Sie lächelt trotz der krachenden Niederlage. Gerade hat Union Halle-Neustadt mit 8:21 gegen den Erstligisten Blomberg-Lippe verloren, und doch ist Dagmara Stuparicova mit sich im Reinen. Der prominenteste Neuzugang der Wildcats, der erst seit zwei Wochen mit der Mannschaft trainiert, wurde am Sonntag zur besten Spielerin des Turniers in Altlandsberg gewählt. Wegen ihrer Leistung in den drei Spielen zuvor, von denen Union zwei gewonnen und gegen den tschechischen Erstligisten Slavia Prag ein Unentschieden erkämpft hatte. Dabei warf die 1,65 Meter große Spielerin elf Tore. "Natürlich war ich mit ihr zufrieden", stellte Trainer Michal Lukacin fest.
Diese sehr nüchterne Betrachtung wirkt angesichts der Leistung untertrieben. Denn die 28-Jährige muss bei Union auf der für sie vollkommen ungewohnten Position in der Rückraummitte spielen. In ihren mittlerweile zehn Profijahren hat die Slowakin bisher ausschließlich als Linksaußen gespielt. Der Wechsel in die Mitte ist so, als ob Flügelflitzer Arjen Robben beim FC Bayern München plötzlich den Spielmacher geben sollte. Dennoch macht sich Stuparicova, die vom Meister Thüringer HC kam, wenig Sorgen: "Ich kann jede Position spielen - außer Torwart." Außerdem habe sie schon in den Jugendmannschaften als Spielmacherin gespielt. "In der Mitte muss man Führungsspielerin sein wollen und organisieren können. Ich habe genug Erfahrung, um das auszufüllen", meint Stuparicova. Und Erfahrung hat die 139-fache slowakische Nationalspielerin mehr als genug. Mit ihren bisherigen Klubs spielte sie immer international. Insgesamt 107 Tore hat Stuparicova in den europäischen Wettbewerben geworfen.
Doch warum tut sich eine solche Spielerin die zweite Liga an? "Natürlich habe ich versucht, innerhalb der Bundesliga zu wechseln, aber alle Vereine waren auf meiner Position gut besetzt", gibt sie zu. Halle biete ihr die Möglichkeit, immer zu spielen. "Ich will keine Titel gewinnen, ohne dass ich selbst dazu etwas beigetragen habe."
Es ist aber nicht nur die spielerische Erfahrung von Stuparicova, die Halle braucht. Mit der Handballerin bekommt die junge Mannschaft auch eine gestandene Frau. Schon mit 22 Jahren verließ sie ihre Heimat und ging zu Debrecen in Ungarn. "Das war damals wichtig, um sportlich weiterzukommen. Aber natürlich war die Trennung von meiner Familie hart", erzählt sie. 2009 zog es sie weiter ins dänische Esbjerg. "Dort musst du stark sein. Das Wetter ist immer schlecht", erinnert sie sich. Nur einmal im Jahr habe sie von dort ihre Familie in Bratislava besuchen können. Nach zwei Jahren wollte sie wieder näher an die Heimat, da kam das Angebot vom Thüringer HC wie gerufen.
Die Nähe zu Bratislava war auch ein Argument für Halle. Denn Stuparicova geht gern Feiern. "Wenn ich in Bratislava bin, dann gehe ich mit Freunden am liebsten in der Disco tanzen", erzählt sie, die darauf während der Zeit in Dänemark verzichten musste.
In dieser Hinsicht wäre es Lukacin sicher nicht so recht, wenn sie die Mannschaft anführt. Aber auf dem Spielfeld soll sie sein verlängerter Arm werden. "Wir wollen einen neuen Handball spielen, mit deutlich weniger Fehlern im Angriff. Dafür brauchen wir Dagmara", sagt er. Ein Problem gibt es dabei noch. Zwar kann sie sich mit ihrem Trainer wunderbar auf Slowakisch unterhalten, aber mit dem Deutschen hapert es noch. "Ich verstehe viel, aber sprechen ist schwer", sagt sie. Trotz aller Erfahrung in den kommenden Wochen ist Vokabel-Lernen angesagt.