Olympia: Ehemalige Jeßnitzerin Schuring startet im Kajak

02.08.2012 14:47 Uhr | Aktualisiert 02.08.2012 19:27 Uhr
Yvonne Schuring aus Wolfen geht in diesen Tagen für Österreich bei Olympia an den Start. (FOTO: DIFFERENT VIEWS) 
Sie ist in Wolfen geboren, hat in Jeßnitz gelebt und zog dann nach Österreich: Yvonne Schuring, Weltmeisterin im Kajak, zählt zu den Top-Favoritinnen bei Olympia.
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Jessnitz/London/MZ. 

Die Mulde fließt ruhig, das Gelände ums Jeßnitzer Bootshaus wird auf Vordermann gebracht. Auf dem Rasentraktor sitzt Michael Meissner. Der Mann ist die Ruhe in Person. Erstaunlich. Denn wieder einmal greift ein Sportler ins olympische Wettkampfgeschehen ein, der in Jeßnitz unter Meissners und der anderen Trainer Regie das Paddeln lernte.

Dieses Mal blicken Meissner und Mitstreiter auf Yvonne Schuring. Die 34-Jährige geht als amtierende Weltmeisterin zusammen mit Viktoria Schwarz im Zweierkajak an den Start. Im Jahr 2004 gelang Christian Gille der bisher größte Wurf. Er wurde in Athen Olympiasieger und steuerte 2008 in Peking weiteres Edelmetall bei.

Schuring geht für Österreich an den Start. Das Alpenland hat die gebürtige Wolfenerin zu ihrer Wahlheimat gemacht. "Der Liebe wegen", sagt sie. Im oberöstereichischen Ottensheim wird Yvonne Schuring von ihrem Lebensgefährten Martin Riedl trainiert.

Den hatte sie während einer Regatta kennengelernt. "Gegensätze ziehen sich an", erklärt die Olympiahoffnung mit einem Augenzwinkern. Die gebürtige Wolfenerin startete zum damaligen Zeitpunkt für einen Bremer Verein, Riedl für die österreichischen Farben. "Wir waren die Sportler mit der jeweils weitesten Anreise." Und Yvonne Schuring als damalige Mittzwanzigerin ein Neuling im Geschäft.

Sie machte über Jahre Pause mit dem Paddeln, zum dem sie mehr oder weniger durch Zufall trieb. Im Plattenbaurevier von Wolfen-Nord kamen die Jeßnitzer Trainer in der Schule vorbei, haben fürs Kanu geworben. "Ich habe mitgemacht", sagt die Frau, deren Eltern Iris und Helmut noch heute in der Platte wohnen - zurückgezogen und ohne großes Aufsehen um die aktuellen Erfolge ihrer Tochter zu machen. Ab und an kommt diese zu Besuch, momentan fallen die Stippvisiten an der Fuhne und im Jeßnitzer Verein allerdings spärlich aus. Das Leben der Verwaltungsangestellten ist auf Olympia ausgerichtet. "Ich gehe heute Abend noch zweimal zum Training", sagt Schuring im Gespräch mit der MZ.

Ihr Eifer ist nicht zu übersehen. Das freut auch Michael Meissner, gleichwohl der sein Staunen nicht verbergen kann. "Als Kind und Jugendliche hat sie bei uns so viel nicht bekleistert", redet der Trainer Klartext. Sein Schützling geht nicht aufs Sportgymnasium, heuert nicht bei einem der großen Clubs an. Yvonne Schuring macht Abi in Wolfen, schließt die Ausbildung ab. Paddeln spielt nicht mal mehr die Nebenrolle. Bis zu dem Moment, als Eitelkeit siegt. "Ich bin in die Breite gegangen", erinnert sich die Wahl-Österreicherin und hat einfache Gründe für den Neuanfang im Boot. Der Bauch habe gestört. "Konnte keiner ahnen, dass die wie ein Ochse paddelt", scherzt Trainer Meissner.

Mit 25 Jahren startet Yvonne Schuring durch. 2003 nimmt sie erstmals an Deutschen Meisterschaften teil, 2005 gewinnt sie zum ersten Mal bei den Titelkämpfen. Heute ist ihre Erfolgsliste prall gefüllt. Drei deutschen Titeln hat sie mittlerweile 50 Meisterschaften in Österreich beigefügt. Sie ist Weltmeisterin, hat Weltcupsiege auf dem Konto. Zwischen Baum und Borke werden sie in Jeßnitz und Wolfen in der kommenden Woche wieder sitzen: mitfiebern mit den Deutschen und hoffen, dass Yvonne Schuring vorn dabei ist.