Florian Eichner kämpft noch um seine Olympia-Fahrkarte. (FOTO: ARCHIV/LÖFFLER)
Der Rotsee in unmittelbarer Nähe zur Schweizer Bilderbuchstadt Luzern gilt als die traditionsreichste, die fairste und natürlich schönste Regattastrecke der Welt. Mitten in einem Naturschutzgebiet, umgeben von den sanften Ausläufern der Alpen. Der "Göttersee" wird er deswegen auch genannt. Der Rotsee ist vergleichbar mit Wembley im Fußball oder Wimbledon im Tennis. Wenn ein Ruderer auch nur einmal in seinem Leben in einem wichtigen Rennen in Luzern dabei gewesen ist, dann hat er den Ritterschlag bekommen.
Über das Pfingstwochenende ist der Rotsee wieder das Ruder-Mekka, der zweite Weltcup dieser Saison wird dort ausgetragen. Und Julia Lier bekommt den Ritterschlag.
Für die 20-Jährige vom Verein Böllberg-Nelson aus Halle ist es der zweite Weltcup ihrer noch jungen Karriere in der Eliteliga und zugleich die Chance, weitere Argumente für die Olympia-Fahrkarte nach London zu sammeln. Im Doppelzweier und im Doppelvierer geht sie an den Start. Beide Boote sind zwar nur Ersatzvarianten für den Fall, dass bei den festgebuchten Olympiastartern noch etwas dazwischen kommt. Verletzungen, Krankheiten beispielsweise. Aber die Rennen sind in erster Linie dazu da, sich selbst zu beweisen, so seltsam das für einen Mannschaftssport wie Rudern klingt. Umbesetzungen muss es auf jeden Fall noch geben, weil noch eine Frau für den Einer gesucht wird.
Ähnliches gilt für Florian Eichner, der im Vierer ohne Steuermann an den Start geht. In einem Boot, das es in dieser Besetzung "auf gar keinen Fall in London geben wird", so Eichners Heim-Trainer Klaus Ritter. Eichner muss den Qualifikationsnachweis erbringen, den er im Frühjahr wegen einer langwierigen Krankheit verpasst hat. "Nach Luzern werden die Karten völlig neu gemischt", sagt Ritter. Zum engsten Kreis zählt da auch Eichners Klug-Kollege Philipp Naruhn, der seinen Rippenbruch auskuriert hat.