Paralympics: Medaille nicht ausgeschlossen

22.07.2012 21:59 Uhr | Aktualisiert 22.07.2012 22:42 Uhr
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Ilke Wyludda

Ilke Wyludda wird in London die Kugel stoßen. (FOTO: LÖFFLER/ARCHIV)

Von Ronny Banas
Ilke Wyludda und Tino Kolitscher gehen zum ersten Mal an den Start. Beide haben sehr unterschiedliche Erwartungen.
Halle (Saale)/MZ. 

Irgendwie, so sagt Tino Kolitscher, ist es zurzeit mehr Anspannung als Vorfreude. Der 37-Jährige Hallenser ist einer von sechs Sportlern aus Sachsen-Anhalt, die am Sonnabend in den deutschen Kader für die Paralympics in London berufen wurden. "Man weiß, dass alle auf einen schauen werden und hat auch immer im Hinterkopf, dass man sein Land vertritt", sagt der blinde Ruderer vom Hallenser Verein Böllberg Nelson. Als Neuling müsse man sich erst einmal an ein Ereignis von solcher Größe gewöhnen.

Trotz allem ist er für London optimistisch. Darf er auch, denn beim Ruder-Weltcup in München holte der Vierer im Juni den zweiten Platz hinter Weltmeister Großbritannien. Kolitscher: "Damals war außer den Chinesen und den US-Amerikanern die gesamte Weltspitze am Start. Außerdem war der Abstand zu den Briten nur eine knappe halbe Sekunden. Da darf man durchaus schon mal träumen."

Mit Marie Brämer-Skowronek (Speerwerfen) und Ilke Wyludda (Kugelstoßen) gehen noch zwei Neulinge aus Sachsen-Anhalt in London an den Start. Die prominentere der beiden ist Ilke Wyludda. Die Olympiasiegerin von 1996 im Diskuswerfen tritt nach der Amputation ihres Unterschenkels im Kugelstoßen an. Dort stellte die 43-Jährige im Juni einen deutschen Rekord auf.

Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Delegation, dämpft jedoch in einem Interview mit dem Sportinformationsdienst die hochgesteckten Erwartungen an Wyludda: "Man darf keine Wunderdinge von ihr erwarten. Sie ist vom Namen her sehr prominent, aber ich würde mich freuen, wenn sie sich in Ruhe auf ihre Wettkämpfe vorbereiten kann. Man kann sie sicherlich nicht als Favoritin sehen, denn für uns ist sie eine relativ neue Sportlerin. Sie hat unsere Kriterien erfüllt, aber trotz ihrer Olympia-Erfahrung wird sie sich erst noch orientieren müssen. Es wird sicher schwer für sie, schon in London eine Medaille zu gewinnen. Aber aufgrund ihrer Voraussetzungen wird sie sicher irgendwann eine Kandidatin dafür."

Ähnlich sieht das Wyludda selbst: "Für mich ist es schon mal wichtig, dass ich überhaupt dabei bin. Was jetzt zählt, ist eine gute Leistung. Von Medaillen zu reden, wäre etwas vermessen. Erst einmal muss ich schauen, wie ich in den Wettkampf komme", sagt sie.

Für Ilke Wyludda und Tino Kolitscher steht vor den Paralympics noch hartes Training auf dem Plan. Kolitscher fährt nach Ratzeburg, Wyludda wird sich vor der Abreise im Leistungszentrum in Kienbaum vorbereiten.