Kreis Wittenberg: Eingespieltes Team

20.06.2012 19:07 Uhr | Aktualisiert 20.06.2012 20:28 Uhr
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Simone Tempel mit Sven und Ralf

Simone Tempel sowie ihre Jungs Sven (im Vordergrund links) und Ralf suchen die Herausforderung. Zusammen nehmen sie an Wettkämpfen teil. (FOTO: TOMINSKI)

Von thomas Tominski
Simone Tempel aus Kemberg und ihre Jungs fahren leidenschaftlich gerne Rennrad. Das nächste Rennen steigt am 7. Juli.
Kemberg/MZ. 

Simone Tempel hat alles im Griff. Die 37-jährige Kembergerin führt ein erfolgreiches Familienunternehmen. Wenn die Radsportlerin des ESV Bergwitz mit ihren Söhnen Ralf und Sven zu Wettkämpfen fährt, herrscht Ausnahmezustand. Getränke müssen vorbereitet, Schnitten geschmiert und alle Utensilien, die man benötigt, um erfolgreich über den Asphalt zu düsen, in Windeseile im Auto verstaut werden. "Da geht schon die Post ab", meint sie lachend und ist froh, dass sie an solchen Tagen alles unter einen Hut bekommt.

Persönliches Erfolgsrezept

Der Erfolgreichste im Trio ist der 13-jährige Ralf, dessen Medaillensammlung viele erste Plätze aufweist. "Trotz seiner Erfolge ist er sehr bodenständig geblieben", meint Arno Köhler, der die Familie als Trainer betreut. Ralf, der in seiner Freizeit auch gern auf den Bergwitzsee segeln geht, gehört zu den trainingsfleißigen in der Radsportgruppe des ESV. "Zweimal in der Woche drehen wir die große Runde", sagt sein Coach und spricht von 15 Kilometern aufwärts. Der große Traum von Ralf heißt: Lizenzfahrer werden. Mit Ralf und Bert Grabsch, die aus Seegrehna stammen, hat der Kemberger seinen sportlichen Vorbilder sozusagen vor der Haustür. "Mit Ralf hatte ich schon ein persönliches Gespräch", berichtet er stolz. Sein Erfolgsrezept lautet, hart trainieren und sich niemals aus der Ruhe bringen lassen. "Wenn wir zu Wettkämpfen fahren, schlafe ich im Auto meist ein."

Vom Läufer zum Radler

Angestachelt von den Erfolgen ihrer Jungs, kletterte Mutter Simone ebenfalls aufs Rennrad. Früher, sagt die 37-Jährige, sei sie mehr der Typ Ausdauerläufer gewesen. "Doch irgendwann habe ich Blut geleckt. Meine Jungs hängen mich nicht ab." Simone Tempel hat ihr erstes Rennen, das am 3. Juni in Gröditz (Sachsen) über die Bühne ging, nicht vergessen. "Ich war voll mit Adrenalin, dass ich kaum noch vom Rad gekommen bin." Zusammen mit Coach Köhler bespricht sie die Trainingspläne und betont, dass der 67-Jährige an Wettkampftagen sich um das ganze Drumherum kümmert. "Wenn man es richtig nimmt, ist er unser Manager." Ihre Söhne nicken zustimmend. Simone Tempel sucht inzwischen die Herausforderung. Mit Ralf hat sie im vergangenen Jahr bereits die Strecke Kemberg - Bad Schandau in zwei Etappen gemeistert, im Sommer starten sie den nächsten Ritt Richtung Elbsandsteingebirge. "Sven ist dafür noch zu klein", betont sie. Der Fünfjährige fährt mit seinen Großeltern mit dem Auto hinterher.

Kleiner Zappelphilipp

Der "Kleine", so schätzt es jedenfalls seine Mutti ein, ist eher der lebhafte Typ. Selbst beim Fototermin gab es für Sven kein Halten mehr. Er musste sich erst auf dem Hof - ein kleiner Sturz inklusive - austoben, um ruhig vor dem Rennrad zu stehen. Dass er auf dem Drahtesel durchaus Großes vollbringen kann, bewies er beim Holzhausener Dreiecksrennen Ende Mai in Leipzig. Im Bambini-Rennen über einen Kilometer überquerte er den Zielstrich als Fünfter. "Mit einem Trekking-Rad ", betont seine Mutter, die sich wundert, welche Energie in dem kleinen Kraftpaket steckt. Am 1. Mai hat sie zusammen mit ihren Söhnen einen Ausflug gemacht. 34 Kilometer standen nach der Ankunft auf dem Tacho. "Und er hat durchgehalten", meint sie mit erhobenem Zeigefinger. Immerhin gehe er noch in die Kindertagesstätte.

Kein Interesse am Fußball

Am 7. Juli herrscht im Haus der Familie Tempel - zumindest in den Morgenstunden - wieder Ausnahmezustand. Das Rennen im thüringischen Altenburg steht auf dem Programm. Zusammen mit Trainer Köhler sind alle Details durchgesprochen, Informationen über die Konkurrenz eingeholt. "Radsport ist in der Region nicht so populär", sagt der 67-Jährige. Übrigens, wird Deutschland Europameister? "Fußball interessiert uns nicht", schallt es da durch die Küche.