Ihre Facebook-Seite ist seit Dienstagabend aktualisiert. Neues Foto und neuer Wohnort: Börtlingen, 50 Kilometer westlich von Stuttgart. Das war der letzte kleine Wechselschritt, der noch fehlte. Denn Zofia Fialekova, die Kreisläuferin des Handball-Zweitligisten Union Halle Neustadt, spielt künftig beim Ligakonkurrenten TV Nellingen. Ihren neuen Vertrag hat sie am Montag unterschrieben, schon am vergangenen Freitag ist sie aus Halle weggezogen. "Das ging jetzt schon alles sehr schnell für mich", gibt sie zu.
Als Grund für ihren Wechsel gibt Fialekova allein private Gründe an. "Ich wollte zu meinem Freund ziehen", sagt die Slowakin. Der spielt bei der HSG Wangen / Börtlingen in der Bezirksliga. Dass sie aber überhaupt wechseln konnte, obwohl sie noch vor Saisonbeginn einen neuen Ein-Jahres-Vertrag bei den Wildcats unterschrieben hatte, liegt an ausstehenden Gehältern. "Die Monatslöhne Juni und Juli sind nicht pünktlich gezahlt worden", gibt Union-Teammanager Frank Kastner offen zu. "Fila hat diese Möglichkeit genutzt, um ihren Vertrag zu kündigen." Allerdings habe Union mittlerweile die noch ausstehenden Zahlungen geleistet. Grundsätzliche Finanzierungsprobleme gebe es nicht.
Kastner geht mit der Situation, dass Gehälter nicht immer pünktlich gezahlt werden, erstaunlich offensiv um: "Die Mädels wissen, dass es manchmal Probleme geben kann, aber sie wissen auch, dass am Ende das Geld immer kommt." Grund sei, dass manchmal Sponsorengelder etwas später kämen.
Im Frauen-Handball ist dieses Problem insgesamt nicht unüblich. So trat in der vergangenen Saison der Trainer des Erstligisten DJK / MJC Trier, Thomas Happe, wegen ausstehender Gehaltszahlungen zurück. Und auch bei Union gab es schon häufiger Probleme. In der Saison 2009 / 2010 stieg der Kabelnetzbetreiber S+K als Hauptsponsor aus. Im Etat fehlte eine fünfstellige Summe, die Handballerinnen verzichteten auf Geld. Auch in der vergangenen Saison tat sich kurzfristig ein Etatloch auf. "Wir haben damals mit allen Spielerinnen gesprochen und ihnen freigestellt, im Zweifel auch den Verein verlassen zu können. Auch damals haben wir teilweise nur mit drei Monaten Verspätung Gehälter zahlen können", erzählt Kastner.
Deswegen geht der Verein neue Wege, um auch international hochklassige Spielerinnen wie Dagmara Stuparicova oder Anna Baranowska verpflichten zu können. Ein duales System: "Wir versuchen, den Spielerinnen einen Arbeitsplatz zu besorgen", erzählt Kastner. Damit reduziert sich das Gehalt, das Union zahlen muss. Und für viele Handballerinnen sei das auch wichtig, schließlich müssten sie an die Zeit nach ihrer Karriere denken. Eine Spitzen-Handballerin in der zweiten Liga verdient im Monat maximal 3 500 Euro brutto. Darin enthalten sind Sachleistungen wie Wohnung und Auto. "Profiverträge machen wir immer nur für eine Übergangszeit", sagt Kastner. Das galt auch bei Zofia Fialekova. "In der vergangenen Saison haben wir ihr auf eigenen Wunsch schon einen Job besorgt", sagt Kastner. Zuvor war sie als Vollprofi unter Vertrag.
So plötzlich der Abgang von Fialekova jetzt auch war, sportlich trifft es die Wildcats laut Teammanager nicht so hart. "Wir haben ihr vor der Saison schon ganz bewusst nur einen Ein-Jahres-Vertrag gegeben", erzählt Kastner. "Sie hat eine Achillessehnenverletzung und nicht mehr so viel Sprungkraft. Zudem hat sie in der vergangenen Saison als Kreisläuferin nicht die Leistungen gebracht, die wir erwartet haben." Stefanie Hummel habe bewiesen, dass sie den Anforderungen genüge. Kastner: "Ich habe sie ohnehin vor Fila gesehen."
An der ganzen Angelegenheit ärgert den Teammanager aber vor allem der Stil. Fialekova habe bisher nicht persönlich mit ihm gesprochen, sondern einfach eine schriftlich Kündigung an die Geschäftsstelle geschickt. Die Spielerin bestätigt das im Gespräch mit der MZ. "Dann ist sie am Donnerstag noch einmal beim Training aufgetaucht, um sich von der Mannschaft zu verabschieden. Das war's", sagt Kastner. Er selbst empfindet dies als "stillos", zumal die 26-Jährige vier Jahre für Union gespielt hat. Am Ende gelte aber: "Reisende soll man nicht aufhalten." Am 16. Februar kommenden Jahres wird Fialekova noch einmal nach Halle kommen. Dann spielt Union gegen Nellingen.