Handball: Zigelis-Verletzung schockt DRHV

13.05.2012 19:55 Uhr | Aktualisiert 13.05.2012 21:49 Uhr
Drucken per Mail
Georgi Swiridenko

«Er hat uns gefehlt. Mit Zigelis hätten wir gewonnen.» meint DRHV-Trainer Georgi Swiridenko (FOTO: SEBASTIAN )

Von frank harnack
Der litauische Kreisläufer Andrius Zigelis bekommt im Training einen Finger ins Auge. Der DRHV verliert in Baunatal.
dessau-rosslau/MZ. 

Es war eine normale Spielsituation im Training, wie sie hundertmal vorkommt. Andrius Zigelis, der litauische Kreisläufer des Handball-Drittligisten DRHV, fing einen Ball, drehte sich Richtung Tor und brach zusammen. Der Finger eines seiner als Abwehrspieler fungierenden Teamkollegen hatte ihn ins Auge getroffen. "Wir sind sofort ins Krankenhaus gefahren", schildert DRHV-Chefcoach Georgi Swiridenko die Situation vom Donnerstagabend. Ohne den Abwehrspezialisten Zigelis musste der DRHV dann am Sonnabend in Baunatal zum Punktspiel antreten. Und verlor mit 25:29.

"Er hat uns gefehlt, gar keine Frage. Mit Zigelis hätten wir gewonnen", ist sich Swiridenko sicher, der nach dem Ausfall des Litauers die Abwehr umstellen musste. Die Beavers agierten gegen Baunatal mit einer offensiven 4-2-Variante, die Kraft kostet. Zuviel Kraft, wie sich am Ende herausstellen sollte. Bis zur 50. Minute lag Dessau-Roßlau stets in Führung, dann schwanden die Kräfte zusehends. Armands Uscins und Robert Lux hatten zudem schon in der ersten Hälfte jeder zwei Zeitstrafen bekommen, und mussten fortan im Abwehrverhalten aufpassen. "Das bremst natürlich, und gerade bei einer 4-2, wo man zupacken muss, schwächt das", nickt Swiridenko, dessen Team in Baunatal zur Pause noch mit 15:12 geführt hatte.

Doch es waren nicht allein die zusehends schwindenden Kräfte des kleinen Dessau-Roßlauer Spielerkader mit nur drei Wechselspielern, die den Hausherren die Wende ermöglichten. Die Beavers ließen bei eigener 19:15-Führung im zweiten Durchgang gleich vier Chancen im Duell eins gegen eins ungenutzt. "Nutzen wir diese vier Chancen, gewinnen wir", glaubt Swiridenko, der seiner Mannschaft trotz der Niederlage einen guten Auswärtsauftritt bescheinigte. "Die Einstellung stimmte. Das war ein ganz anderen Auswärtsauftritt als sonst", verteilte er ein kleines Lob an das Team.

Tags darauf beschäftigte natürlich mehr der Gesundheitszustand von Zigelis die Gemüter. Der Litauer musste nach der ersten Behandlung am Folgetag noch zwei Mal ins Krankenhaus, wo das lädierte Auge mit einer Salbe behandelt wurde. "Er hatte starke Schmerzen und konnte auf dem Auge nichts mehr sehen." Zigelis hat einen tiefen Kratzer auf der Pupille, der, so Swiridenko, laut Auskunft der Ärzte von selbst heilen wird. Am Sonntag kehrte das Sehvermögen schon langsam wieder zurück. "Ich hoffe, er kann am Sonnabend gegen Duderstadt wieder spielen", so der weißrussische Trainer, bei dem Erinnerungen an das Schicksal des Isländers Jason Olafsson wach wurden. Der Dessauer Publikumsliebling hatte 1998 im Landesderby gegen den FSV Magdeburg auch eine Augenverletzung erlitten und war daraufhin auf diesem Auge erblindet, das Ende seine Karriere als Handballer.