Handball: Derbyschande: Anhalt geht mit 19:27 unter

29.04.2012 18:43 Uhr | Aktualisiert 29.04.2012 19:10 Uhr
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Kilian Kraft am Ball

Kilian Kraft konnte mit nur einem Treffer ebenso wenig überzeugen wie die ganze Mannschaft. (FOTO: ENGELBERT PÜLICHER)

Von carsten Roloff
Es war ein Bild des Jammers, das die Bernburger Handballer in ihrem vorletzten Heimspiel dieser Saison abgaben. Ausgerechnet im Derby gegen den Erzrivalen Dessau-Roßlauer HV präsentierten sich die Schwarz-Gelben saft-, kraft- und ideenlos und wurden von den Muldestädtern nach allen Regeln der Kunst vorgeführt.
bernburg/MZ. 

Das Ergebnis von 19:27 (9:16) spiegelte auch die Kräfteverhältnisse auf dem Parkett wider.

"Das war für Bernburg ein Tiefpunkt in der Derby-Historie. Die Art und Weise, wie wir uns verkauft haben, hat mich schon sehr gestört. 50 Minuten habe ich jegliches Aufbäumen vermisst. Außerdem hat diesmal die Torgefahr aus dem Rückraum gefehlt", nannte Anhalt Trainer Sven Liesegang zwei von mehreren Gründen für diese Derby-Schande.

Doch es gab neben der fehlenden Durchschlagskraft im Rückraum (Frank Grohmann, Kilian Kraft) noch andere Ursachen für den blamablen Auftritt. Die Bernburger produzierten in den ersten 30 Minuten insgesamt elf Ballverluste, davon jeweils drei durch Steffen Cieszynski und Enrico Lampe. Immer wenn es einmal schnell gehen sollte, landete der Ball beim Gegner. Die erste und zweite Welle kam nichts ins Rollen. Die einfachen Tore fehlten.

So lagen die Hausherren beim 6:5 (13.) zum letzten Mal in diesem Prestige-Duell vorn. Zu allem Überfluss verletzte sich Anhalt-Kreisläufer Tobias Rindert (18.) nach einem Foul von Armands Uscins am Sprunggelenk und konnte die Partie nicht fortsetzen. Das Bernburger Überzahlspiel war schlichtweg eine Katastrophe.

Die Gäste warfen in Unterzahl zwei Tore zum 11:7 (19.) und hatten damit schon für eine Vorentscheidung gesorgt. Selbst bei 6:4-Überzahl trafen die Gastgeber nur einmal ins Schwarze, kassierten aber dafür auch das 8:15 (25.) durch den glänzend aufgelegten Uscins. Der ehemalige lettische Nationalspieler zog auf der mittleren Aufbauposition die Fäden. Allerdings wurde der etatmäßige Kreisläufer bei seinen Würfen aus sieben Metern von den Bernburger Abwehrspielern zumeist freundlich eskortiert.

Doch vor allem ein ehemaliger Bernburger zog den Gastgebern den Nerv. Robert Lux erwischte wie in fast jedem Derby einen Sahnetag.

Auch die Pressdeckung durch Enrico Lampe konnte die DRHV-Torfabrik nicht lahmlegen. Das Konzept, wie gegen Gensungen über Freiwürfe von Lux zum Erfolg zu kommen, ging auch in Bernburg auf. Bis zum 11:7 (19.) hatte der 2-Meter-Riese schon vier Treffer nach Freiwürfen erzielt. Daraufhin gab Anhalt-Coach Liesegang zunächst die Pressdeckung auf.

Jetzt machte Lux, was er wollte und haute Mantas Gudonis die Bälle sogar aus zwölf Metern rein. Weder Gudonis noch Artur Gawlik erwiesen sich in diesem Derby als der erhoffte Rückhalt. Das Torwart-Duell ging eindeutig an die Gäste. Andreas Sprecher brachte mit seinen Reflexen die Bernburger Schützen zur Verzweiflung und erstickte auch den kleinen Hoffnungsfunken der Gastgeber nach dem Wiederanpfiff. Auf 11:16 (32.) kam der SV Anhalt heran, aber Sprecher nahm den Bernburgern jegliche Illusionen auf eine Wende. Unter einem gellenden Pfeifkonzert nahm Liesegang beim 13:23 (46.) eine Auszeit, die jedoch nichts mehr am einseitigen Spielverlauf änderte.

Bernburg: Gawlik, Gudonis (18.-30.); Hoffmann (2), Cieszynski (10 / 6), Kraft (1), Lampe (3), Grohmann, Petersohn, Wartmann, Steinbrink, Rindert, Weber (2), Pajung (1) Dessau-Roßlau: Sprecher, Hoffmann (ab 53.); Pavlicek (2), Schöne (4), Uscins (7), Alisch, Lux (10 / 1), Werner (3), Pratersch, Zigelis (1) Schiedsrichter: Jakob / Kuss (Erfurt) - Zuschauer: 624 - Strafminuten: 10:14 - Rote Karte: Kraft (58., dritte Zeitstrafe) - Siebenmeter: 6 / 6:2 / 1 - Beste Spieler: niemand - Sprecher, Lux, Uscins, Schöne