Handball: Nicht ohne meine Familie

07.08.2012 22:55 Uhr | Aktualisiert 07.08.2012 23:10 Uhr
Michal Lukacin mit seinen Kindern Adam und Michaela auf seinem Balkon in Halle-Neustadt. (FOTO: SCHULZ) 
Von Jan-Ole Prasse
Michal Lukacin will Union Halle-Neustadt wieder in die Ligaspitze führen. Bei Spielerinnen setzt er auf absolute Fitness.
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Halle (Saale)/MZ. 

Bei allen läuft der Schweiß schon in Strömen, einige ringen nach Luft. Aber es ist noch lange nicht Schluss. Die Handballerinnen müssen schon wieder Aufstellung nehmen für die anstrengenden Dehn- und Kraftübungen. So will es Michal Lukacin, der neue Trainer von Union Halle-Neustadt. Denn für ihn gilt, dass seine Spielerinnen absolut fit sein müssen. "Ich will als Trainer Disziplin", sagt er.

So hart er als Chef der Wildcats sein kann, so weich ist er zu Hause bei seiner Familie. "Daheim ist meine Frau ganz klar der Chef", erzählt der 39-jährige Slowake schmunzelnd. Zu Hause will er seine Ruhe haben mit seinen beiden Kindern, der fünfjährigen Michaela und dem zehnjährigen Adam. "Ich spiele dann mit ihnen, ich bin der Nette", sagt Lukacin.

Er braucht seine Familie als Ruhepol, als Rückzugsort - wie viele. Aber bei einem professionellen Handballtrainer ist das für Frau und Kinder problematischer, denn sie müssen bei jedem neuen Job mit umziehen. Und bei Lukacin waren das schon einige. Er hat in der Slowakei, in Tschechien und in Deutschland gearbeitet, die Familie war immer mit dabei. "Es ist mir wichtig, dass meine Familie mitkommt", sagt er.

Neben einem neuen Umfeld und neuen Freunden heißt das auch immer eine neue Sprache. Darum läuft im Hause Lukacin zurzeit der Fernseher häufiger als üblich. Aber nicht zur Unterhaltung, sondern zur Bildung. "Wir schauen alle zusammen Kinderkanal. Darüber lernen meine beiden Kinder Deutsch", sagt Lukacin. Adam, der demnächst in Halle-Neustadt zur Schule kommt, kann aus der Zeit, die sein Vater beim Erstligisten DJK / MJC Trier war, noch ein bisschen Deutsch. Für Michaela wird es in der Kita einfacher, die neue Sprache zu lernen. "Für meine Kinder ist es auf jeden Fall gut, Deutsch zu können, auch für später", sagt Lukacin, der selbst noch immer am Büffeln der Sprache ist, die er sich schon immer selbst beigebracht hat.

Die Entscheidung zum Wanderleben als Handballtrainer fiel vor 13 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war Lukacin, der Biologie und Sport studiert hat, Lehrer und trainierte nur nebenbei. Da wurde ihm der Trainerposten beim slowakischen Erstligisten Iuventa Michalovce angeboten. "Damals stand ich vor der Alternative, 40 Jahre Lehrer an einem Ort oder Profitrainer und umherziehen. Und ich wollte damals rauskommen", sagt Lukacin.

So hielt er es schon selbst als Spieler. Direkt nach seiner Studentenzeit spielte er ein Jahr lang in der kleinen österreichischen Stadt Hallein. Auch als aktiver Handballer tickte er ein bisschen wie ein Trainer. Lukacin spielte in der Rückraummitte als Spielmacher. "Das ist der halbe Trainer auf dem Spielfeld", sagt er. Als "richtiger" Trainer hat er schon einige Erfolge vorzuweisen. Mit Michalovce wurde er slowakischer Meister, mit Veseli tschechischer. Und die Trierer Handballerinnen führte er mit einem vollkommen neu zusammengestellten Kader auf Platz fünf der Bundesliga.

Seine Spielphilosophie hat sich dabei nicht verändert. Neben absoluter Fitness setzt er vor allem auf eine stabile Abwehr. "Jeder Fehler, den der Gegner im Angriff macht, kann dann mit einem schnellen Gegenstoß bestraft werden", sagt er. Seine klaren Vorstellungen sind auch ein Grund, warum er Frauentrainer ist. "Frauen halten sich eher an ein klares System, Männer sind kreativer, weichen ab."

Und mit den Wildcats hat Lukacin große Ziele. "Der Name Union Halle-Neustadt gehört in die Spitze der zweiten Bundesliga", meint der Slowake. In dieser Saison werde man sehen, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. "Aber wir brauchen eine Vision für die nächsten zwei oder drei Jahre. Warum nicht erste Bundesliga?"

Diesen Weg will Lukacin mitgehen, denn er hat sich vorgenommen, länger in Halle zu bleiben. Und wenn es ganz lange geht, bekommen die Wildcats vielleicht noch einmal aktiven Lukacin-Nachwuchs. "Bei Michaela bin ich mir sicher, dass sie sich für Handball entscheidet", sagt er.