Meuselwitz liegt im Altenburger Land in Thüringen. (FOTO: HARTMUT KRIMMER)
Wo liegt denn eigentlich Meuselwitz? Bürgermeisterin Barbara Golder freut sich schon heute, sollte bei der Auslosung der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal in einigen Monaten erneut das Los mit der Kleinstadt gezogen werden. Der TV-Moderator, die Glücksfee oder aber der Trainer des Gegners - irgendwer werde sicher wieder vor einem Millionen-Publikum die Frage stellen: Wo liegt den eigentlich Meuselwitz? Wie bereits 2010 und 2011, als die Regionalliga-Kicker aus der ostthüringischen Provinz es bis in die erste Runde schafften, dort aber gegen die Bundesligisten 1. FC Köln und Hertha BSC Berlin den Kürzeren zogen. "Wir konnten damals als Stadt keine bessere Werbung haben, noch nie zuvor hat man so viel über uns gesprochen", erinnert sich die Bürgermeisterin an die Fernseh-Übertragung der Auslosung.
Und die Chance, dass es in diesem Jahr wieder so kommt, ist zum Greifen nahe. Ein Sieg gegen den bisherigen Drittligisten Carl Zeiss Jena im Thüringer Landespokal-Finale am nächsten Mittwoch - und das Team steht erneut beim DFB-Pokal bundesweit im Rampenlicht. Für den Verein ist es das Spiel des Jahres, aber beileibe nicht das einzige Fußballfest in diesen Tagen. Denn am Samstag kommt zunächst Spitzenreiter Halle. Mit einem Sieg in Meuselwitz kann der Hallesche FC den Aufstieg in Liga drei perfekt machen.
"So eine Konstellation mit zwei solchen Spielen wünscht man sich am Ende einer Saison", sagt Mannschaftskapitän Karsten Oswald. Zwar habe das Pokalspiel "oberste Priorität", betont der 36-Jährige. Doch auch gegen Halle wolle man einen Sieg einfahren. Dabei gefällt den Meuselwitzern, dass sie im Aufstiegsrennen das "Zünglein an der Waage sind". Denn die Spitzenteams aus Leipzig und Kiel sind auf einen Ausrutscher des HFC in der Provinz angewiesen. Diese Konstellation ist selbst dem Magazin "Kicker" eine Geschichte wert: "Letzter Strohhalm Meuselwitz".
Achtbarer zehnter Platz
Die Rolle als Provinz-Kicker nehmen die Meuselwitzer dabei gerne an. "Man muss doch über sich schmunzeln können", sagt Oswald. Sportlich indes habe sich die Mannschaft inzwischen gehörig Respekt verschafft. Aktuell steht das Team auf einem achtbaren zehnten Platz. Angst vor scheinbar übermächtigen Gegnern wie Halle, Jena oder Erfurt hat man in der 11 000-Einwohner-Stadt schon lange nicht mehr. "Die liegen uns", schmunzelt der Kapitän und denkt dabei auch an den sensationellen 1:0-Erfolg vor wenigen Wochen beim Millionen-Club RB Leipzig.
Präsident seit 20 Jahren
"Wir kommen mit der Gemütlichkeit einer Dampfwalze", sagt Präsident Hubert Wolf. Will heißen, auf schnelle Erfolge und waghalsige Experimente legt der Verein keinen Wert. Hinter das, was aufgebaut und erreicht worden ist, will der Klub aber auch nicht mehr zurückfallen. Wolf, seit fast 20 Jahren Präsident und zugleich Vorstandschef des Hauptsponsors Bluechip, einer Computerfirma, weiß, wovon er redet. Er baute dem Klub ein schickes Stadion, investierte in die Jugendarbeit und lockte Spieler aus höheren Ligen mit der Aussicht, in seinem Unternehmen arbeiten zu können. Doch der Verein lebt auch von seinen guten Beziehungen zu anderen Klubs. "Wir können eigentlich mit allen gut und leben auch von der großen Sympathie, die uns entgegengebracht wird."
Und so freut sich Meuselwitz auch auf die tausenden Fans aus Halle, die am Samstag kommen. Dass dabei die meisten der 5 200 Plätze in der Bluechip-Arena von HFC-Fans besetzt sein werden, stört in Meuselwitz keinen, im Gegenteil. Den Gästen wurde nicht nur ein üppiges Kontingent von 2 300 Tickets zur Verfügung gestellt. Auch Hallenser, die sich in Meuselwitz um Karten bemühten, wurden bedient, erhielten sogar Karten für den Meuselwitzer Fan-Block. "Wir nehmen es ganz sportlich, dass wir ein Auswärtsspiel haben", sagt Fan-Beauftragter Marcus Richter. Angst vor Ausschreitungen hat er keine. "Bei uns prügeln sich, wenn überhaupt, nur die Gäste-Fans untereinander."
Mit im Stadion sitzt am Samstag auch Bürgermeisterin Golder. "Der Begeisterung für die Mannschaft kann man sich kaum entziehen, auch ich fühle mich seit Jahren mitgerissen, das ist wie eine Sucht", sagt die Politikerin. "Schon mit dem Aufstieg in die Regionalliga hat der Verein für uns Fußball-Geschichte geschrieben." Die soll nun fortgeschrieben werden. Am besten wieder im DFB-Pokal: Allgemeiner Wunschgegner: Bayern München.