HFC-Trainer Sven Köhler ärgert sich. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)
Die Szene war symptomatisch für das gesamte Spiel des Halleschen FC an diesem Tag. Nach einem weiten Freistoß von Patrick Mouaya in den Meuselwitzer Strafraum kommt Michael Preuß an den Ball. Und anstatt das Leder in der dritten Minute der Nachspielzeit nur irgendwie über die Linie zu bugsieren, scheiterte der Blondschopf aus zwei Metern Entfernung an ZFC-Torwart Norman Teichmann.
Danach war Schluss und viele Spieler der Rot-Weißen sanken enttäuscht auf den Rasen. Sie waren den Tränen nah und hielten sich die Hände vors Gesicht. Sören Eismann, Jan Benes oder auch Marco Hartmann kamen gar erst nach tröstenden Worten von Trainer Sven Köhler oder seinem Assistenten Dieter Strozniak wieder auf die Beine. Die 0:1-Pleite beim ZFC Meuselwitz durch das Tor von Sebastian Gasch (77.) setzte ihnen zu.
Um eine Woche verschoben ist der Traum von der dritten Liga, den nicht nur Spieler und Trainer, sondern auch 3 000 rot-weiße Anhänger unter den 3 905 Zuschauern hatten. Klar, auch ein Unentschieden hätte dem HFC im Aufstiegskampf nicht weitergeholfen. Aber die Mannschaft von Trainer Köhler hätte an diesem Nachmittag noch zwei Stunden spielen können und trotzdem das Tor nicht getroffen.
"Nerven haben Streich gespielt"
Allerdings hatte die dritte Saisonniederlage nicht nur etwas mit Pech zu tun, auch wenn es bei den Kopfbällen von Hartmann ans Außennetz (15.) und die Latte (29.) sowie Eismanns Versuch ans Gebälk schon drei Mal um die Ecke schaute. Manager Ralph Kühne war ehrlich genug, das 45 Minuten nach dem Spiel auch so zu sehen. "Es waren zwei, drei Spieler auf dem Platz, die heute nicht zu ihrer Normalform gefunden haben. Einigen haben die Nerven einen Streich gespielt", sagte er. Dann kam der entscheidende Nachsatz. "Und wenn du in die dritte Liga aufsteigen willst, dann musst du von fünf, sechs guten Möglichkeiten auch einmal eine nutzen."
Der Unzulänglichkeiten, die zur Niederlage führten, waren es an diesem Tag zu viele. Das begann bereits damit, dass der HFC 20 Minuten brauchte, um richtig ins Spiel zu finden. Die engagierte und teilweise auch giftige Spielweise der Gastgeber hatte der Tabellenführer so nicht erwartet. Die Meuselwitzer attackierten mit ihrem Vierer-Mittelfeld bereits kurz hinter der Mittellinie und doppelten den ballführenden Spieler fast die gesamten 90 Minuten. Telmo Teixeira-Rebelo, dem das gar nicht behagte, war genervt. "Ich hatte keinen Platz, überall stand ein Bein dazwischen", sagte er. Allerdings gab er zu: "Für diese Spielweise der Meuselwitzer waren wir beim letzten Pass zu unpräzise."
Auch Torwart Darko Horvat, der mit zwei tollen Paraden gegen den Torschützen Sebastian Gasch (64., 76.) einen früheren Rückstand verhindert hatte, reagierte auf die Bemerkung, dass er nun an seinem Geburtstag am 19. Mai gleich zwei Mal feiern könne, zunächst gereizt. "Noch ein Spiel und dann fahre ich nach Hause. Ich brauche mal eine Pause", meinte er unwirsch. Eine Minute später hatte sich der für seine präzisen Analysen bekannte Kroate wieder im Griff. "Aufstiegskampf hat auch etwas mit dem Kopf zu tun. Wir begeistern in den Heimspielen die Fans, bringen diese Leistung aber auswärts nicht auf den Platz. Nach dem Gegentor waren wir sogar etwas planlos. Bis auf Eismanns Kopfball und die Preuß-Chance war da nicht mehr viel."
Dann halt nächste Woche
So war bei den HFC-Akteuren schon kurz nach dem Abpfiff nur eine Botschaft angesagt: Das Spiel abhaken. "Jetzt haben wir eine Woche Zeit, um uns auf das letzte Spiel zu konzentrieren und dann werden wir zu Hause die drei nötigen Punkte holen", sagte Maik Wagefeld. Auch Toni Lindenhahn hatte seine eigene Art der Aufarbeitung der Pleite: "Wir wussten, dass wir zwei Endspiele haben. Wir werden uns zwei Tage ärgern, dann nächste Woche drei Punkte holen und in die dritte Liga aufsteigen."