Die Aufregung ist in seiner Stimme zu spüren. Kein Wunder, denn Frank Kastner, Teammanager der Handballerinnen von Union Halle-Neustadt, hat Großes zu verkünden. Einen für die Wildcats einmaligen Transferkracher.
Die slowakische Nationalspielerin Dagmara Stuparicova wechselt ablösefrei vom deutschen Meister Thüringer HC in die Saalestadt. "Wir bekommen mit Dagmara eine international erfahrene Spielerin, die unsere junge Mannschaft mit anführen kann", sagt Kastner. Stuparicova hat in Halle einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben.
Der Wechsel ist eine kleine Sensation. Stellt man den Vergleich mit der Fußball-Bundesliga an, dann wäre es so, als würde etwa Mittelfeldspieler Ivan Perisic von Borussia Dortmund zum Zweiligisten Energie Cottbus wechseln. Denn Dagmara Stuparicova hatte beim Thüringer HC in der vergangenen Saison eine ähnliche Position wie der Kroate beim deutschen Fußball-Meister, sie spielte regelmäßig, war aber im zweiten Glied hinter der etatmäßigen Linksaußen Idalina Borges Mesquita. "Ich habe beinah immer gespielt", erzählt die 29-Jährige: "Aber nur für ein paar Minuten."
Immerhin kamen so 26 Spiele in der Bundesliga mit 25 Toren und sechs in der Champions League mit vier Toren zusammen.
Doch zu Beginn der jetzt kommenden Saison verschlechterte sich ihre Situation nochmals. Eigentlich als Nachfolgerin von Mesquita eingeplant, setzte ihr der Thüringer HC zwei neue, jüngere Spielerinnen vor die Nase. Deswegen jetzt der Blitztransfer zum Zweitligisten, der in nur drei Tagen unter Dach und Fach war.
In Halle hat Stuparicova quasi eine Stammplatzgarantie. "Für mich ist der Wechsel in die zweite Bundesliga kein Problem. Ich liebe Handball und ich will darum immer spielen", sagt sie.
Ein weiterer Grund für den Wechsel der 1,65 Meter großen Spielerin sitzt auf der Bank - der neue Trainer Michal Lukacin. "Er ist ein junger, sehr guter Trainer, über den ich von meinem alten Verein nur Gutes gehört habe", lobt Stuparicova. Lukacin war in der vergangenen Saison Trainer beim slowakischen Vizemeister Dusla Sala, bei dem Stuparicova ihre Profi-Karriere begann.
Das Lob gibt Lukacin zurück: "Sie war meine Wunschspielerin, denn sie kann unsere junge Mannschaft führen." Damit sie diese Qualität besser zur Geltung bringen kann, wird der Trainer sie in der Rückraummitte einsetzen, also als Spielmacherin statt als Linksaußen. Die Slowakin traut sich das zu: "Ich kann diese Position ohne Probleme spielen."
Mit der Verpflichtung von Stuparicova steigen die Erwartungen an die Wildcats. Sie ist neben der polnischen Nationaltorhüterin Anna Baranowska und der Junioren-Nationalspielerin Elisa Möschter der dritte namhafte Neuzugang. Lukacin: "Ich will bei meinen Teams immer den maximalen Erfolg. Wir müssen mindestens einen einstelligen Tabellenplatz erreichen."
Union hätte gern noch weitere namhafte Spielerinnen geholt. "Wir haben wochenlang mit großen, wurfgewaltigen Rückraumspielerinnen verhandelt. Am Ende sind die aber dem Lockruf des Geldes in die erste Liga nach Deutschland, Schweden und Frankreich gefolgt", sagt Kastner. Stuparicova habe "auf viel Geld verzichtet".