Kegeln: Verschworene Gemeinschaft

08.05.2012 18:41 Uhr | Aktualisiert 08.05.2012 19:10 Uhr
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Die Montagskegler des SV Turbine Zschornewitz

Die Montagskegler des SV Turbine Zschornewitz treffen sich seit 1964. Einzige Frau in der Männerrunde ist Lieselotte Straubel (rechts). (FOTO: ANDREAS BEHLING)

Von andreas behling
Die Montags-Kegler von Turbine Vockerode treffen sich regelmäßig seit 1964. Einen Treueschwur hat niemand von ihnen geleistet. Aber die Bindungen untereinander halten länger als manche Ehe.
vockerode/MZ. 

Einen Treueschwur hat niemand von ihnen geleistet. Allerdings halten die Bindungen untereinander länger als manche Ehe. Es geht ihnen nicht darum, auf dem Siegerpodest ganz oben zu stehen, sondern darum, einen Teil ihrer Freizeit bei der SG Turbine Vockerode gemeinsam zu verbringen. Der Stamm der "ewigen" Montagskegler bildet seit 1964 auf der Vier-Bahnen-Anlage eine mehr oder weniger unzertrennliche Gemeinschaft.

Der Spaß, ausgelebt bei Betriebssportfesten und Vergleichswettkämpfen gegen andere Betriebe, ist nach fast fünf Jahrzehnten nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Die Erinnerung an Erfolge leistete einen großen Beitrag, das einende Band über die Zeit hinweg eng zu halten. Dass in dem verschworenen Kreis kein Geburtstag vergessen wird, ist natürlich Ehrensache. Auf der anderen Seite werden die Daumen kräftig gedrückt, wenn es einem der Sportfreunde - wie im Fall des Oranienbaumers Erwin Degner, der kürzlich ins Krankenhaus musste - gesundheitlich mal nicht so besonders geht.

So oder so hat der Spruch Walter Breitmanns Gültigkeit: "Wer am Montag nicht erscheint, der muss schon etwas ganz Besonderes vorhaben." Von seinen Mitstreitern Manfred Schwarzbach (72), Gerhard Ringling (75), Günter Straubel (75) und Manfred Laubner (76) wird Breitmann respektvoll "Alterspräsident" genannt. Seinem 84. Geburtstag entgegen sehend, ist das Turbine-Mitglied inzwischen mehr als 60 Jahre sportlich aktiv. "Es ist eine schöne Truppe, die hier zusammenhält", unterstreicht der Senior, der 1954 im Vockeroder Kraftwerk die erste Turbine in Gang setzte.

Ab 1956 ins sportliche Geschehen einsteigend, kann sich auch Manfred Laubner noch lebhaft erinnern, wie das Kegeln im Ort auf die Beine kam. Wo heute die Kugeln rollen, war am Anfang die Bau- und Montageunterkunft untergebracht.

Erst als die frei wurde, konnte man daran denken, alle Neune abzuräumen. Seinerzeit stellten die Lehrlinge der Berufsschule die Kegel allerdings noch mit der Hand auf. Die eifrigen Montagskegler unterstreichen, dass es gar nicht so lange her sei, dass die mittlerweile automatisierten Bahnen während ihrer Treffen komplett belegt waren. Weil die Bewegungsapparate hier und dort manchmal "ins Stottern" kommen, wird auf Knobelbecher und Skatkarten zurückgegriffen. Auch mit diesen "Sportgeräten" vergehen ab 15 Uhr die Stunden wie im Flug. Meistens wird um 18 Uhr zur Abschlussrunde gebeten.

"Früher haben wir viel länger ausgehalten", lautet der heitere Kommentar der Runde, die Lieselotte Straubel (74) komplettiert. Ebenfalls kaum einen Montagstermin versäumend, hat sie ab und an einen wachen Blick für das kräftig gebaute Sparschwein übrig. Das weiße Tier thront mitten auf einem der Tische und giert beständig nach Nahrung. Gefüttert wird es, wenn beim Würfeln Schnapszahlen auftauchen oder Fehlwürfe von der Kegelbahn zu vermelden sind.

Das in dieser Art und Weise angesparte Geld dient dann wieder der Geselligkeit. Ein Mal beispielsweise floss der Erlös in einen Ausflug zum Forellenhof nach Thießen. Für den Fischgenuss musste das runde Porzellanschwein allerdings nicht sein Leben aushauchen. Günter Straubel, der in Dessau zu Hause ist und als Kontaktmann im erweiterten Turbine-Vorstand fungiert, schmunzelt listig. Um an die Barschaft zu gelangen, sei kein Hammer nötig. "Wir haben doch einen Schlüssel", betont er sachlich.