Leichtathletik: Wuttränen bei Ariane Friedrich

17.06.2012 20:53 Uhr | Aktualisiert 17.06.2012 20:58 Uhr
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Ariane Friedrich

Fehlversuch: Ariane Friedrich reißt die Latte. (FOTO: DPA)

Von Susanne Rohlfing
Athleten feierten, Zuschauer jubelten, Trainer lobten - die deutsche Leichtathletik präsentierte sich bei ihren nationalen Titelkämpfen am Wochenende in Wattenscheid so frisch und fröhlich wie lange nicht mehr. Nur Ariane Friedrich war so wütend, dass ihr die Tränen kamen.
wattenscheid/MZ. 

Wohin aber mit der Wut darüber, dass es wieder nicht geklappt hatte mit der Norm, den 1,95 Metern, die gleichbedeutend sind mit der Berechtigung zur Olympia-Teilnahme?

Sich selbst hatte Friedrich nichts vorzuwerfen. Sie sei fit wie ehedem, sagte sie, die Achillessehnenverletzung sei verheilt. Die alte Leistungsfähigkeit, die sie zur deutschen Rekordhalterin (2,06 Meter) und Rivalin von Starspringerin Blanka Vlasic aus Kroatien gemacht hat, sei wieder da.

Beim Einspringen läuft es noch gut

So schien es zumindest beim Einspringen, als Friedrich am Samstag locker über 1,90 Meter flog. "Wie früher", jubilierte da noch ihr Trainer Günter Eisinger. Doch dann kamen der böige Wind und der Regen und die kühlen Temperaturen. Widrige Umstände, die Friedrich, nachdem sie zwar den sechsten nationalen Titel ihrer Karriere gewonnen, aber nur 1,86 Meter übersprungen hatte, wütend auf den Wettergott machte. "Ich bin gerade so frustriert, ich konnte heute wirklich nichts dafür, dass es nicht geklappt hat", schimpfte sie. Dabei soll Friedrich, WM-Dritte 2009 und EM-Dritte 2010, eine der Anführerinnen sein im deutschen Team. Eine der erfahreneren Athletinnen, die den Jungen, die da gerade in Serie die Olympianormen knacken, vormacht, wie es geht.

Allein ist Friedrich mit ihrem Drama aber nicht. Auch Speerwerfer Matthias de Zordo, der Überraschungsweltmeister des vergangenen Jahres, war für die Anführer-Rolle vorgesehen - und muss jetzt ebenfalls noch immer um seine Olympiateilnahme bangen. Eine Ellbogen-Verletzung piesackte ihn derart, dass er seinen Start nach dem Einwerfen absagte. 59 deutsche Athleten haben längst die Olympianormen geknackt, so wie die Hallenserin Nadine Müller, die die Diskuswurfkonkurrenz mit 66,47 Metern gewann. Doch ausgerechnet zwei der Stars im deutschen Team müssen nachsitzen.

Letzte Chance ist die EM

Erreicht werden muss die Norm bis zum 1. Juli, dem letzten Tag der EM in Helsinki. Die Hochspringerin will sich jetzt auf die Suche nach einem weiteren Norm-Wettkampf noch vor der EM begeben. De Zordo sieht die Sache entspannter. "Ich bin ein Wettkampftyp", sagt er und setzt ganz auf die EM. Zudem habe er rausgefunden, warum es bislang noch nicht geklappt hat mit dem 82-Meter-Wurf. Ein technischer Fehler hatte sich eingeschlichen. Der sei ausgemerzt, und damit ist das Selbstbewusstsein zurück. Er geht fest davon aus, noch die einen oder anderen Olympischen Spiele mitmachen zu können.

Friedrich hingegen dürfte die Geduld ausgehen im Kampf um den großen Erfolg. Sie will mehr als zweimal Bronze. Und vor allem wird sie ihr ganz persönliches Olympia-Desaster von 2008 vergessen machen wollen. Mit 1,99 Metern wurde sie da Siebte. Der Wettergott war nicht schuld. Damals war es ein verspanntes Gesäß.