Handball: Auf dem Zahnfleisch

29.04.2012 17:31 Uhr | Aktualisiert 29.04.2012 18:07 Uhr
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In dieser Szene beim HSV-Sieg über Schönebeck...

In dieser Szene beim HSV-Sieg über Schönebeck erlitt Tobias Ufer zum Glück nur eine leichte Blessur. (FOTO: HELLFRITZSCH)

Von Harald Boltze
Wer den HSV Naumburg-Stößen seit ein paar Monaten nicht mehr hat Handball spielen sehen, der wäre am Sonnabendabend gegen 19.45 Uhr auf die Idee gekommen, dass er an diesem Tag Zeuge des höchsten HSV-Sieges seit Ewigkeiten wird. 7:1 führten die Naumburg-Stößener da nach wenigen Minuten im vorletzten Heimspiel der Sachsen-Anhalt-Liga gegen Lok Schönebeck.
Naumburg. 

Die Gäste bekamen kein Bein auf den Boden. Hinten konnten sie den zunächst deutlich schnelleren Naumburg-Stößener nicht folgen, und vorne zeigten sie sich in den ersten Minuten erschreckend harmlos. Der HSV aus der Hinrunde hätte die Partie womöglich mit 20 Toren Differenz gewonnen.

Doch der HSV aus der Hinrunde ist nicht der HSV von heute. "Meine Mannschaft kriecht seit Wochen auf dem Zahnfleisch, und das hat man auch heute gesehen. Es fehlt eben das letzte Quäntchen Kraft und Konzentration", meinte Ines Seidler nach dem - und das ist die gute Nachricht - 38:33-Sieg gegen Schönebeck. Denn bei aller Kritik daran, dass der Erfolg hätte höher ausfallen müssen: Das Wichtigste waren die zwei Punkte und damit die Chance, mit zwei Siegen in den kommenden zwei Wochen aus eigener Kraft aufzusteigen.

Am Sonnabend in der aufgrund des sommerlichen Wetters nur schwach besuchten Sporthalle in der Seminarstraße begannen die Platzherren zunächst gut. Vorne trafen Tobias Ufer und Ants Benecke, und hinten pariert Tobias Beyer die zum Teil guten, zum Teil aber auch harmlosen Lok-Würfe.

Dann aber war es schnell mit der HSV-Souveränität vorbei. Hinten bekam man den einzigen wirklich gefährlichen Gästespieler, Falk Hohmann, nicht in den Griff, und vorne fing man an, den Pfosten "rund" zu werfen. Als Berichterstatter ärgerte man sich bald, nicht die Aluminiumtreffer mitgezählt zu haben: Das hätte eine interessante Zahl ergeben. Doch bei vielen Würfen fehlte neben dem Glück auch das letzte Quäntchen Konzentration.

Bestraft wurde dies jedoch nicht, da die Qualität des HSV-Kaders ausreichte, um nicht in Gefahr zu geraten. Mit 16:12 ging man in die Pause, beim 27:21 sah es erneut nach einem hohen Sieg aus, doch beim 28:26 war Schönebeck sogar auf zwei Tore ran. Dass es nicht noch spannender wurde, lag vor allem an HSV-Keeper Tobias Beyer, der es auf insgesamt 30 Paraden brachte - ein spektakulärer Wert. Doch auch sein Gegenüber, der optisch und gestern auch leistungsmäßig an Silvio Heinevetter erinnernde Christian Schuster, erwischte einen starken Tag.

Auf Seiten des HSV überzeugte zudem Ants Benecke, während Sebastian Fende diesmal blass blieb, und Marcus Deibicht nur wenige Spielminuten bekam. "Er kann derzeit nur einmal pro Woche trainieren und braucht einfach eine Pause", sagte Trainerin Ines Seidler, die damit zwar auf Deibicht einging, den zweiten Teil des Satzes aber sicherlich für ihr gesamtes Team unterschrieben hätte.

Nun geht es für den HSV am kommenden Sonnabend zum Schlusslich Einheit Halle II. Durch den Sieg der TSG Calbe gegen den BSV Magdeburg (30:26) dürfen sich die Naumburg-Stößener auch dort keinen Ausrutscher erlauben, bevor eine Woche später, wenige Stunden vor dem DFB-Pokalfinale im Fußball, das große HSV-Handballfinale gegen Landsberg im Euroville steigt.