Mario Schellbach wehrt sich dagegen, von einem Debüt zu sprechen. "Es geht darum, den Zuschauern tollen und attraktiven Handball zu zeigen, aber Pflichtspiele sind das ja noch nicht", sagt der 38-Jährige vor den Spielen um den BWG-Cup. Die bilden heute praktisch den Auftakt der neuen Handball-Saison. Für Schellbach ist das damit unweigerlich eine Premiere, denn in der vergangenen Saison hat er noch die HG 85 Köthen trainiert.
Sein neues Team empfängt in der Sporthalle Bildungszentrum in Halle-Neustadt den Erstligisten und Stammgast SC Magdeburg, den Zweitligisten SC DHfK Leipzig sowie den Landsberger HV aus der Sachsen-Anhalt-Liga. Das sind vier Teams aus vier unterschiedlichen Ligen. Nervös ist Schellbach nicht. Viel zu gut kennt er bereits sein Umfeld, denn der Abwehrspieler lief jahrelang für den HC Einheit auf. Er spielte selbst noch mit beim BWG-Cup, der damals noch Renault-Cup hieß, und kennt daher einige Handballer der Gast-Mannschaften.
Gegen den SC Magdeburg und den SC DHfK Leipzig wird für sein Team nichts zu holen sein. Das weiß Schellbach: "Wir sind nicht im Fußball, wo der Viertligist einen Erstligisten schlagen kann." Die Show soll vor allem die Handball-Begeisterung in Halle anheizen. "Wenn ich in den letzten Jahren die Zuschauerzahlen gesehen habe, dann hat mir das immer wehgetan. Die haben offensichtlich rapide abgenommen", erzählt der Rückkehrer.
Gestrandet in Liga vier
Ein Grund dafür könnte sein, dass die Fusion der Handballvereine HC Halle und HV Einheit 95 Halle vor rund zehn Jahren nie den erhofften Schritt in die zweite Liga brachte. Schlimmer noch: Halles Handballer sind nach der gescheiterten Qualifikation für die neue dritte Liga im Jahr 2011 sogar in der vierten Liga gestrandet, der Mitteldeutschen Oberliga. Und selbst dort kämpften sie gegen den Abstieg. "Natürlich haben wir die Vision Bundesliga-Handball noch. Aber das wird ein langer, schwieriger und anstrengender Weg", sagt Vizepräsident Michael Kühnel.
Für die neue Saison sieht Kühnel sein Team besser aufgestellt als im vergangenen "Ausrutscherjahr". Die drei Neuzugänge Stefan Luther, Pierre Sogalla und Robert Wagner verstärken die Mannschaft. "Wenn jetzt ein oder zwei Spieler ausfallen, dann werden wir nicht daran sterben. Abstiegsgefahr soll dieses Jahr kein Thema werden", sagt Mario Schellbach.
Die Spieler des HC Einheit befinden sich bereits in der vierten Woche ihrer Saisonvorbereitung, das Turnier ist deshalb eine sehr hohe Belastung. "Aber das müssen die Jungs wegstecken. Sie sollen eine gute Show zeigen", sagt Schellbach, der selbst kein Freund von frühen Spielen in der Vorbereitung war. Deshalb setzt das Trainergespann mit Martin Ostermann und Schellbach auf taktisch Bewährtes, Neues wird erst später ausprobiert.
Erster Auftritt für Landsberg
Seine Premieren-Vorstellung beim alljährlichen Handball-Turnier in Halle gibt der Landsberger HV. Auf seiner Internetseite bezeichnet der Verein die Teilnahme als einen "Höhepunkt der Saison". Die Landsberger, die in der vergangenen Saison den vierten Platz der Sachsen-Anhalt-Liga erreichten, sehen sich natürlich als Außenseiter, würden die Favoriten mit einem beherzten Auftritt aber gerne ein wenig ärgern.
Dass so ein Ärgern durchaus etwas bewegen kann, weiß Mario Schellbach selbst am besten. Denn auf diesem Weg kam er mit 13 Jahren zum Handball: In seiner Schulklasse waren jede Menge erfolgreiche Handballerinnen. "Ich habe denen gesagt: Das bisschen was ihr macht, kann ich auch!" Daraus entstand eine Wette, die in einer Handball-Partie Jungen gegen Mädchen mündete. Das Spiel hat Schellbach mit seinen Freunden zwar verloren, aber sein Interesse für die Sportart war geweckt.
Und noch immer kann er, mit 38 Jahren, das Handball spielen nicht lassen: Auch in der kommenden Saison wird er, sofern er Zeit hat, sporadisch für die zweite Mannschaft des HG 85 Köthen auflaufen. Vielmehr will er aber mithelfen, den Erfolg zum HC Einheit zurückzuholen und damit wieder mehr Zuschauer in die Sporthalle locken. "Die Handballbegeisterung in Halle ist da, wir müssen den Sack nur zu machen", sagt Schellbach.