Angetrieben von 14 003 Zuschauern lief der HFC zum Spiel gegen RB Leipzig auf (Foto unten). Danach ging die Party los: in der Kabine (r.), mit großer HFC-Torte (l.) und mit einem Bier für Patrick Mouaya auf dem Feld. (FOTO: LÖFFLER)
Alle hatten sich auf ein spektakuläres, dramatisches Finale eingerichtet. Doch am Ende wurde es ein relativ unaufgeregter Nachmittag, weil die Aufstiegsparty des Halleschen FC am Sonnabend eigentlich schon um 13.38 Uhr, acht Minuten nach dem Anpfiff, organisiert werden konnte.
Im Saisonfinale gegen RB Leipzig vor 14 003 Zuschauern wurde es in der neunten Minute das erste Mal richtig laut im ausverkauften Erdgas-Sportpark. Eine an diesem Tag ausgezeichnet funktionierende Fußball-Städtepartnerschaft zwischen Halle und Wolfsburg hatte das erste Mal gegriffen: Die zweite Mannschaft des niedersächsischen Bundesligisten hatte den Führungstreffer erzielt gegen Holstein Kiel, den einzig verbliebenen Konkurrenten um den Aufstieg in die dritte Liga. Eine Nachricht, die sich wie ein Lauffeuer herumsprach. Genauso die beiden Elfmeter-Tore, die schon zur Pause einen - für den HFC - sicheren Rückstand des Rivalen brachte.
Von diesem Moment an konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Die ersehnte Rückkehr in den Profi-Fußball nach schier endlosen 20 Jahren, genau seit dem 16. Mai 1992, als sich der Hallesche FC mit einer 1:2-Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt aus der zweiten Bundesliga verabschiedet hatte, war so gut wie perfekt.
Nur drei Abseitstore
Der HFC konnte danach routiniert und souverän die Zeit herunterspielen. Auch, weil RB Leipzig nicht viel mehr tat, als sein Gesicht zu wahren. "Man hat unserem Spiel angemerkt, dass jeder den Zwischenstand aus Wolfsburg kannte", meinte Trainer Sven Köhler. So blieb es auf dem Feld bei drei Abseitstoren, erst vom Leipziger Torjäger Daniel Frahn, dann von den HFCern Telmo Teixeira-Rebelo und Michael Preuß. Doch viel wichtiger war der frenetische Jubel der Fans nach 75 Minuten, als Wolfsburg zum 4:1-Endstand gegen Kiel traf. Der große Tag des HFC war endgültig perfekt. Dass dazu ein 0:0 reichte, ist nur nebensächliches statistisches Zahlenwerk.
Die Spieler des HFC konnten damit leben. Die Fans, die friedlich und in ausgelassener Feierlaune nach dem Schlusspfiff zusammen mit den Aufstiegshelden auf dem Rasen standen, erst recht. Die Zeit für Erinnerungsfotos war gekommen, auch für einen tiefen Schluck aus überdimensionalen Bierhumpen. Rote T-Shirts wanderten von Hand zu Hand. Der Aufdruck: "Aufstieg 2012, 3. Liga, gekommen um zu bleiben".
Es begann eine Party, die in vielen Ecken der Stadt erst um Mitternacht beendet war.
Frau Horvat reist aus Zagreb an
"Wir haben die Sensation geschafft, das hätte uns vor der Saison niemand zugetraut", sagte Maik Wagefeld. Der HFC-Kapitän hatte auch im letzten Saisonspiel seine Rolle als omnipräsenter Leitwolf ausgefüllt, auch den zu Spielbeginn übernervösen Dennis Mast immer wieder fast väterlich und beruhigend zur Seite genommen.
Unmittelbar daneben genoss Darko Horvat den wohl ereignisreichsten Tag seiner schon zwei Jahrzehnte langen Karriere. Dass er zwischen den Pfosten nicht mehr beweisen musste, dass er der mit Abstand beste Regionalliga-Torwart der Saison war, konnte ihm nur recht sein. So feierte er ausgiebig seinen 39. Geburtstag - zusammen mit seiner Frau Sandra, die extra aus Zagreb gekommen war. "Ich bin zum ersten Mal in diesem schönen, neuen Stadion in Halle. Ein unglaublicher Tag, all die vielen fröhlichen Menschen, und mein Mann mittendrin", sagte sie. Und dann erteilte sie den Segen für das, was alle Fans immer hören wollten: "Hier ist mein Darko in besten Händen. Hier darf er ruhig noch eine Weile seinem Beruf nachgehen, so lange, wie er Spaß dran hat."
Dass Horvat noch eine weitere Saison in Halle in der dritten Liga dranhängen würde, war längst beschlossene Sache, auch, wenn er dann am Ende schon 40 Jahre alt sein wird. "Ach, über das Alter reden wir heute mal nicht", sagte Horvat und zog sich zurück zur nächsten Jubelrunde mit seinen Fans.
Überall in vorderster Feierfront im Tanz der Helden war Patrick Mouaya, mit seinen gelb gefärbten Haaren und Bart nicht zu übersehen. "Heute ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Dafür habe ich mich ein ganzes Jahr gequält", jubelte er. Die Saison war für ihn auch eine Zeit der Leiden mit zwei Operationen, erst an beiden Knien, dann im Gesicht. "Jetzt ist alles gut. Jetzt freue ich mich auf den Urlaub. Viel wird es ja nicht."
Schon am 20. Juli beginnt die neue Saison in der dritten Liga.
Franke als Mutmacher
Dass der HFC dort Chancen auf einen längeren Verbleib hat, ist durchaus realistisch. Christoph Franke, väterlicher Freund und Lehrmeister von Trainer Sven Köhler, ist überzeugt: "Vor dieser Liga muss der HFC keine Angst haben. Die Abwehr steht wie eine Eins. Und vorn hat der HFC viele junge Leute, die noch nicht an ihren Grenzen sind."
Franke weiß, wovon er redet. Er machte Köhler einst bei Dynamo Dresden zu seinem Co-Trainer. Und so ließ er es sich auch nicht nehmen, seinem Meisterschüler in Halle höchstpersönlich zum Aufstieg zu gratulieren. Völlig entspannt, lächelnd, scherzend standen die beiden zusammen. An einem geschichtsträchtigen Fußball-Tag in Halle.