Jacqueline Hummel, die mit acht Treffern noch beste Union-Werferin war (rechts), duelliert sich mit Altlandsbergs Sylvia Kalina. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)
Die gute Nachricht des Tages kam erst nach dem Abpfiff. Die Universitätssporthalle in der Selkestraße war am Sonntag schon fast leer, als ein heiterer Helmut Röder, Trainer des MTV Altlandsberg, noch auf dem Parkett stand, um seine Mannschaft für den Auswärtssieg gegen Union Halle-Neustadt zu loben. "Solche Siege tun gut im Abstiegskampf. Ganz verdient war das." Im Kellerduell der zweiten Handball-Bundesliga der Frauen hatte Röders Mannschaft den Hallenserinnen eine bittere 30:31-Niederlage beigefügt. Doch dann ließ der Gäste-Trainer die Katze aus dem Sack und wischte mit einem Satz alle neugeschürten Abstiegsängste in Halle beiseite: "Meine Mannschaft weiß es bisher noch nicht: Für nächste Saison beantragen wir keine Zweitliga-Lizenz." Im Klartext: Nachdem nun mit dem MTV Altlandsberg die vierte Mannschaft den Rückzug aus der zweiten Bundesliga bekanntgab, wird es diese Saison keinen sportlichen Absteiger geben. Unions Klassenerhalt ist damit spruchreif - trotz der abstiegsreifen Vorstellung am Sonntag.
Dabei bot das Duell der Tabellennachbarn im Prinzip 60 Minuten beste Handball-Unterhaltung. Die Gäste starteten furios und treffsicher, Union präsentierte sich dagegen wie gelähmt. Als Wildcats-Trainer Michael Funke nach acht Minuten die erste Auszeit nahm, stand es bereits 0:6. Nach zehn Minuten führte Altlandsberg sogar mit 9:1. Hallensprecher Raphael Knopp flehte die konsternierten 240 Zuschauer an, nicht die Köpfe hängen zu lassen. Mehr oder weniger sprachlos zeigte sich Union-Trainer Funke: "So einen schwachen Start habe ich noch nie erlebt. Keine Ahnung, wie so etwas zustande kommt, schließlich haben wir im Anschluss ja ordentlichen Handball gespielt."
Tatsächlich kämpften sich die Wildcats in der Folge mit großem Willen heran. Das lag vor allem an Kapitän Monic Burde, die vor der Pause fünf Tore in zehn Minuten erzielte und den 15:17-Pausenstand herstellte. Halles beste Werferin war Jacqueline Hummel mit acht Treffern, für die Gäste traf Mandy Gramattke insgesamt sieben Mal.
Es folgte die beste Phase von Union. Nach der Pause führte Halle das erste Mal, und wie im Rausch spielten sich die Wildcats einen komfortablen 25:21-Vorsprung heraus. Doch dann kam die Mental-Blockade und Union zerbrach. "Plötzlich kam das Leistungsloch. Ab der 50. Minute ging bei uns überhaupt nichts mehr", sagte Trainer Funke.
Nach der ernüchternden Niederlage war der Lizenzverzicht des Gegner für Trainer und Spielerinnen nur ein schwacher Trost. "Eigentlich wollten wir den Nichtabstieg sportlich schaffen", sagte Monic Burde. Zum Glück, möchte man sagen, muss man es jetzt nicht mehr darauf ankommen lassen.