Kimi Räikkönen passt so gar nicht in die Formel 1. (FOTO: DPA)
Manchmal kann man selbst in diesem verschlossenen Gesicht lesen wie in einem Buch. Auf der Stirn geschrieben steht dieses eine szenetypische Wort: Bullshit. Freundlich übersetzt hält Kimi Räikkönen so gut wie alles, was außerhalb seines Arbeitsplatzes passiert für: Blödsinn. Und sein Arbeitsplatz ist der Fahrersitz eines möglichst PS-starken Fortbewegungsmittels.
Es muss nicht unbedingt Räder haben wie sein aktuelles Formel-1-Auto. Im vergangenen Winter brach sich der Finne beim Snowmobilfahren ein Handgelenk. Von diesem Malheur erfahren hat die Öffentlichkeit erst mit großer Verspätung, was nicht verwundert: Räikkönen spricht nicht viel. Und wenn er spricht, dann flüstert und nuschelt er.
Systemkompatibel ist das eigentlich nicht. Formel-1-Fahrer sollen ja auch abseits des Cockpits eine Markenbotschaft vermitteln, ihr Auftritt soll sportlich, spontan, sympathisch und sexy aussehen. Es heißt, Sebastian Vettel komme dem Ideal sehr nahe. Der Weltmeister ist wortgewandt und witzig und auskunftsfreudig.
Räikkönen hätte eigentlich wissen müssen, wohin er nach zwei Jahren Formel-1-Abstinenz und seinem Ausflug in die Rallye-WM zurückkehrt. An das Leben als öffentliche Person hat sich der Finne aber nicht gewöhnt. Das Wort „Iceman“ hat er sich einst tätowieren lassen, diesen Titel hat ihm seinerzeit sein McLaren-Teamchef Ron Dennis verliehen. Das Label ist ihm ebenso geblieben wie seine Fahrzeugbeherrschung.
Räikkönen hat seine Formel-1-Pause nämlich besser überstanden als Michael Schumacher, aber er ist ja auch elf Jahre jünger. Und er konzentriert sich auf das Wesentliche: Rennen fahren. Auf den Dreitage-Test in Mugello hat der Mann aus Espoo verzichtet, während Schumacher an einem einzigen Tag dort 144 Runden drehte, als ließe sich Versäumtes aufholen.
Aber der siebenfache Weltmeister ist bei seinem Comeback noch nie Zweiter gewesen - so wie der Lotus-Star vor knapp drei Wochen in Bahrain. In Barcelona darauf angesprochen hat der derzeitige WM-Siebte Räikkönen noch einmal bestätigt, dass er sich über Platz zwei nicht freuen könne, nicht wenn man so nah dran war am Sieg.