Handball: Auf der Suche nach Konstanz

19.02.2012 22:17 Uhr | Aktualisiert 21.02.2012 00:45 Uhr
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Linda Jäger

Linda Jäger (Union) wirft gegen Harrislees Melanie Mie Legarth (Nr. 23). (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Von PETRA SZAG
Die Handballerinnen des SV Union Halle-Neustadt haben im Kampf um den Klassenverbleib einen weiteren Rückschlag erlitten. Die Saalestädterinnen verloren am Sonntag ihr Heimspiel gegen den TSV Nord Harrislee mit 28:32 (17:15).
Halle (Saale)/MZ. 

Die Frage nach einem Termin beim Psychologen verblüffte Michael Funke. Einen Moment musste er überlegen. "Diese Reaktion", entgegnet der Trainer der Zweitliga-Handballerinnen von Union Halle-Neustadt schließlich, "wäre doch überzogen." Auch am Tag nach der bitteren 28:32-Heimniederlage gegen Harrislee war er gestern "überzeugt davon, dass wir das Problem allein meistern werden".

Das Problem lässt sich am ehesten als mentale Schwäche beschreiben. Seine Truppe ist wieder einmal mehr an sich selbst als am Gegner gescheitert. Die Wildcats zeigten phasenweise ein gutes Spiel, hielten ihre Linie aber nicht durch. Die Quittung: Union schwebt nun in akuter Abstiegsgefahr. Ihr 13. Platz würde am Saisonende der Fahrschein in die dritte Liga sein. So weit, davon ist Funke überzeugt, wird es nicht kommen. Zehn Spiele stehen noch aus. "Das sind 20 Punkte, die noch vergeben werden und von denen wir sicher auch noch einige holen. Es ist noch lange nichts verloren." Doch will ihm das gelingen, muss er seinen unerschütterlichen Optimismus auf die Spielerinnen übertragen. Keine Selbstzweifel mehr aufkommen lassen, wie eben zuletzt gegen Harrislee.

Zwei Halbzeiten, zwei Gesichter

Bei der Pleite gegen die Gäste von der dänischen Grenze hatten die Hallenserinnen eine Halbzeit lang fast alles richtig gemacht, sich mit ihrem schnellen Konter-Handball und sehenswerten Zuspielen an den Kreis viele Torchancen erarbeitet. Die brachten bis zur Halbzeit (17:15) ein kleines Polster ein. Doch in der zweiten Hälfte passierte das auf den ersten Blick Unerklärliche: Die Hallenserinnen trafen einfach das Tor nicht mehr, der Vorsprung schmolz - und damit auch das Selbstvertrauen. Nicht nur der Angriff, auch die Deckung ließ sich hängen. Die Norddeutschen nutzten ihre Chance.

"Wir haben in den beiden Halbzeiten zwei völlig verschiedene Gesichter gezeigt und in den letzten 30 Minuten einige hundertprozentige Chancen versiebt", resümierte Funke. Zofia Fialekova beispielsweise erzielte in der ersten Halbzeit fünf Tore, im zweiten Spielabschnitt gelang ihr nur ein Treffer bei fünf Torwürfen. Die Jüngeren ließen sich von der Unsicherheit anstecken. Anne Voigt im Tor machte keine gute Figur und auch Jacqueline Hummel im linken Rückraum und auf der Position Linksaußen hatte im Angriff kein glückliches Händchen. Nur vom Siebenmeterpunkt war sie gewohnt sicher.

Jetzt kommt der Spitzenreiter

Das Nervenflattern der Jungen ist in Funkes Augen zwar nicht akzeptabel, aber eben doch verständlich. "Wir haben die zweitjüngste Mannschaft der Liga", erklärt er. Mit Voigt im Tor, Jacqueline Hummel und deren Zwillingsschwester Stephanie sogar drei Junioren-Nationalspierinnen. "Ligaspiele wie das gegen Harrislee sind für sie eine wichtige Erfahrung. Da erleben sie Situationen, die kann man im Training nicht üben. Daran wachsen die Jungen. Daraus müssen sie lernen", sagt Funke.

Und weil er an diesen Lerneffekt glaubt, ist er auch weiter überzeugt, dass sein Team nicht absteigt. "Momentan ist uns allen der SV Union wichtig. Das Augenmerk liegt auf dem Klassenerhalt", so der Coach. Sein Plan statt Psycho-Couch: Die jüngste Niederlage wird nicht endlos lange ausgewertet. "Abhaken, Blick nach vorn. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis", sagt Funke.

Dass sich das ausgerechnet im nächsten Spiel einstellt, ist indes nur schwer zu glauben. Am Sonntag kommt TuS Metzingen, der Tabellenführer. "Alle müssen 110 Prozent geben, und das über die ganzen 60 Minuten", fordert Funke. Vielleicht gelingt seiner Mannschaft dann so eine Überraschung wie am 11. Dezember 2011. Damals düpierten sie als Außenseiter den damaligen Tabellenführer aus Weibern.

Union: Voigt, Praetzel - Kiskyte 7, Fialekova 6, Hummel J. 3 / 3, Cichy 3, Burde 3, Kracht 1, Jäger 2, Hesse, Schwarz, Michel, Hummel S.