Reitverein: Ablösung für Adele ist in Sicht

08.06.2012 18:37 Uhr | Aktualisiert 08.06.2012 21:31 Uhr
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Adele

Die 24-jährige Fuchsstute Adele darf in den Ruhestand. Die Ablösung für sie ist schon gefunden. Denn die Kinder wollen auch weiterhin das Reiten lernen. FOTO: GEHRMANN

Von regine lotzmann
"Ablösung für Adele ist in Sicht", freut sich Siegfried Schicht, dass die 24 Jahre alte Fuchsstute nun ohne Sorge an den Ruhestand denken kann. Denn nach dem MZ-Artikel über die betagte Pferdedame meldeten sich gleich mehrere Leser beim Froser Reit- und Fahrverein und boten Hilfe, genauer gesagt Pferde an.
frose / MZ. 

"Ein Teil der Angebote hat sich inzwischen zerschlagen, aber zwei sehen sehr vielversprechend aus", erklärt Schicht, der als Vereinsvorsitzender agiert. So hat eine Familie aus Winningen, deren eigene Kinder inzwischen erwachsen sind, dem Froser Verein kostenlos ein Pferd angeboten, als "Sachspende" sozusagen.

"Eine Stute, zwölf Jahre alt, 1,55 Meter groß, ein Fuchs", beschreibt Siegfried Schicht das Tier, das sich die Froser schon angeschaut haben. "Im Juli holen wir es her - für vier Wochen zum Ausprobieren, damit wir sehen, ob es für unsere Zwecke geeignet ist", kündigt der Vereinschef an. Denn im Froser Reitverein werden vor allem Kinder ausgebildet, erlernen bei der engagierten Trainerin Inge Schicht das Reiten. Da ist nicht jedes Pferd geeignet.

Bei der Stute aus Winningen ist Siegfried Schicht aber guter Dinge. "Sie wurde geritten und vor Kutschen gespannt, von den Anlagen her ist sie also durchaus geeignet."

Das glaubt er auch von einem zweiten Pferd: einer neunjährigen Stute aus Reinstedt, die dem Verein ebenfalls kostenlos angeboten wurde. "Der Besitzer kennt Adele und weiß, was wir brauchen", erklärt Schicht. Die Stute könnte der Verein im Herbst bekommen, weil sie jetzt noch ein Fohlen hat. "Sie wäre vielleicht etwas für die Größeren, das muss man aber sehen."

Ob der Reitverein tatsächlich ein weiteres Tier zu sich nehmen könnte, hängt allerdings von den Finanzen ab. "Tierarztkosten, Ausrüstung und Schmied, das könnten wir schon zusammenbekommen", denkt der Chef über eine eventuelle Beitragserhöhung im Verein nach. Aber die Unterhaltskosten, die sind nicht allein zu stemmen. "Das Problem ist, dass wir nur zur Miete in der Domäne sind."

Adele, auf deren Rücken schon hunderte Kinder das Reiten erlernt haben, werde dem Verein laut Schicht schon seit Jahren kostenlos vom Besitzer der Domäne zur Verfügung gestellt. Und auch Vereinspferd Luisa werde durch ihn gesponsert. Das heißt, der Verein brauche nichts zu zahlen für Stellplatz und Futter. Doch die kostenlose Versorgung weiterer Pferde könne auch er sich nicht leisten, wo doch das Futter immer teurer wird.

"Und für uns wird es schwer, die Kosten zu übernehmen", meint Siegfried Schicht angesichts dessen, dass der Verein zum größten Teil aus Kindern - immerhin 33 - besteht und spricht von 100 Euro pro Pferd und Monat. "Deshalb suchen wir nun Paten, vielleicht einige Betriebe aus der Region, die sich die Kosten für ein Pferd teilen könnten oder auch nur eine einmalige Spende geben", hofft der Vereinschef. "Denn die beiden angebotenen Pferde sind schon eine feine Sache, sie würden uns im Verein bei der Arbeit mit den Kindern ein ganzes Stück weiterhelfen."

Denn inzwischen kann die Reitlehrerin keine weiteren Reitschüler mehr annehmen, stehen schon einige Jungen und Mädchen auf der Warteliste. Adele, auf der zuletzt nur noch wenige Kinder reiten durften, wurde nun nämlich ganz aus dem Training herausgenommen. Sie braucht ihre Box nur noch verlassen, wenn es mit den anderen Pferden auf die saftige Koppel oder hinaus zum Putzen geht, denn Bewegung braucht sie natürlich weiterhin.

Doch arbeiten soll die betagte Dame nun nicht mehr, nur noch ihren Ruhestand genießen. Die Jungen und Mädchen vergessen die gutmütige Adele trotzdem nicht. Gern bringen sie der alten Stute eine Möhre oder getrocknetes Graubrot mit und streicheln ihr das braune Fell.