Hallescher Jubel in der Fankurve. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)
Der Zeitpunkt war ganz bewusst gewählt. Als Sven Köhler, der Trainer des Fußball-Regionalligisten Hallescher FC, in der 76. Minute das Zeichen zur Auswechslung von Dennis Mast und Toni Lindenhahn gab, erhoben sich am Sonntag im Erdgas-Sportpark 6 500 Zuschauer von ihren Sitzen. Die neue Arena bebte. Lautstark und mit tosendem Beifall verabschiedeten die Anhänger jene beiden Spieler, die dem 4:0 (3:0)-Erfolg über den VFC Plauen maßgeblich ihren Stempel aufgedrückt hatten. Mast mit zwei Toren und einer Vorlage, Lindenhahn mit drei Torvorbereitungen.
Mast steckte in einem Loch
Für den 20 Jahre alten Mast war die Partie der Höhepunkt seines ganz persönlichen Comebacks. Seit Wochen gehört er zu den konstanten Leistungsträgern des HFC. Und das, nachdem er in der ersten Saisonhälfte fast raus war aus dem Team. "Dennis Mast war in der ersten Halbserie in einem tiefen Tal. Die Zeit, um dort wieder herauszukommen, war fast schon abgelaufen", sagte Köhler. "Aber wir haben ihn nie ganz fallengelassen, ihm mit Kurzeinsätzen gezeigt, dass wir Leistungssteigerungen honorieren. Jetzt zahlt er für unser Vertrauen zurück."
Mast selbst tritt nach den Erfahrungen der Hinrunde auf die Euphorie-Bremse. "Es macht zurzeit riesigen Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen. Heute hat uns mein frühes Tor die nötige Sicherheit gegeben. Das war ein schönes Gefühl." Und als ihn jemand daran erinnerte, dass er zwei Tore geschossen und eines aufgelegt hatte, gab er bescheiden zurück: "Und einmal habe ich das leere Tor verfehlt."
Das änderte aber nichts daran, dass der 20-Jährige, der dem HFC-Nachwuchs entstammt, herausstach aus einem Team, das nie einen Zweifel aufkommen ließ, dass es die Steilvorlage der Leipziger Niederlage tags zuvor nutzen würde. Drückend überlegen trat der HFC gegen den VFC Plauen auf. Folgerichtig fiel schon in der zwölften Minute die Führung - durch Dennis Mast. Nur sechs Minuten (18.) später legte Angelo Hauk nach. Und nach 30 Minuten band Mast den Sack endgültig zu. "So optimal läuft es nicht immer. Die nächsten vier Spiele werden uns härter fordern", erklärte Mast, der nach der Pause auch noch das 4:0 von Angelo Hauk (72.) mit einem Traumpass auf Telmo Teixeira-Rebelo eingeleitet hatte.
Aufstiegs-Euphorie ergreift Fans
Während die Spieler nach dem höchsten Saisonsieg ihre Aufstiegschancen betont defensiv einschätzten und "nur auf das nächste Spiel" schauten, wurden die Fans deutlicher. In der ersten Hälfte skandierten sie: "So spielt nur ein Aufsteiger." Und kurz vor Abpfiff hallte ein "Nie mehr vierte Liga" durch die Arena.
In Halle herrscht angesichts von sechs Punkten Vorsprung vier Spiele vor Saisonende Aufstiegs-Euphorie. Damit, so spürt Trainer Sven Köhler schon jetzt, steigt auch der Druck: "Wir können ab jetzt nur noch verlieren."