Nominierung: 79 weitere Sportler erhalten Olympia-Ticket

25.06.2012 17:43 Uhr | Aktualisiert 25.06.2012 23:09 Uhr
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Andreas Ihle

Alle Olympia-Teilnahmen hat Andreas Ihle als Tattoo auf dem Arm verewigt. (FOTO: LÖFFLER)

Von PETRA SZAG UND GOTTFRIED SCHALOW
Das deutsche Olympia-Team wächst und wächst. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nominierte 79 weitere Athleten für die Sommerspiele in London, darunter fünf weitere Sachsen-Anhalter.
Halle (Saale)/MZ. 

Andreas Ihle ist nun bestimmt kein eitler Mensch. Aber am Montag mussten dann doch einmal ein paar Minuten Verweilen vor dem Spiegel sein. "Der Anzug passt, das sieht gut aus", sagte er. Mit 78 weiteren Athleten, darunter vier Schwimmern aus Sachsen-Anhalt war der Rennkanute vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) offiziell für die Sommerspiele in London nominiert worden.

Für den 33-jährigen Andreas Ihle, der in Bad Dürrenberg geboren wurde und seit Jahren beim SC Magdeburg trainiert, werden es die vierten Olympischen Spiele sein - und damit wird es eine weitere wahrhaft bleibende Erinnerung. Denn drei mächtige Tattoos hat er sich bereits auf seinen Oberarm stechen lassen und mit Sydney, Athen und Peking die Orte seiner bisherigen Heldentaten mit einmal Gold, einmal Silber und einem vierten Platz verewigen lassen. "Es ist noch Platz für ein weiteres Tattoo mit einem London-Symbol. Ich habe auch schon eine ziemlich genaue Vorstellung, wie es aussehen könnte, aber zur Tat geschritten wird erst nach Olympia", sagt er.

Das Ziel ist eine Medaille

Ihle redet dann auch nicht lange herum über sein Ziel für London: "Eine Medaille soll es unbedingt sein, Gold ist möglich." Bei der Generalprobe der Rennkanuten am Wochenende bei der Europameisterschaft in Zagreb wurde er mit seinem Partner Martin Hollstein aus Neubrandenburg Zweiter im Kajak-Zweier. "Da waren die Ungarn noch einen Tick besser, aber wir haben noch fast sechs Wochen Zeit, das zu korrigieren."

In der zweiten von insgesamt drei Nominierungsrunden des DOSB waren vier weitere Sachsen-Anhalter dabei. Und auch die sind sozusagen im Wasser zu Hause: die Schwimmer Paul Biedermann, Daniela Schreiber, Theresa Michalak (alle Halle) und Helge Meeuw (Magdeburg).

Drei Tage vor ihrer Olympianominierung hatten die drei halleschen Schwimmer schon einmal den Gipfelsturm geprobt und waren Bergwandern. Am Montagnachmittag hatten sie nach anderthalb Stunden Krafttraining und zwei weiteren im Wasser keinen Elan mehr, durch die hüglige Landschaft der spanischen Sierra Nevada zu klettern. "Wir gönnen uns zur Feier des Tages lieber bei einem Stadtbummel ein Eis", sagte Theresa Michalak. Fernab der Heimat hatten sie in ihrem Höhen-Trainingslager von dem formellen Akt der Nominierung in Mainz nicht wirklich etwas mitbekommen. Für sie ist die Vorbereitung wichtig. "Die harte Phase des Trainings ist jetzt vorbei. Wir haben zuletzt sehr viele Tests gemacht", berichtet die 20-jährige Olympia-Debütantin. Bevor die drei noch der berühmte Lagerkoller ereilt, geht es nach drei Wochen Schwimmen nonstop am Donnerstag zurück nach Hause. Dann ist Olympia auch im Kopf nicht mehr so weit weg. "Spätestens wenn wir zur Einkleidung fahren, setzt das Kribbeln ein", sagt Theresa Michalak.

Dieses Gefühl steigender Anspannung wird zwei weitere Sachsen-Anhalter, die im ersten der insgesamt drei Nominierungs-Akte dabei waren, schon bald ereilen. Heute ist Katja Dieckow in Mainz, um in der Sporthalle der Kurmainz-Kaserne ihre Olympia-Ausstattung in Empfang zu nehmen. Gleich danach fährt Halles Wasserspringerin zum Trainingscamp nach Dresden. Claudia Malzahn hat mit den Judoka am Freitag Termin. Um ihre Formkurve bis zu den Spielen noch weiter nach oben zu trimmen, schindet sie sich derzeit mit den anderen Olympiastartern ihrer Sportart in einem Camp im tschechischen Nymburk. Mit Übernahme der Sporttasche, Trainingsanzug und Shorts bis hin zum Sommerhut und Sonnenschutz wird auch für sie der Olympiatraum wieder ein bisschen greifbarer.

Im Idealfall 16 Sachsen-Anhalter

Sieben Sachsen-Anhalter haben also bisher ihr London-Ticket sicher. Einige hängen noch in der Warteschleife. Die Leichtathleten beispielsweise müssen sich bis zur allerletzten Runde am 4. Juli gedulden. Denn ihre EM in dieser Woche in Helsinki gilt noch als Nominierungswettkampf. Doch die Diskuswerferin Nadine Müller (Halle), die Kugelstoßerinnen Nadine Kleinert und Josefine Terlecki sowie Martin Wierig (alle Magdeburg) ebenfalls mit dem Diskus haben die Norm längst gepackt. Dazu kommen die 400-Meter-Läufer Janin Lindenberg und Eric Krüger (beide Magdeburg). Zehnkämpfer Rico Freimuth aus Halle steht nicht in den Starterlisten von Helsinki, weil auch er sein Soll bereits erfüllt hat.

Auch für Radsport-Oldie Bert Grabsch wird die Olympia-Hoffnung wohl real. Am Montag hat der Bund Deutscher Radfahrer seine Vorschlagsliste veröffentlicht. Danach soll der Wittenberger sowohl im olympischen Einzelzeitfahren als auch im Straßenrennen antreten.

Offen dagegen ist weiter, ob Turner Matthias Fahrig den Sprung schafft. Sein zweiter Qualifikationswettkampf ist erst am kommenden Samstag in Frankfurt (Main). Und auch hinter den Ruderern Florian Eichner und Philipp Naruhn steht noch ein Fragezeichen.

Insgesamt geht DOSB-Generaldirektor Michael Vesper von einer Mannschaftsstärke "zwischen 384 und 388 Athleten" in London aus. Im Optimalfall werden 16 von ihnen Sachsen-Anhalter sein.

"Ich glaube, wir haben eine Mannschaft, die positive Chancen auf Medaillen der richtigen Farbe hat. Sie ist hoch qualifiziert und hochmotiviert", meinte der Chef de Mission. Vor vier Jahren hatte das deutsche Team insgesamt 41 Medaillen geholt. Drei davon gingen nach Sachsen-Anhalt, durch Manuela Lutze (Rudern / Bronze), Conny Waßmuth (Kanu / Gold) und eben Andreas Ihle (Gold).