Robert Harting warf zum ersten Mal in seiner Karriere über 70 Meter weit. (FOTO: DPA)
Ein wenig ungelenk sah es aus, als sich Robert Harting am Samstagnachmittag mit einem Blech voller Gebäck durch die Zuschauermenge drängte und lachend 70 Stück Mohn-, Streusel- oder Quark-Kuchen verteilte. Kurz zuvor hatte der 2,01 Meter große und 130 Kilogramm schwere Koloss den Diskus in den Brandbergen von Halle 70,31 Meter weit geschleudert und damit für den Höhepunkt der Halleschen Werfertage gesorgt: Jahresweltbestleistung, Meetingrekord und Eintritt in den elitären Klub der 70-Meter-Werfer.
Dennoch war der Berliner nicht restlos zufrieden mit seiner Gala im Wurf-Ring, bei der er seine Bestmarke um 62 Zentimeter steigerte. „Eigentlich habe ich mir erträumt, dass es noch ein ganzes Stück weiter geht, wenn ich zum ersten Mal über die 70-Meter-Marke werfe“, sagte Harting selbstkritisch. Schon im letzten Jahr hatte der Doppel-Weltmeister an gleicher Stelle an der Schallmauer gekratzt. Sein spontanes Versprechen damals mitten im Wettkampf, 70 Stück Kuchen zu spendieren, falls er die Marke knacke, löste der Diskus-Riese - begleitet vom Jubel der 4 000 Fans - nun nachträglich ein.
Dass Harting die 70 Meter erstmals gezeigt hat, war für Jürgen Schult nur „eine logische Entwicklung“. Der Bundestrainer hatte sich 20 Jahre zuvor mit 69,04 Metern in die Siegerlisten dieses Wettkampfes eintragen können. Er hält noch heute mit 74,08 Metern den Weltrekord. Schult traut Harting zu, dass er ihm die Bestmarke entreißt. „Er ist einer von denen, die das Zeug dazu haben.“ Dazu müsse alles stimmen: die Bedingungen, starke Gegner, die Tagesform. Konkurrenz treibt an
Am Samstag passte schon sehr viel. Mit dem Olympia-Zweiten Piotr Malachowski aus Polen (68,94), Ex-Rugbyspieler Lawrence Okoyem, der mit 68,24 Metern britischen Rekord warf, und Ehsan Hadadi aus dem Iran (68,20) hatte die Konkurrenz Harting in den ersten Durchgängen bis aufs Blut gereizt. „So etwas pusht natürlich“, gab Harting zu. Dazu kam die große Weiten begünstigende Anlage, die er aus dem Effeff kennt. „Das ist eine Segelwiese“, erklärte Harting. Durch die aktuelle Hitze sei die Nässe der letzten Tage aufgestiegen und für den Diskus zu einem Kissen geworden. Mit ein wenig mehr Wind von der richtigen Seite wäre sogar noch mehr herauszuholen gewesen.
Doch auch die besten Bedingungen nützen nichts, wenn der Athlet nicht brilliert. Harting selbst sieht sich im Aufwärtstrend. „Ich bin endlich einmal wieder schmerzfrei in einen Wettkampf gegangen, das macht sich sofort bemerkbar“, sagte er. Nach einer Knieoperation im Winter ging ohne Schmerzmittel lange gar nichts. Auch deshalb glaubt Harting, dass er noch weiter werfen kann. „Ich weiß, dass ich noch viel mehr draufhabe.“ Seinen letzten Wurf in Halle sahen die Kampfrichter jenseits der 71 Meter. Allerdings hatte Harting ihn - wie auch drei weitere - nicht halten können. „Technisch bin ich noch nicht stabil genug.“ Gelegenheiten, den Hausrekord auszubauen und sich von Platz 20 der ewigen Weltbestenlisten sowie Platz vier des nationalen Rankings hinter Weltrekordler Schult, Rekordchampion Lars Riedel (71,50) und Wolfgang Schmidt (71,16) nach vorn zu arbeiten, gibt es schon am Freitag beim World Challenge Meeting in Ostrava.
Storl erfüllt Olympia-Norm
Auch im Kugelstoßen konnten die Zuschauer einem deutschen Weltmeister zujubeln. Mit seinem letzten Versuch übertrumpfte der Chemnitzer David Storl Polens Olympiasieger Tomasz Majewski um einen Zentimeter und gewann mit 21,13 Metern. „Für meinen ersten Saisonwettkampf war das gut. Und ich habe die Olympianorm um 63 Zentimeter gleich überboten“, sagte der 21-Jährige zufrieden.