Stolz präsentiert Maximilian Planer mit «Rauschebart» und Irokesen-Haarschnitt seine Silbermedaille. (FOTO: PÜLICHER)
Golfprofi Tiger Woods trägt am letzten Turniertag immer ein rotes Hemd, Basketball-Star Michael Jordan wollte niemals auf seine Shorts von der North Carolina University unter dem eigentlichen Trikot verzichten. Der blaue Glückspullover von Bundestrainer Jogi Löw, den er bei der WM 2010 in Südafrika trug, kam sogar ins Deutsche Fußballmuseum in Dortmund. Auch bei Maximilian Planer spielte der Aberglaube vor der U 23-Weltmeisterschaft in Trakai (Litauen) eine entscheidende Rolle. Mit "Vollbart" und Irokesen-Haarschnitt nach dem Vorbild von Italiens Stürmer Mario Balotelli zogen die Ruderrecken des deutschen Achters ins Finale ein und mussten sich im Endlauf nur den US-Amerikanern beugen.
Der Jubel über die Silbermedaille war trotzdem riesig. "Wir haben uns anschließend bei der Abschlussparty schon zwei bis drei Bierchen genehmigt. Der Druck, der auf uns lastete, war enorm. Wir wollten nach dem vierten Platz 2011 in Amsterdam diesmal unbedingt eine Medaille holen", erklärte der für den SC Magdeburg startende Bernburger.
Planer selbst kam mit seinem Kumpel Robin Ponte, der sich mit der Rolle des Ersatzmanns begnügen musste, auf die Idee mit dem Haarschnitt. "Wir wollten etwas anders machen als vor einem Jahr. Manche haben erst rumgeeiert, sich dann aber von uns beiden anstecken lassen. Der Irokesenschnitt sieht ja auch echt cool aus. Peter Kluge und Kay Rückbrodt haben sich sogar einen kompletten Kurzhaarschnitt verpasst", erzählte Planer, der sich außerdem einen Vollbart stehen ließ.
"Wer rasiert, verliert. Das macht auch Eindruck bei den Gegnern, wenn man mit einem etwas aggressiveren Outfit im Boot sitzt und aussieht wie ein Wikinger. Außerdem habe ich als Kind mit großer Begeisterung die Wickie-Trickfilme im Fernsehen verfolgt. Das letzte Mal habe ich vor der Regatta in Ratzeburg zum Rasierer gegriffen." Nach dem zweiten Platz kam der Vollbart jedoch sofort unters Messer.
Zu den Rudern wird der Silbermedaillengewinner in den nächsten fünf Wochen nicht mehr greifen, denn die Saison ist gelaufen. Dem Journalistik-Studenten im zweiten Semester stehen am Mittwoch und am Donnerstag noch zwei Klausuren bevor. Danach genießt Planer seinen Urlaub, wird auch einige Tage in Bernburg bei seinen Eltern verbringen und mit großem Interesse die Ruder-Rennen bei den Olympischen Spielen in London verfolgen.
"Unserem Achter traue ich Gold zu", sagte der zweifache Junioren-Weltmeister, der im September wieder in das Training einsteigt und einige Herbstwettkämpfe bestreitet. "Wichtig ist, dass ich wieder gesund durch den Winter komme und das volle Pensum absolvieren kann."
Denn Planer möchte in der kommenden Saison im Männerbereich angreifen. Einige Ruderasse werden nach den Olympischen Spielen ihre Laufbahn beenden. Beim bevorstehenden Generationswechsel möchte der Bernburger nur zu gern eine Hauptrolle spielen. "Das nacholympische Jahr ist meine Chance. Ich werde alles daran setzen, um wenigstens einmal im A-Bereich bei einer Weltcup-Regatta zu starten", möchte Planer sich mit der Weltspitze messen.
Der fast zwei Meter große Ruderrecke kann jedoch auch 2013 noch im U 23-Bereich starten. Die Weltmeisterschaften in dieser Altersklasse finden in Linz statt. Dort holte Planer seinen ersten WM-Titel. Ein Kreis würde sich dann schließen...