Kann Halle diese Woche doppelt feiern? (GRAFIK: MZ)
3,2 Kilo-meter Luftlinie liegen das Fußball-Stadion an der Kantstraße in Halle und die Sporthalle an der Burgstraße auseinander. Hier die moderne, vor einem guten halben Jahr eingeweihte Arena mit 15 000 Plätzen, dort die marode Ballsporthalle, die gerade einmal gut 400 Zuschauern Platz bietet und nur dank einer Ausnahmegenehmigung überhaupt für den Spielbetrieb zugelassen ist.
Äußerlich liegen Welten zwischen beiden Spielstätten und ihren Vereinen Hallescher FC und SV Halle Lions. Tatsächlich aber eint die beiden Teams in dieser Woche etwas ganz Großes: Die sportlichen Aushängeschilder der Stadt Halle stehen vor den größten Erfolgen seit der Wende.
Am Sonntag hat der Hallescher FC sein Heimspiel in der Fußball-Regionalliga gegen den FC St. Pauli II mit 5:0 gewonnen. Tags zuvor siegten die Damen der SV Halle Lions im dritten Finalspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft bei den Wolfenbüttel Wildcats mit 74:67.
Die Situation ist einfach: Jetzt gibt es zwei Matchbälle.
Den Lions fehlt nur noch ein Sieg, um den ersten Meistertitel für ein ostdeutsches Basketball-Team nach der Wende zu gewinnen. Es wäre eine sportliche Sensation. Die Mannschaft hat mit 180 000 Euro eines der kleinsten Budgets der Bundesliga. Und: Sie war nach sieben Spieltagen der regulären Saison noch Tabellenletzter. Ein Team, auf das niemand mehr zu wetten gewagt hätte.
Und auch der Hallesche FC kann am Wochenende seinen Traum von der Rückkehr in den Profi-Fußball perfekt machen. Zwei Spiele stehen noch aus, der Vorsprung des Tabellenführers der Regionalliga beträgt vier Punkte. Ein Sieg am Sonnabend beim ZFC Meuselwitz und eine nicht weniger große Sensation wäre perfekt. Dann stiege der HFC in die dritte Liga auf und hätte mit seinem 3,1-Millionen-Euro-Budget den übermächtigen Krösus RB Leipzig mit kolportierten sieben Millionen Euro in die Schranken verwiesen.
Das möglicherweise entscheidende Spiel am Sonnabend wird jedenfalls nur scheinbar eine Auswärtsaufgabe für die Fußballer. Die Anhänger werden in Thüringen wie eine Wand hinter den Rot-Weißen stehen. 13 Fan-Busse sind bereits gebucht. Und wie groß der Boom um die Mannschaft ist, zeigte bereits das Spiel am Sonntag: 13 025 Zuschauer waren dabei - der höchste Zuspruch in einem Ligaspiel des HFC seit der Wende!
Und die Lions? Die haben vor dem letzten Heimspiel der Saison ein ähnliches Boom-Problem. "Ich weiß noch nicht, wie wir den Ansturm bewältigen sollen", sagt Geschäftsführer Ralf Gonschorek. Der Verein wird hunderte Fans nach Hause schicken müssen.
Aber immerhin: Der Griff nach Deutschlands Basketball-Krone wird am Freitag live im Internet übertragen.