Sören Eismann hält den Pokal. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)
Steven Ruprecht mimte das Unschuldslamm. Hinter dem Rücken verbarg der Verteidiger des Halleschen FC eine Sektflasche. Und in einem Moment der Unaufmerksamkeit, in einem Moment, in dem sich Trainer Sven Köhler sicher fühlte, handelte der Abwehrmann blitzschnell: eine Sektdusche für den Coach, der sich zuvor über ein souveränes, aber glanzloses 4:0 (2:0) seines Teams im Landespokal-Finale gegen den Haldensleber SC freuen konnte.
Und weil Ruprecht dieselbe Sünde schon am Samstag im Rahmen der Aufstiegsfeier begangen und den Trainer dort während der Pressekonferenz vor laufenden Kameras nass gemacht hatte, zeigte Köhler keine Gnade. "Der", sagte der Trainer mit einem ironischen, vom Erfolg untersetzten Lächeln, "der macht bei mir kein Spiel mehr."
Derlei Späße sind erlaubt, hat doch der Hallesche FC nach dem Aufstieg in die dritte Liga auch sein zweites Saisonziel erreicht: den sechsten Landespokal-Sieg, den dritten in Folge und damit wichtige 100 000 Euro Fernsehgeld für das Erreichen des DFB-Pokals.
Dennoch fiel der Jubel über den Erfolg im Endspiel gegen den Verbandsligisten nüchtern geschäftsmäßig aus. Kein Vergleich zu den freudetrunkenen Szenen nach dem Regionalliga-Coup am vergangenen Samstag. "Wir müssen nicht drumherumreden. Wir haben nicht gut gespielt", sagte Köhler. "Aber wir haben am Ende das Programm souverän abgespult." Und Vereinspräsident Michael Schädlich sah es dann noch geschäftsmäßiger: "Ich bin ja auch Ökonom. Jedes Tor ist 25 000 Euro wert."
Zuvor war vor 2 700 Zuschauern im Dessauer Paul-Greifzu-Stadion nichts atemberaubend Sensationelles geschehen. Der Favorit hatte sich mit reichlich wenig Dynamik durchgesetzt.
Trainer Köhler hatte ein paar Leckerlis verteilt. Dass Jürgen Rittenauer - wie immer im Pokal - das Tor hüten würde, war keine Überraschung. Doch zugleich bekamen Mittelstürmer Andis Shala, Anton Müller als Regisseur und Rechtsaußen Michael Preuß ihren Einsatz in der Startelf. Sie waren im Liga-Endspurt nur zweite Wahl und hatten das ohne großes Murren ertragen. Deshalb die Belohnung.
Rittenauer musste recht bald auf der Hut sein (7. Minute), weil Timm Kreibich ganz frech eine Ecke direkt aufs Tor zog. Überhaupt benötigte der Favorit geraume Zeit, um die feiergestressten Beine in Schwung zu bringen. Nach einer knappen halben Stunde bekam Shala einen Schubser, fiel denkbar schnell im Strafraum hin, und Schiedsrichter Hubert-Joachim Frenck aus Wolfen pfiff Elfmeter. Den verwandelte Maik Wagefeld sicher zum 1:0 (27.). Plötzlich lief es - wenigstens für kurze Zeit. Nach einer Ecke flankte Toni Lindenhahn millimetergenau auf den Kopf von Marco Hartmann - Tor.
Mit dem 2:0 (31.) war das Duell David gegen Goliath entschieden - zugunsten des Großen. Der spulte danach sein Programm glanzlos, aber souverän herunter. Haldensleben wurde ermuntert, doch etwas forscher zu werden und tat dies auch in Hälfte zwei. Die Hallenser beschränkten sich dagegen auf das Notwendige. Shala legte aus drei Metern das 3:0 nach (67.), nachdem Wagefeld einen Freistoß auf den langen Pfosten gezogen und Jan Benes von dort vor das HSC-Tor geköpft hatte. Auf der Tribüne wurden die ersten Double-Sieger-Shirts verteilt, lange bevor Michael Preuß in der 89. Minute den Endstand besorgte.
Mancher Spieler dürfte sich spätestens da Gedanken über den anstehenden Urlaub gemacht haben. Schon am 18. Juni bittet Sven Köhler wieder zum Training, zur Vorbereitung auf die dritte Liga, die am 20. Juli in die Saison startet. Am 20. August steht dann die erste Hauptrunde im DFB-Pokal an.
Für einen aber wird das alles unerheblich sein: Dennis Wegner, aus dem eigenen Nachwuchs gekommen, kehrt in die Regionalliga zurück. Er bestätigte am Mittwoch der MZ seinen Wechsel zur Reserve von Werder Bremen. Ein scheinbarer Rückschritt - mit der Option freilich, sich ins Blickfeld der Bundesliga-Mannschaft zu spielen.