Leichtathletik: Aufgeben oder nicht?

03.05.2012 21:49 Uhr | Aktualisiert 03.05.2012 21:56 Uhr
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Falk Cierpinski

28 Kilometer lang quälte sich Falk Cierpinski am Wochenende beim Hamburg-Marathon. (FOTO: IMAGO)

Von Petra Szag
Falk Cierpinski macht sich nach dem Aus beim Hamburg-Marathon über seinen weiteren Karriereweg Gedanken. Vater Waldemar hilft ihm dabei mit Tipps und Ratschlägen.
Halle (Saale)/MZ. 

Die gemeinsame Stunde mit seinem Vater im idyllischen Familiengarten nahe ihres Quedlinburger Sportgeschäftes war für Falk Cierpinski wie ein Rettungsanker. Zwei Tage hatten die beiden Luft dran gelassen, bevor sie sich auf die Bank in die Sonne setzten und redeten. Es war keine exakte Analyse der so gründlich missratenen Olympia-Qualifikation. Und es gab auch keine Vorwürfe von Waldemar Cierpinski, der nicht nur sein Vater, sondern auch sein Trainer ist. Stattdessen aufmunternde Worte.

"In solchen Situationen rückt man näher zusammen. Das gibt mir Halt", sagte Falk Cierpinski am Donnerstag der MZ. Noch immer klang er niedergeschlagen. Der Hamburg-Marathon vom Sonntag steckte ihm weniger in den Gliedern als im Kopf. Wieder einmal hatte er wegen Seitenstechens aufgeben müssen. Damit war er auch daran gescheitert, die Qualifikations-Norm für Olympia von zwei Stunden und zwölf Minuten zu bringen. Das Problem ist altbekannt. Immer wieder war das Seitenstechen in den letzten Jahren aufgetreten, dabei hatte Falk Cierpinski gehofft, dass er nach der Behandlung einer alten Narbe im Leistenbereich vor einem Jahr endlich geheilt sei.

Der Rückschlag jetzt ist also nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein mentaler. "Wenn du trainierst und irgendwann an deine Grenzen stößt, wenn du erkennst, es geht nicht schneller, dann akzeptierst du das und kommst auch darüber weg", erklärt Cierpinski Junior. "Wenn du dir aber sicher bist, dass du noch Potenzial hast, dich aber irgendetwas blockiert und du weißt nicht was, dann ist das ganz schön deprimierend."

Eine psychosomatische Ursache schließt der 33-Jährige unverändert aus. "Bis Kilometer 18 lief es ja in Hamburg gut, da hatte ich also überhaupt keinen Druck. Und trotzdem bekam ich dann Seitenstechen." Zudem arbeite er seit zwei Jahren im mentalen Bereich mit einem Fachmann zusammen. Das tue ihm gut. "Nein, der Kopf ist es nicht", ist er überzeugt. "Ich weiß, dass es irgendwo in der Kette des Körpers ein schwaches Glied gibt. Welches das ist, muss ich herausfinden." Dabei will er auch die Hilfe des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) in Anspruch nehmen. "Ich werde bei den Verantwortlichen nachfragen, welche Möglichkeiten es da gibt."

Hoffnung macht ihm die Erfahrung anderer Athleten, die mit demselben Problem zu kämpfen hatten. Halles 10 000-Meter-Europameister von 1974, Manfred Kuschmann - ein Trainingsgefährte seines Vaters - oder Triathlet Andreas Raelert. "Aber die haben ihre Probleme über die Athletik, also über Muskeltraining, in den Griff bekommen." Versucht habe er das auch - gebracht hat es ihm allerdings nichts.

Ob Falk Cierpinski weitermacht, noch einmal den Kampf gegen seinen Körper angeht, dazu will er sich noch nicht positionieren. "Egal, was ich sage, es wird eh zum Negativen ausgelegt. Wenn ich verkünde, dass ich aufhöre, dann kommt bestimmt von einigen: ,Der gibt ja auf'. Und wenn ich sage, es geht weiter, wird mir vorgeworfen, nicht Schluss machen zu können." Überhaupt würde er lieber seine Entscheidungen erstmal für sich behalten. "Sprüche zu klopfen hilft mir nicht weiter", sagt Cierpinski. Statt Lippenbekenntnissen will auch er lieber Taten. Zuerst aber braucht er Zeit, um alles sacken zu lassen.