehlt dieses Gütesiegel noch. Stürmer Andis Shala sagt: "Gegen Offenbach hatte ich eine gute Position. Aber da kam das Zuspiel nicht präzise. In Karlsruhe war ich einmal durch, habe mich aber zu leicht vom Tor abdrängen lassen. Wir müssen einfach noch abgeklärter werden."
Das meint auch Trainer Köhler. Doch er findet noch andere Gründe. "Wir sind eine Liga höher geklettert. Dort bekommst du nicht mehr so viele Chancen wie in der Regionalliga. Also müssen wir die Effektivität verbessern", sagt er. Auch die Qualität der Abwehrspieler sei entschieden höher. Da würden schon kleine technische Unzulänglichkeiten zum Ballverlust führen. Zudem gebe es bei der Abstimmung der Laufwege einige Reserven. "Und wir müssen beim finalen Zuspiel noch konzentrierter und präziser arbeiten, damit unsere Angreifer überhaupt erst in verheißungsvolle Situationen kommen."
Fokus lag auf der Abwehr
Im Auftaktspiel gegen Offenbach sei das schon ganz gut gewesen. "Mit seinem tollen Schuss, den der Torhüter nur abklatschen konnte, hat Nils Pichinot beispielsweise das entscheidende Tor von Marco Hartmann sehr gut vorbereitet", erinnert der Trainer. In der Endphase dieser Partie habe seine Mannschaft durch Preuß, Pichinot und Erich Sautner sogar "drei, vier Hochkaräter liegen gelassen". Und hätte der Schiedsrichter richtig entschieden, wäre dies in der Nachspielzeit sogar mit dem Ausgleich bitter bestraft worden. Das ist Lehrgeld, das ein Aufsteiger mitunter zahlen muss.
Karlsruhe sei ein anderes Spiel gewesen. "Dort ging es zunächst darum, in der Abwehr die Null abzusichern", sagt Köhler. Aber er merkt auch kritisch an: "Wir haben uns schon etwas dabei gedacht, dass wir von Beginn an mit zwei Stürmern gespielt haben. Da waren ganz einfach zu viele Ungenauigkeiten in unserem Spiel", sagt er. "Da musst du von den drei, vier Kontermöglichkeiten, die sich bieten, auch einmal eine konsequent ausspielen. Das ist unser Manko. Daran müssen wir in dieser Woche im Training auf jeden Fall arbeiten." Konzentration, Präzision und Laufwege können in den sechs wöchentlichen Einheiten geübt werden. Aber die Umsetzung im Spiel ist die andere Sache.
Psychologisch gute Situation
Darko Horvat hat sich offenbar damit abgefunden, dass die meisten Spiele in der dritten Liga für den HFC so laufen wie in Karlsruhe. Und seine Erklärung klingt fast schon philosophisch: "Unsere Stärke ist die Defensive. Solange wir nicht in Rückstand geraten, kommt auch kein Angreifer in eine psychische Drucksituation und ist immer für ein Tor gut. Wenn sie erst nachdenken, wird es schwieriger."