NADA: Pokerspiel um Finanzierung

15.05.2012 17:29 Uhr
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NADA

Um die zukünftige Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA gibt es noch immer Streit. (FOTO: DPA)

Von Jörg Mebus
Seit Monaten wird hinter den Kulissen um die künftige Finanzierung der NADA gerungen. Ein Ende des bizarren Streits ist nicht in Sicht, obwohl die Glaubwürdigkeit des Sports auf dem Spiel steht.
Köln/SID. 

Die Finanzierung der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) steht weiter in den Sternen. Eine Etatlücke für das kommende Jahr in Höhe von 1,35 Millionen Euro setzt die vier Geldgeber der Bonner Dopingjäger - den Bund, die Länder, den Sport und die Wirtschaft - unter Druck. Ein Lösung ist nicht in Sicht, obwohl die Zeit drängt und nicht weniger auf dem Spiel steht als die Glaubwürdigkeit des Sports. Doch die Parteien torpedieren sich mit Schuldzuweisungen. „Ich finde das Schwarzer-Peter-Spiel ermüdend“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper.

Dennoch ist das Spiel in vollem Gange, und auch Vesper beteiligt sich weiter daran. Er steckt den Schwarzen Peter den Bundesländern zu. „Die Länder ziehen sich raus und tun so, als ob sie mit allem nichts zu tun haben. Das geht so nicht“, sagte Vesper während einer Podiumsdiskussion an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Grund für Vespers Ärger ist ein Brief von Heike Taubert, der Vorsitzenden der Sportministerkonferenz, an die Teilnehmer des ergebnislos verlaufenen „Runden Tisches“ zur NADA-Finanzierung bei Innenminister Hans-Peter Friedrich Ende Februar. In dem Brief, der dem SID vorliegt, macht die Thüringerin klar, dass das Interesse der Länder an einer weiteren Finanzierung gegen null tendiert.

Taubert sieht die Länder nicht an die bei der Gründung der NADA vor zehn Jahren vereinbarten jährlichen Zahlung von 1,5 Millionen Euro gebunden, unter anderem, weil es der NADA nicht gelungen ist, durch „Einwerbung eines angemessenen Betrages aus der Wirtschaft“ das Stiftungskapital genügend zu erhöhen. Taubert bezeichnet diese Einwerbung als „Erwartung“, an die die „Bereitschaft zur Zustiftung“ der Länder geknüpft sei. Taubert schreibt, sie teile nicht die Position des Bundes, „dass die Länder ihren Verpflichtungen ... nur unzureichend nachkommen“. Zuletzt wurden 14.000 Euro pro Jahr überwiesen - 850 Euro pro Land. Baden-Württemberg sieht das im Gegensatz zu Taubert nicht als ausreichend an. Nach SID-Informationen hat sich das grün-rot-regierte Land, das sich jüngst mit der Installation einer Doping-Staatsanwaltschaft in Freiburg vorgetan hat, zu einer zusätzlichen Spende bereit erklärt.

Über den Umfang der Gabe aus dem Ländle will sich die NADA nicht äußern. Der Bund hatte den Schwarzen Peter zuletzt mit einem geschickten Winkelzug an die übrigen Geldgeber weitergereicht. Klaus Riegert, CDU-Obmann im Sportausschuss des Bundestages, erklärte, der Bund werde für den Etat 2013 zwei Millionen Euro beisteuern, wenn denn auch Länder, Sport und Wirtschaft je eine Million dazutun. „In anderen Ländern wird die NADA wie selbstverständlich staatlich finanziert, wenn das in Deutschland nicht gewünscht ist, dann muss man halt versuchen, auf derartige Angebote einzugehen“, sagte Vesper, der den Druck auf die Länder erhöht: „Eine schnelle Lösung kann nur auf höchster Ebene durch die Ministerpräsidenten herbeigeführt werden.“

Neben den Ländern bildet vor allem die freie Wirtschaft eine große Unbekannte im Finanzierungsmodell. Auch bei den Unternehmen hält sich die Spenden-Bereitschaft in engen Grenzen, das Kernthema Doping ist schlichtweg zu unpopulär. Adidas und die Bundesvereinigung der Apothekerverbände steuern als derzeit letzte Vertreter aus der Wirtschaft 300.000 Euro bei. Verhandlungspartner der NADA ist die Sponsorenvereinigung S20, der Großkonzerne wie Bayer, Siemens, die Telekom (stellte ihre NADA-Unterstützung kürzlich ein), Coca Cola und Evonik angehören. Der S20-Vorsitzende Stephan Althoff, Leiter Konzernsponsoring bei der Telekom, sagte dem SID: Abgesehen von adidas sei ihm „derzeit kein S20-Unternehmen bekannt, das sich an der NADA-Finanzierung beteiligen will“.

Althoff wiederum steckt den Schwarzen Peter dem Sport und der neu gegründeten „Vereinigung Sportsponsoring-Anbieter“ (VSA) zu: „DOSB und Deutscher Fußball-Bund sind da sogar Mitglieder. Da gibt es direkte Berührungspunkte zum Sport, den ich ohnehin vermehrt in der Pflicht sehe.“ Aus VSA-Kreisen heißt es, für eine NADA-Diskussion sei es noch zu früh. Man sei noch in der Findungsphase. Die NADA macht gute Miene zum bösen Spiel. Gotzmann ist „zuversichtlich“. Eine Entscheidung „bis Mitte des Jahres“ wäre wünschenswert, um den Etat für 2013 absegnen zu können. Man strebe „eine langfristige Lösung“ an, um Planungssicherheit zu haben. Notfalls werde halt der Rotstift angesetzt, vor allem bei den Dopingkontrollen.

Gotzmann begründet ihren Optimismus mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner, den die bizarre Schwarzer-Peter-Runde bislang gefunden hat: „Es besteht Einigkeit, dass es sich niemand erlauben kann, den Karren gegen die Wand fahren zu lassen.“ Das wiederum bestreitet Peter Danckert, der ehemalige Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses. Auf dem Podium in Köln sagte er: „Wenn wir nicht wirklich die NADA auf solide Füße stellen wollen, dann führen wir keinen ernsthaften Kampf gegen Doping. Meine Vermutung ist: Wir wollen es nicht.“