Olympia: Rogge will Polizeihilfe im Kampf gegen Doping

05.10.2009 20:24 Uhr
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Dopinganalyse

Ein Wissenschaftler führt eine Dopinganalyse durch. (FOTO: DPA)

IOC-Präsident Jacques Rogge will bis zur Vergabe der Winterspiele 2018 die Olympia-Gastgeber verpflichten, polizeiliche Eingriffe bei dringendem Dopingverdacht zuzulassen.
Kopenhagen/dpa. 

«Ohne die Hilfe der Polizei können wir keine Durchsuchungen durchführen, wir können keine Telefone abhören lassen. Wir wollen, dass uns die Polizei hilft, Doping-Netzwerke zu sprengen», erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge in seinem Fazit des am Montag in Kopenhagen beendeten Olympischen Kongresses, «ich hoffe, dass diese Bedingungen Pflicht sein werden.»

Falls München in zwei Jahren in Durban den Zuschlag für die Winterspiele 2018 bekommt, würde das Arzneimittelgesetz eine ausreichende Regelung darstellen. Es dient dazu, Netzwerke aufzudecken und Hintermänner zu entlarven.

Für Rogge hat der 13. Kongress mit seinen 66 Empfehlungen und Feststellungen «bedeutende Auswirkung auf die olympische Bewegung». Angesichts der Premiere der Jugendspiele im August 2010 hätten alle Jugend-Themen größte Dringlichkeit, aber auch die «mentale und körperliche Gesundheit der Athleten» müsse verstärkt geschützt werden.

Auch eine Strukturdebatte zur IOC-Mitgliedschaft und die Verteidigung der Autonomie des Sportorganisationen sind zentrale Forderungen des Kongresses. Die Schlusserklärung ruft die olympische Bewegung außerdem zu einer «möglichst engen Zusammenarbeit mit den internationalen Umweltschutzorganisationen» auf.

Auch ein stärkeres Mitbestimmungsrecht der Athleten und ein verschärftes Sanktionssystem bei Regelverstößen sollen von Arbeitsgruppen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) untersucht werden. IOC-Präsident Jacques Rogge drängte alle olympischen Organisationen, «Lösungen so schnell wie möglich zu implementieren».

«Es gibt wenig Neuerungen, weil wir das Rad nicht neu erfinden können», kommentierte IOC-Mitglied Walther Tröger, «wir haben ja nun hundert Jahre daran gearbeitet, auch unsere Vorgänger.» Es seien die alten Probleme, meinte auch IOC-Spitzenfunktionär Gian-Franco Kasper. Mögliche Lösungen wurden jedoch zu keiner der aufgestellten Fragen und Thesen präsentiert.

Die Wahrung der Menschenrechte als ein olympisches Prinzip gehörte nicht zum Katalog. Der Begriff hat lediglich in vorangestellten «Grundprinzipien der olympischen Bewegung» Eingang gefunden mit der Aussage, «das Ausüben des Sports ist ein Menschenrecht». Der Appell der Menschenrechtsorganisation «Human Rights Watch» nach einer eigenen Menschenrechts-Kommission im IOC wurde dagegen nicht festgehalten.

Das IOC brauche eine Institution, die Menschenrechts-Verletzungen bei Olympia-Gastgebern vor den Spielen und während der Spiele, aber auch danach dokumentiere und untersuche, sagte Minky Worden, Sprecherin der Menschrechtsorganisation. Zudem warnte sie vor möglichem Missbrauch in Russland, wo 2014 die Winterspiele in Sotschi stattfinden. «Jeder sollte wissen, dass es dort schon Morddrohungen gegen Journalisten gegeben hat, die über die Vorbereitungen in Sotschi berichtet haben», erklärte sie. Wenigstens die Diskussion über einen minimalen Anforderungskatalog für künftige Olympia- Bewerber wurde angeregt.

Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, den Status der Spiele als «Premium-Veranstaltung» zu sichern, hieß es in der Schlusserklärung weiter. Auch die weibliche Präsenz im Sport und durch den Sport müsse hohe Priorität haben. Allein 23 der 66 Punkte stammen aus dem Themenkomplex «Struktur der olympischen Bewegung».

Das IOC wurde gebeten, sich mit den Kriterien für eine Aufnahme neuer Mitglieder zu beschäftigen, die Unabhängigkeit und Autonomie des Sports stärken und verbessern sollen. IOC-Vizepräsident Thomas Bach hatte diese Diskussion in einer viel beachteten Rede angestoßen.

Athleten müssten in allen entscheidenden Gremien der olympischen Bewegung mit «vollem Wahlrecht» vertreten sein. Der Aufbruch ins digitale Zeitalter dürfe nicht verschlafen werden. Es bedarf einer neuen Strategie, um die Jugend der Welt zu erreichen.