Ein ungewohntes Bild: Es ist Siegerehrung - und René Behncke steht nicht auf dem Treppchen. So geschehen beim zweiten Lauf zur Formel 250-Europameisterschaft am vergangenen Wochenende auf der Goitzsche. Dort hatte Behncke mehr mit der Technik seines Bootes, als mit den Gegner zu kämpfen.
Vier Wertungsrennen galt es bei diesem zweiten Lauf zu bestreiten, nur bei einem davon sah der achtfache Weltmeister aus Dessau die Zielflagge. Im zweite Durchgang raste er, vom letzten Startplatz kommend, binnen einer halben Runde an der Konkurrenz vorbei auf Platz eins und gab die Führung nicht mehr her. Alle anderen drei Starts endeten für ihn vorzeitig, da ihn sein Material im Stich ließ. Das war vor allem im ersten Rennen bitter: Behncke schied, in Führung liegend, nur 400 Meter vor der Zielflagge aus. Ursache: eine in der Mitte entzwei gebrochene Zündkürze. "So etwas hatte ich bislang auch noch nie", wunderte sich Behncke über den offensichtlichen Werksfehler.
In Durchgang drei und vier war für ihn dann jeweils schon nach 300 Metern Schluss, der Motorüberhitzte, da das Kühlwasser durch eine undichte Stelle nicht bis zum Motor gelangte. Und selbst bei seinem Laufsieg lief nicht alles rund. "Einer der Kolbenringe ging kaputt, da ließ die Kompression im Motor nach", erläuterte der Dessauer. Mit einer etwas veränderten Fahrweise konnte er das kompensieren und den Sieg in diesem Rennen retten.
Mit der Führung in der Gesamteinzelwertung der Europameisterschaft gelang ihm das nicht. Hier übernahm der Goitzsche-Sieger Wayne Turner aus Großbritannien Platz eins. Für Behncke kein Grund zur Panik. "Ich kann immer noch Europameister werden", sagte der Dessauer kämpferisch. Erst die Hälfte der EM-Läufe sei absolviert. In 14 Tagen steht in Italien der dritte Lauf an. Dann wird Behncke nagelneues Material einsetzen, das für die WM vorgesehen ist. Zudem ist der Vorsprung von Wayne nicht allzugroß. Lediglich vier Punkte hat er auf den auf Rang drei liegenden Behncke Vorsprung.
Überschattet wurden die Rennen auf der Goitzsche von mehreren schweren Unfällen. Auch der Dessauer Dominik Knape lag in der Klasse F 350 im Wasser - eine Schrecksekunde für alle. Die Entwarnung kam allerdings direkt vom verunglückten Fahrer, der noch im Wasser signalisierte, dass ihm nichts passiert sei. "Man nimmt das natürlich von außen wahr", erzählte René Behnke, "man hofft dann aber immer, dass nichts Schlimmes passiert ist." Trotzdem, für alle (Not)Fälle haben die Fahrer teilweise selbst vorgesorgt. Weil manchmal Sekunden über Leben und Tod entscheiden können, tragen die Rennboote eine Aufschrift mit der Blutgruppe des Fahrers. Behncke hat diese auch auf dem Rücken seinen Rennoveralls stehen. "Wenn man einmal schnelle Hilfe brauchen sollte, ist das wichtig", so Behnke, "falls man nicht ansprechbar ist und der Arzt die Blutgruppe braucht, dann kann er sie ablesen."
Eine Pflicht zur Angabe der Blutgruppe auf Boot oder Weste besteht nicht, aber letztendlich kann das nur im Interesse der eigenen Gesundheit aller Fahrer sein. Auch wenn es in diesem Jahr auf der Goitzsche mehr Unfälle als in den Auflagen zuvor gab, so kamen alle Beteiligten noch einmal mit dem Schrecken davon. Zu Verdanken ist das den Helfern auf dem Wasser sowie der Rennleitung.