Hallescher FC: Training im Geheim-Camp

17.05.2012 21:23 Uhr | Aktualisiert 18.05.2012 14:12 Uhr
Drucken per Mail
Die Anspannung steigt

Die Anspannung steigt: Nicht nur auf der Werbebande hinter Spielmacher Telmo Teixeira spielt der Pulsschlag eine große Rolle. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Von Karl Ebert
Vor dem entscheidenden Spiel gegen RB Leipzig gibt es Störfaktoren beim Halleschen FC. Trainer Köhler ändert deshalb den gewohnten Wochenablauf.
Halle (Saale)/MZ. 

Das Training des Halleschen FC am Donnerstag war längst beendet. Einzig Darko Horvat lief noch über den Platz, lehnte sich an den Zaun und machte ein paar Dehnungsübungen. Nach drei, vier Minuten kam Trainer Sven Köhler aus der Kabine zurück und rief: "Darko, ich möchte noch einmal mit dir reden. Wir können uns gleich hier auf den Rasen setzen."

Über den Inhalt des Gespräches zwischen dem Trainer des Fußball-Regionalligisten und seinem Torwart ist nichts bekannt. Es ist allerdings ein Indiz für die Anspannung einerseits und die Akribie andererseits, mit denen das entscheidende letzte Saisonspiel am Sonnabend gegen RB Leipzig vorbereitet wird. Auch wenn Köhler abwiegelt. "Wir haben keine Einzelgespräche im Trainingscamp geführt. Das mache ich täglich: vor dem Training, während der Einheiten, danach in der Kabine, auch einmal beim Essen oder Kaffee ganz in Zivil", sagt er. Oder eben gleich auf dem Trainingsplatz wie mit Horvat.

Enttäuschung aus den Köpfen

Auf jeden Fall haben die Saalestädter für das wichtigste Spiel des Jahres sogar ihren gewohnten Wochenablauf über den Haufen geworfen. Am Montagabend entschied die Klubführung kurzfristig, die Truppe am Dienstag und Mittwoch in ein Spontan-Trainingslager nach Meisdorf im Vorharz zu schicken. "Nicht mal die Spieler haben vor dem Besteigen des Busses gewusst, wo die Reise hingeht", sagt HFC-Vizepräsident Jörg Sitte.

Trotzdem war die Maßnahme ungewöhnlich. Denn die meisten Trainer legen so einen Trip auf die Tage unmittelbar vor dem Spiel. Köhler tickt anders. "Das wollte ich nun wieder nicht", entgegnet er. "Unser Ziel war es, die Enttäuschung des letzten Wochenendes aus den Köpfen zu bekommen. In anderer Luft und anderem Umfeld. Die unmittelbare Spielvorbereitung sollte schon wieder zu Hause laufen."

"Das kurze Camp war in Ordnung", sagt auch Darko Horvat. Die Bestätigung dafür findet man in den Mienen der Spieler, die ihre Verkrampfung und Leere nach der Pleite von Meuselwitz wieder verloren haben. Patrick Mouaya macht wieder seine Späße um schwierige deutsche Begriffe und erntet dafür Lachsalven bei den Teamkollegen. Steven Ruprecht und Maik Wagefeld klatschen sich ab, nachdem sie ihr Fußballtennis-Match erfolgreich beendet haben. Es geht wieder lockerer zu. Nur wenn die Rede auf das Spiel am Samstag gegen RB Leipzig kommt, ist die Anspannung sofort zu merken. Kein Wunder. Schließlich geht es um nichts anderes als die Rückkehr in den Profifußball nach 21 Jahren Abstinenz.

Köhler hat die beiden Tage im Vorharz optimal ausgenutzt. "Wir haben am Dienstag zwei Mal trainiert und uns am Abend gemeinsam das Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und der Hertha angesehen. Am Mittwoch wurde noch einmal trainiert und dann haben wir uns noch einen halbstündigen Rundgang auf der Meisdorfer Golfanlage gegönnt. Danach sind wir ganz entspannt nach Hause gefahren", so der Trainer.

Drama um Steve Finke

Die Abgeschiedenheit tat allen gut. Schließlich hatten Köhlers Männer zu Wochenbeginn ja nicht nur das Trauma Meuselwitz zu verkraften. In solch einer Phase der Saison stören auch Hiobsbotschaften die Konzentration. Egal, ob tragische oder idiotische. Die Nachricht über den dritten Kreuzbandriss und das wahrscheinliche Karriereende von Steve Finke hat niemanden kalt gelassen. Sie spukte ebenso durch die Köpfe wie die Tatsache, dass Benjamin Boltze noch vor Ende der Serie und ohne Genehmigung der Klubführung ein Training beim Erzrivalen 1. FC Magdeburg absolviert hat.

Manager Ralph Kühne, der dem Mittelfeldspieler nur ein Probetraining beim Oberligisten Goslarer SC gestattet hatte, fühlte sich hintergegangen und warf den 25-Jährigen, der keinen neuen Vertrag beim HFC erhalten wird, bis auf weiteres aus dem Kader.

Es ist eine angespannte Woche beim Halleschen FC. Am Donnerstagmorgen versuchte Trainer Köhler, wieder auf Normal zu schalten. Jedenfalls so gut es ging. Training zu Hause, auf dem Nebenplatz des Erdgas Sportparks. Das Spiel gegen RB rückt immer näher und die Anspannung wird allein deshalb größer. Und genau daher lässt Köhler jetzt alles so laufen wie bei jedem Heimspiel.

Am Freitagmittag zur Anstoßzeit ist Abschlusstraining, am Sonnabend um zwölf Uhr Treffpunkt am Stadion, 90 Minuten später Anpfiff.

Der MDR überträgt das Spiel HFC-RB Leipzig am Samstag um 13.30 live.