Kegeln: Dreimal auf höchstem Niveau

24.07.2012 18:57 Uhr | Aktualisiert 24.07.2012 20:58 Uhr
Auch in der kommenden Saison wird in Brehna gleich doppelt auf Bundesliga-Niveau gekegelt. (ARCHIVFOTO: KEHRER) 
Von andy neumann
Sandersdorf-Brehna ist auch im kommenden Jahr mit drei Mannschaften auf Bundesliga-Niveau vertreten. Das aber hat nicht nur sportliche Gründe.
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brehna/sandersdorf/MZ. 

Auch in der kommenden Saison wird die Stadt Sandersdorf-Brehna mit einem Kegel-Novum in Sachsen-Anhalt aufwarten können. Genau wie im Vorjahr werden gleich drei Mannschaften des Ortes im Classic-Kegelsport auf Bundesebene antreten. Neben den Damen und Herren des TSV Blau-Weiß Brehna wird auch wieder die erste Damenauswahl der SG Union Sandersdorf dabei sein.

Brehnas Männer sind sogar nachträglich in die 2. Bundesliga aufgestiegen - dafür reichte allerdings der Klassenerhalt in Liga drei. Der Grund dafür ist der andauernde Streit über das Spielsystem im Kegeln, der jetzt in einer ersten Abspaltung etlicher Vereine vom Deutschen Keglerbund Classic (DKBC) gipfelte und die Ligeneinteilung noch einmal maßgeblich beeinflusste.

Systemstreit ist eskaliert

International wird seit einigen Jahren nach einem neuen Modus gespielt. Hier kegeln alle Altersklassen pro Spieler viermal 30 Wurf nach Satzpunkten. Da der Weltverband den Mitgliedsländern dieses Spielsystem zumindest in den obersten Ligen vorschreibt, haben sich auch die meisten Staaten diesem Modus angeschlossen.

In Deutschland wurden jedoch lediglich der DKBC-Pokal und nach einigen Rechtsstreitigkeiten auch die ersten Bundesligen umgestellt. Bislang wehrte sich eine Mehrheit der deutschen Kegler erfolgreich gegen die Einführung des Punktsystems, diese so genannten "Traditionalisten" bevorzugen weiterhin die Holzwertung, in der die Mannschaft mit den meisten erzielten Kegeln gewinnt.

Anfang des Jahres wurde das bestehende Präsidium des DKBC in einer außerordentlichen Konferenz abgewählt und durch ein neues ersetzt, das sich die erweiterte Einführung des internationalen Systems zum Ziel gesetzt hat. Dadurch sollen die jahrelangen Streitigkeiten mit dem Weltverband beendet werden. Gegen diese Einführung regt sich weiterhin Widerstand, vor allem in den Kegelhochburgen in Hessen, Bayern und Baden.

Nun hat sich ein neuer Verband gegründet, die Deutsche Classic-Kegler Union (DCU). Diesem haben sich viele Bundesligisten angeschlossen, vor allem aus den westlichen Bundesländern, teilweise aber auch aus Thüringen. Sachsen-Anhalts Vertreter aber kegeln bislang alle weiter beim DKBC. Wegen der vielen Abgänge auf Bundesebene hat sich der DKBC dazu entschlossen, im Herrenbereich die 3. Bundesligen aufzulösen.

Alle ehemaligen Drittligisten bis Platz acht stiegen damit automatisch auf, um die freien Plätze aufzufüllen. Bei den Damen war der Aderlass nicht ganz so groß, weshalb es ausreichte, in den dritten Ligen die sportlichen Absteiger in den Klassen zu belassen. Deshalb muss der SV Glück-Auf Möhlau trotz des zehnten Platzes nicht absteigen.

Brehnas Männer hoffen, in der neuen Elferstaffel wieder im Mittelfeld mitzuspielen. Laut Mannschaftsleiter Guido Lehmann wäre eine Wiederholung des sechsten Platzes aus dem Vorjahr ein großer Erfolg. Ziel ist auf jeden Fall der Klassenerhalt. "Als jüngste Truppe der Liga sorgen wir aber so oder so für Aufsehen", blickt Lehmann voraus. Dafür haben sich die Blau-Weißen mit dem 23-jährigen Stephan Wittig (Zerbst) und Patrick Germer (Könnern) verstärkt. Heiko Neuendorf wird den Verein dagegen in Richtung Wählitz verlassen.

Als Favoriten sieht Lehmann den Meister Kleeblatt Berlin und Senftenberg. Aber auch vom sächsischen Aufsteiger Freiberg wird einiges erwartet. Interessante Derbys wird es weiterhin gegen Zerbst II, Roßlau, Magdeburg und auch Mücheln II geben.

Unter den Vorbereitungsspielen stechen vor allem ein hochkarätig besetztes Turnier in Nerchau und ein Spiel beim Erstligisten Engelsdorf (Leipzig) hervor. Die Saison beginnt für den TSV dann am 15. September mit einem Heimspiel gegen den Bahnrekordhalter Geiseltal-Mücheln II.

Juniorenweltmeisterin zu Union

Die Damen aus Brehna gehören aufgrund ihrer Leistungen in den letzten Jahren wieder zu den Favoriten in der Liga. Da die ersten beiden Teams der Vorsaison aufgestiegen sind, hat Brehnas Mannschaftsleiterin Birgit Rosenhahn als Ziel für den Vorjahresvierten wieder eine vordere Mittelfeldplatzierung ausgegeben. Einziges Problem könnte dabei die dünne Personaldecke werden.

Zwar kann man auf acht erfahrene Topspielerinnen zurückgreifen, aber dahinter klafft doch eine große Lücke. Deshalb hofft man im Brehnaer Lager wieder auf Iris Zimmermann, Sylvia Hanisch und Astrid Stieler, die in der letzten Serie aus unterschiedlichen Gründen nicht immer zur Verfügung standen.

Union Sandersdorfs Damen dürften im zweiten Jahr ihrer Bundesligazugehörigkeit keine großen Probleme haben, die Klasse zu halten. Allerdings wird die 3. Bundesliga durch die erneut zu erwartenden Veränderungen wahrscheinlich in der Zukunft ebenfalls aufgelöst werden.

Es zählt also jeder Punkt, um weiterhin im Konzert der Großen mitspielen zu können. Dafür hat sich Union mit der Mannschaftsweltmeisterin der Juniorinnen Sarah Dressler aus Möhlau verstärkt.

Neben den bekannten Derbys gegen Möhlau, Schafstädt und zwischen Brehna und Sandersdorf sollten besonders die Spiele gegen die Aufsteiger aus Schönebeck und Wolfsburg interessant werden. Am 16. September startet Brehna gegen Schafstädt in das neue Wettkampfjahr, während Sandersdorf nach Wolfsburg reisen muss. Eine Stadt im Kegelfieber.