Das Ambiente passte. In der großen Testhalle des Leipziger Institutes für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) dominierten das Blau der Tartanbahn und die nur notdürftig verdeckten Schaumstoffkerne der Sprunggrube der Turner statt eines roten Teppichs die Szenerie. Auf der Bühne gratulierten Olympiasieger wie Eisschnelllauf-Idol Gunda Niemann-Stirnemann, Biathlet Ricco Groß und Judoka Udo Quellmalz mit einem Spruchband „Danke IAT - macht weiter so“ für 20 Jahre wissenschaftlicher Arbeit im Dienste des Sportes und 200 geladene Gäste applaudierten.
„Das Leipziger IAT ist längst zu einer unverzichtbaren Einrichtung des deutschen Spitzensportes geworden“ sagte Helmut Digel. Der langjährige deutsche Spitzensport-Funktionär, der in Tübingen selbst einem Sportwissenschafts-Institut vorstand, ergänzte mit Blick auf sein Spezialgebiet Leichtathletik: „Unsere Technischen Disziplinen Speerwerfen, Kugelstoßen, Hammerwurf und Diskus haben sehr von der guten Leistungsdiagnostik profitiert. Das IAT spielt eine zentrale Rolle.“ Digel wollte den sportlichen Erfolg der Weltmeister von Daegu 2011 David Storl (Kugel), Robert Harting (Diskus) und Matthias de Zordo (Speer) nicht in Richtung der wissenschaftlichen Einrichtung verschieben, hob aber das „Teamwork der Betreuungsstrukturen rund um das tägliche Training der Athleten“ hervor.
Ähnlich sahen es aktuelle Sportstars selbst. „Das IAT garantiert uns schnellstmögliche Technik-Analysen, auch auf meiner Heimschanze in Klingenthal“, erzählte zum Beispiel der Weltmeister in der Nordischen Kombination Eric Frenzel in einer Videobotschaft. Für Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner ist die sportwissenschaftliche Betreuung gar „die einzige Chance, auf internationaler Bühne zu bestehen“. Das 1992 in der Nachfolge der ehemaligen DDR-Kaderschmiede FKS (Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport) im Zentrum Leipzigs in der Nähe des damaligen Zentralstadions gegründete IAT wird aktuell mit 7,4 Millionen Euro aus dem Bundesministerium des Inneren finanziert. Dessen Sport-Abteilungsleiter Gerhard Böhm erklärte die Finanzierung für die nächsten Jahre als gesichert und kündigte zudem an, nach Wegen des weiteren Ausbaus des IAT-Angebotes „im konstruktiven Dialog“ mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu suchen. Bei 80 Prozent Personalkosten sind zum IAT drängende zusätzliche Sportarten (bisher 20 aus dem Spitzensport) nicht zu integrieren. „Wenn wir in sechs bis sieben Spitzenverbänden wie gewünscht mehr Aufgaben übernehmen, dann benötigen wir mindestens 2,5 Millionen Euro pro Jahr mehr“, rechnete Instituts-Direktor Arndt Pfützner vor.
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung feierte das IAT in seinem Grußwort als Werbeträger für seine Stadt und „wichtigen Partner für die Entwicklung der Sportstadt Leipzig. Wir sind sehr froh und stolz, das IAT im Herzen der Stadt zu haben.“