Biss sich gegen die kräftige Gästeabwehr durch: Ants Benecke (FOTO: MZ)
Angebracht war die Freude jedoch vor allem auf Seiten des HSV Naumburg-Stößen. Nicht nur, dass man mit der Punkteteilung den direkten Verfolger aus Calbe weiter auf Zwei-Zähler-Abstand hält. Nein, bemerkenswert war vor allem, dass man sich dieses Remis nach einem Fünf-Tore-Rückstand (12:17 in der 40. Minute) erkämpfte. Dass jedoch auch die Gäste aus Calbe trotz verspieltem Vorsprung und verpasster Tabellenführung wild feierten, zeigte nur eins: Sie hatten gehörigen Respekt vor der Partie in Naumburg.
Und an zu großem Respekt schienen zunächst auch die Offensiv-Asse des Gastgebers zu leiden. Lediglich drei eigene Tore standen nach einer Viertelstunde zu Buche. Schnell wurde deutlich: Schuld daran war eine fantastische Deckungsarbeit der Gäste aus Calbe. Schnell, robust und hochkonzentriert ließen sie kaum klare Torchancen der Naumburg-Stößener zu. Der HSV geriet mit 3:6 in Rückstand, holte diesen zwar zum 6:6 auf, blieb bis zur Pause (9:12) aber stets mit zwei oder drei Toren zurück. Tobias Seyfarth passierten gleich vier Schrittfehler, und weder Marcel Kilz noch Ants Benecke kamen auf der Spielmacherposition die zündenden Ideen, wie der Calbenser Riegel am besten zu knacken ist.
Und auch nach der Pause waren es zunächst die Gäste, die am Drücker blieben. Sie zogen trotz zeitweiliger Dreifach-Unterzahl auf 15:11 weg und führten in erwähnter 40. Minute unter dem lautstarken Jubel ihrer begeisterten Fans mit 17:12. Nun reagierte Ines Seidler: Sie brachte Tobias Seyfarth nach einer zehnminütigen Denkpause auf der Bank wieder auf die Platte. Und dieser dankte es ihr, indem er in kurzer Abfolge zwei Siebenmeter verwandelte. Die HSV-Spieler bissen sich nun in die Partie. Benecke, Kilz und Fende gingen dorthin, wo es weh tut - und das ist beim Handball wörtlich zu nehmen. Sie holten Siebenmeter und Zeitstrafen heraus. Und beim 19:19 war der HSV wieder zurück. Nun wurde es ein Krimi. Hinten stand der HSV jetzt besser, bekam den agilen Calbe-Spielmacher René Hulha in den Griff und konnte sich nun auch auf Keeper Tobias Beyer verlassen, der sogar per Kopf parierte. Vorne wäre sogar noch etwas mehr drin gewesen. Doch Seyfarth verwarf, nachdem er zuvor vier Mal verwandelt hatte, den fünften Strafwurf-Versuch und scheiterte kurz darauf mit einem misslungen Heber.
Calbe nahm in der Schlussminute die letzte Auszeit, scheiterte danach aber erneut an Beyer, und mit 20 Sekunden auf der Uhr wäre sogar noch ein HSV-Sieg möglich gewesen. Der Ball ging jedoch vorbei, der abschließende Freiwurf blieb hängen, doch noch bevor dieser ausgeführt wurde, jubelten Kilz, Benecke und Co. schon. Hauptsache nicht verloren - so schien es.
Und auch Trainerin Ines Seidler war nach der Partie überglücklich: "Ich bin restlos zufrieden. Calbe war heute die bessere Mannschaft und uns körperlich total überlegen. Doch wir haben Moral gezeigt." Ein Lob gab es vor allem für die Leidensbereitschaft ihres Teams. Verschnaufpausen gab es für die Stammformation so gut wie gar nicht. Auch, weil Trainerin Seidler auf den am Fußgelenk angeschlagenen Steffen Baumgart verzichten musste. Eine Vorsichtsmaßnahme. Zusätzliche Freude werden beide Teams nach dem Schlusspfiff zudem beim Hören der anderen Liga-Ergebnisse verspürt haben - vor allem, da der Drittplatzierte aus Landsberg in Güsen nicht über ein 26:26 hinauskam. Somit haben die Naumburg-Stößener weiterhin zwei Punkte Vorsprung auf Calbe und drei auf Landsberg. Am kommenden Wochenende sind die Handballer aus dem Burgenlandkreis zunächst jedoch im Pokal in Frankleben gefordert, ehe es in der Woche darauf zur schweren Auswärtspartie beim Vierten in Langenweddingen geht.
HSV mit:
Tobias Beyer, Sandro Zacher; Tobias Seyfarth 6 / 4, Sebastian Fende 3, Ants Benecke 6, Marcus Deibicht 3, Sascha Kluge 2, Marcel Kilz 1, Tobias Ufer 2, Thomas Slamka.