Insolvenz: Ecclestone soll Nürburgring retten

17.07.2012 08:28 Uhr | Aktualisiert 18.07.2012 17:41 Uhr
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Gescheitert

Das Projekt des Freizeitparks Nürburgring ist gescheitert. (FOTO: DPA)

Kaum war die Insolvenz des Nürburgrings bekannt, gab es auch schon den ersten spektakulären Rettungsplan: Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone soll den Traditionskurs in der Eifel am Leben erhalten.
Düsseldorf/Nürburg/dapd. 

Kaum war die Insolvenz des Nürburgrings bekannt, gab es auch schon den ersten spektakulären Rettungsplan. Wie die bereits gekündigten Pächter und Geschäftsführer des Nürburgrings in einer Pressemitteilung erklärten, soll ausgerechnet Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone den Traditionskurs in der Eifel am Leben erhalten.

Demnach sei man sich mit dem 81-Jährigen offenbar einig, dass er selbst als Veranstalter auftrete. Kurz zuvor hatte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) angekündigt, dass die landeseigene Nürburgring GmbH von sich aus ein Verfahren wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einleiten werde. Ausgerechnet vier Tage vor dem Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring gehen beim Konkurrenten in der Eifel die Lichter aus.

Stuck schockiert

Hans-Joachim Stuck, Präsident des Deutschen Motorsport-Bundes (DMSB), ist schockiert. „Diese Entscheidung kann ich nicht nachvollziehen und betrachte sie mit sehr viel Wehmut und Angst. Es kann nicht sein, dass es von der EU für ein deutsches Stück Kulturgut wie den Nürburgring mit seiner legendären Nordschleife, keine Unterstützung gibt“, sagte Stuck. Der frühere Formel-1-Pilot Christian Danner hält es „für sehr problematisch, dass die Politik einer Sportart das Wasser abgräbt. Es gibt auf der Welt kaum eine Rennstrecke, die staatlich nicht subventioniert ist“.

Grund für die jetzige Insolvenz ist die bei der vom Land bei der EU-Kommission beantragte Rettungsbeihilfe von 13 Millionen Euro, die voraussichtlich nicht vor dem 31. Juli genehmigt wird. Die Nürburgring GmbH ist angeblich mit insgesamt 413 Millionen Euro verschuldet. Die 13 Millionen Euro wären kurzfristig nötig gewesen, um die fälligen Darlehens-Rückzahlungen zu begleichen. Daraus folgt laut Beck, dass „mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Insolvenz zum Ende des Monats wegen mangelnder Liquidität“ eintreten würde. Dem komme man nun mit der Entscheidung für ein „geordnetes Insolvenzverfahren“ zuvor.

Allerdings hat die Nürburgring Automotive GmbH offenbar einen Masterplan in der Schublade. Nach dem neuesten Modell soll nun Promoter Bernie Ecclestone als Veranstalter auftreten und auf die Zahlung einer Fahrerfeld-Gebühr verzichten. Damit entfielen auch die erforderlichen Zuschüsse des Landes Rheinland-Pfalz. Im Gegenzug würde Ecclestone sämtliche Kosten tragen, aber auch alle Einnahmen beanspruchen, hieß es in der Mitteilung. Angeblich habe man zudem in einem „konstruktiven Gespräch“ deutlich gemacht, „dass es nur noch ein kleines Zeitfenster für die Zustimmung des Landes für die nun erreichte Lösung gebe“. Man erwarte „hierzu eine kurzfristige positive Stellungnahme“.

Hockenheim steht bereit

Die gab es bislang aber nicht, stattdessen die Nachricht, dass die Insolvenz vorangetrieben werde. „Wir haben uns entschlossen, unseren Gesellschafter zu beauftragen, den Aufsichtsrat einzuberufen und ein geordnetes Insolvenzverfahren einzuleiten“, sagte Beck. Der weitere Ablauf: Es werde nun ein entsprechender Antrag beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler eingereicht. Anschließend werde ein Insolvenzverwalter bestimmt, der zukünftig die Fäden am Nürburgring in der Hand halten werde. Der Insolvenzverwalter wird sich dann auch um die Verträge des Eifelkurses mit diversen Rennserien wie der Formel 1 kümmern. Allerdings hat der Hockenheimring bereits angekündigt, für den nun insolventen Konkurrenten einspringen zu können, sollten die Voraussetzungen stimmen.

Es geht allerdings nicht nur um die Formel 1. Die nächste große Motorsport-Veranstaltung wäre vom 10. bis 12. August der AvD-Oldtimer-Grand-Prix. Der Automobilclub von Deutschland sieht die Veranstaltung „nicht in Gefahr. Es sollte im Interesse des Insolvenzverwalters sein, den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten, die Einnahmequellen zu nutzen und das Image des Nürburgrings zu bewahren“, sagte AvD-Pressesprecherin Cathrin von der Heide auf dapd-Anfrage. Der ADAC fordert derweil eine Erklärung des Landes, „wie die Durchführung der Veranstaltungen 2013 sowohl terminlich als auch von der Durchführbarkeit gesichert werden kann“.

Und auch die DTM ist optimistisch, ihr Rennen am 19. August austragen zu können. „Derzeit gehen wir davon aus, dass unser Rennen stattfindet. Alle Vorbereitungen dafür laufen planmäßig“, sagte Jürgen Pippig auf dapd-Anfrage. Das Vorstandsmitglied der DTM-Dachorganisation ITR kündigte aber zugleich an, die derzeitige Situation mit einer schriftlichen Anfrage an die Landesregierung Rheinland-Pfalz klären zu lassen.