Schwimm-EM: Großer Titel mit kleinem Makel

21.05.2012 17:21 Uhr | Aktualisiert 21.05.2012 22:18 Uhr
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Europameister

Paul Biedermann gewann in Debrecen EM-Gold über die 400 Meter Freistil. (FOTO: DPA)

Von Petra Szag
Außer Paul Biedermann, der Gold über 400 Meter Freistil holte, siegte am Montag aus Halle auch noch Daniela Schreiber mit der Frauen-Staffel über 4x100 Meter Freistil bei der EM in Debrecen.
debrecen/Halle (Saale)/mz. 

Der kleine Makel konnte die große Freude von Paul Biedermann zumindest während der Siegerehrung nicht trüben: Als der Schwimmstar aus Halle am Montag 17.24 Uhr in der Schwimmarena im ungarischen Debrecen auf das oberste Podest kletterte, strahlte er über das ganze Gesicht. Vergessen war der Ärger darüber, auch im zweiten Anlauf die Olympianorm nicht geschafft zu haben. Was zählt, ist der Titel. Der Weltrekordler ist nun auch Europameister über 400 Meter Freistil. Das Startrecht für die Olympischen Spiele hatte sich der 25-Jährige bereits im Vorjahr bei der WM mit dem Gewinn der Bronzemedaille erstritten.

"Ein Titel ist immer schön", sagt Biedermann. Doch dann spricht der Ehrgeiz aus ihm, als er hart mit sich ins Gericht geht: "Ich kriege die Frequenz nicht hoch, mir fehlt die Geschwindigkeit. Ich bin zu verhalten geschwommen, habe das nicht gemacht, was ich vorher mit meinen Trainer besprochen hatte."

Die Quittung: Mit seinen 3:47,84 Minuten blieb der Hallenser wie vor zehn Tagen bei den deutschen Meisterschaften über der Vorgabe des Verbandes - diesmal um den Hauch von 58 Hundertstel. Der DSV hat als Norm jene Zeit auserkoren, die bei der letzten WM zu Platz zehn gereicht hätte.

Möglicherweise hätte Biedermann die Zeit erreicht, wäre er das Rennen schneller angegangen. 300 Meter lang hatte der für seine schnelle letzte Bahn bekannte SV-Athlet das Feld von Position vier aus kontrolliert, bevor er auf den Schlussmetern seinen unaufhaltsamen Spurt anzog. Der Ungar Gergo Kis (3:48,09) und Samuel Pizzetti (3:48,66) aus Italien konnten da nicht mehr kontern und mussten sich mit den Plätzen zwei und drei zufrieden geben.

Vielleicht wäre das Rennen schneller verlaufen, wenn er seinen Trainer Frank Embacher am Beckenrand gewusst hätte. Ein Ordner hatte dem jedoch den Zutritt verweigert. So blieb ihm nur der Blick von der Eingangstür.

Und es gibt noch einen Grund, der die für Biedermann-Verhältnisse schwache Zeit erklärt: Ein Großteil der europäischen Konkurrenz war gar nicht erst angetreten, bereitet sich lieber zu Hause ungestört auf Olympia vor. Auch der Franzose Yannick Agnel, der dem Favoriten aus Halle vor zwei Jahren in Budapest ein Schnippchen schlagen und sich den Titel sichern konnte, glänzte durch Abwesenheit. Biedermann aber braucht starke Gegner, die ihn antreiben.

Lange kann sich der Star der deutschen Mannschaft nicht bei der Analyse aufhalten. Bereits am Dienstag muss er zu Vorlauf auf seiner zweiten Weltrekord-Strecke, den 200 Metern, antreten. Am Mittwoch gilt es dann, den EM-Titel von 2010 zu verteidigen.

Was Biedermann sicher freut: Das familiäre Gleichgewicht wurde gewahrt. Denn kurz nach ihm schwamm seine Freundin Britta Steffen mit der deutschen Freistilstaffel über 4 x 100 Meter ebenfalls zu EM-Gold. Die Hauptaktie am Titelgewinn hatte allerdings eine andere: Biedermanns Trainingsgefährtin Daniela Schreiber. Als Schlussschwimmerin überholte die Hallenserin die Schwedin, die beim Wechsel noch acht Zehntel voraus war.

Und noch ein weiterer Sachsen-Anhalter hatte Grund zur Freude: Der Magdeburger Helge Meeuw blieb als Schnellster im Halbfinale über 100 Meter Rücken in 53,80 Sekunden sieben Hundertstel unter der Olympia-Norm.