Reitsport: Neue Zeitrechnung auf Halles Passendorfer Wiesen

31.05.2012 22:29 Uhr | Aktualisiert 31.05.2012 22:49 Uhr
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Renntag in Halle

Der letzte Renntag in Halle fand im Oktober statt. (FOTO: ARCHIV/LÖFFLER)

Von GOTTFRIED SCHALOW
Am Samstag ist Saisonstart und der erste von vier Renntagen auf den Passendorfer Wiesen. Der Premiere am Samstag folgen zwei im September und traditionell der Jahreshöhepunkt am Reformationstag.
Halle (Saale)/MZ. 

Touch of Time brachte Gerd Vleugels zum Strahlen. Der sechs Jahre alte Hengst lief am Mittwoch beim Renntag in Düsseldorf mit Jockey René Piechulek auf Platz zwei ins Ziel. 1.900 Euro Preisgeld wurden dafür ausgezahlt, ein Teil davon an Gerd Vleugels. Der ist Mitbesitzer des Galoppers, der bei Angelika Glodde im Rennstall in Halle trainiert wird.

Der Erfolg war der perfekte Startschuss für den Beginn der Galopp-Saison am Samstag auf den Passendorfer Wiesen. Denn Vleugels, Präsident des Rennclubs Halle, sieht den Tag als Beginn einer neuen Zeitrechnung für die Bahn Halle, auf der im letzten Jahr wegen des Hochwassers im Januar nur zwei Renntage stattfinden konnten.

"Wir haben ein erlesenes Teilnehmerfeld mit 72 Pferden in sieben Rennen am Start. Das kann sich sehen lassen", sagt Vleugels. Auch wenn der Vergleich mit einem Renntag mitten in der Woche in Düsseldorf hinken mag, in Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt gingen nur 64 Pferde durch die Startbox und auch der Wettumsatz blieb mit 87.000 Euro im überschaubaren Rahmen. Auch hier ein Vergleich zu Halle: Da wurden am Reformationstag 2011 184.721 Euro umgesetzt. "Damit haben wir auch die letzte Saison aus wirtschaftlicher Sicht bei Plus-Minus-Null abgeschlossen. Nach meinem Kenntnisstand sind wir der einzige schuldenfreie Galoppverein in Deutschland", sagt Vleugels.

In der krisengeschüttelten Branche steht Halle also überraschend gut da. Und so lässt sich gut für die Zukunft planen - mit vier Renntagen in dieser Saison. Der Premiere am Sonnabend folgen zwei im September und traditionell der Jahreshöhepunkt am Reformationstag. "Die Bahn wurde in dieser Woche vom Direktorium für Vollblutzucht und Rennen in Köln ohne jede Beanstandung abgenommen. Und das ist durchaus ein Novum für Deutschland, nachdem Anfang der Woche die Bahn in Verden gesperrt worden ist", sagt Vleugels.

Dass Halle so auffällig gegen den Strom des eigentlich schwer kranken deutschen Galoppsports schwimmt, ist auch dem persönlichen Einsatz von Vleugels und seinen Mitstreitern zu danken. Die haben, zum Teil privat finanziert, die Hochwasser-Schäden fast komplett beseitigt. Die Bahn ist jetzt wieder für Rennen mit 14 Pferden zugelassen, die Startmaschine wurde dafür von zwölf auf 14 Boxen erweitert. Eine neue Berieselungsanlage und ein neuer Traktor wurden angeschafft. Für eine Gesamtsumme zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Hinzu kommen 70.000 Euro Personalkosten, die er pro Renntag an Bahnarbeiter, Kassenpersonal und Sicherheitskräfte zahlen muss. "Das geht nur, wenn alle Rennen von Sponsoren finanziert werden", sagt Vleugels. Er ist auch Geschäftsführer des ESG Getränkevertriebs, der am Samstag Geldgeber des Hauptrennens ist.

Halle setzt damit Maßstäbe auch für vergleichbare Bahnen in Mitteldeutschland. Leipzig veranstaltet fünf Renntage, Magdeburg vier. Vleugels: "Unser Plus ist, dass wir eine der wenigen Bahnen sind, die mit Angelika Glodde noch einen eigenen Trainer hat." Doppelt schön, wenn es dann auch noch ein Pferd gibt, das für Erfolge sorgt.

Der Renntag auf den Passendorfer Wiesen beginnt am Samstag 14.30 Uhr.