Nadine Müller (FOTO: IMAGO)
Die handliche Digitalkamera, die auf einem Stativ fixiert ist, nimmt Nadine Müller in den Fokus. Die steht im Kraftraum der Werferhalle in Kröllwitz an der Hantel. Auf Kommando von Trainer Rene Sack wuchtet sie die 80-Kilo-Hantel beim Aufrichten aus der Kniebeuge bis in Höhe des Bauchnabels. In Fünfer-Serien, immer wieder, nach jeweils einer nur kurzen Pause. Die Bilder des Tests landen direkt auf dem kleinen weißen MacBook des Trainers. Hier sind die Sekundenbruchteile der Aktionen messbar. Bewegungen lassen sich anhand von Linien nachziehen. Die Werte wandern in Excel-Tabellen. Des Vergleichs wegen. Trainingswissenschaft live.
"Wir können dann genau ablesen, wie sich die Schnellkraft von Nadine entwickelt hat", sagt Trainer Rene Sack. Und die Sofort-Auswertung bestätigt: nach oben. Ganz nach Plan. Mit den Krafttests beginnt gleichzeitig die letzte Etappe auf dem Weg nach London. Für die Olympischen Spiele hat sich die weltbeste Diskuswerferin des Jahres ja längst qualifiziert. Doch mit ihren 68,89 Metern aus dem März ist die Hallenserin dem Feld der Gold-Favoritinnen längst nicht mehr weit voraus. Die Kroatin Sandra Perkovic steht bei 68,24 Metern. Insgesamt sechs Frauen haben weltweit inzwischen über 67 Meter geworfen. "Alle kommen für den Olympiasieg infrage. Das wird eine ganz heiße Kiste", sagt Sack. Der Wettkampf in London findet am 4. August statt.
Bis dahin bereiten sich die Rivalinnen meist "im stillen Kämmerlein vor und stecken nur ab und zu mal die Nase bei einem Wettkampf raus", wie Sack sagt. Nadine Müller zeigt sich am Donnerstag in Oslo. Es wird ihr erster Start des Jahres bei einem Diamond-League-Meeting. "Ich freue mich darauf. In Oslo starte ich gern. Da will ich auch etwas zeigen", sagt die 26-Jährige. Vor zwei Jahren hat die Vizeweltmeisterin von 2011 hier gewonnen. Im Vorjahr stand der Diskuswurf der Frauen nicht im Programm.
Nach der Rückkehr am Freitag geht es ins Trainingslager nach Kienbaum. Übernächstes Wochenende stehen die deutschen Meisterschaften in Wattenscheid an. Danach wird trainiert. Nächster Start: die EM in Helsinki. Im Finale am 1. Juli geht es für Nadine Müller "um den Titel". Dann folgen noch zwei Diamond-League-Meetings an denen sie teilnimmt, um in Schwung zu bleiben: 6. Juli in Paris, 20. Juli in Monaco. "Alle Wettkämpfe wird Nadine aus dem vollen Training heraus bestreiten. Erst danach gibt es etwas Gelegenheit, die Füße noch einmal etwas hochzulegen", sagt Sack Er hat gerade durchgerechnet , dass er bis nach den Spielen kein einziges Wochenende mehr zu Hause verbringen wird.
Die letzte Etappe beginnt ab dem 23. Juli mit ein paar Tagen lockeren Einschwingens erneut im Camp von Kienbaum. Am 27. Juli fliegen Nadine Müller und ihr Coach nach London. "Bei der Qualifikation am 3. August werden wir wissen, ob wir alles richtig gemacht haben", sagt Sack. Bis dahin geht es strikt nach Plan - der nach allen wissenschaftlichen Erkenntnissen der richtige sein muss.