Paul Biedermann im Londoner Olympia-Becken (FOTO: DPA)
"Mein Name ist Biedermann, Paul Biedermann." Vielleicht eine gewagte Assoziation, und doch konnte sie dem Betrachter am Wochenende durchaus kommen. Der Schwimmstar des deutschen Verbandes startete am Wochenende beim vorolympischen Test in London. Und rund zehn Kilometer Luftlinie entfernt vom Hauptsitz des britischen Geheimdienstes Secret Intelligence Service war er stets mit einer Videokamera bewaffnet, um das Londoner Aquatics Centre auszuspionieren.
Bei den offenen britischen Meisterschaften testete der Hallenser jene Wettkampfstätte, in der in fünf Monaten um die olympischen Medaillen gekämpft wird. "Ich filme alles mit der Videokamera: die Wege, den Pool, einfach ein kleiner Einblick", sagte Biedermann, der seine Auswahlkollegen damit versorgen will. "Wer Lust hat, dem kann ich das zusenden." Sich auszukennen, kann von Vorteil sein.
Das 300 Millionen Euro teure neu erbaute Schwimmstadion hat die Form einer Welle. Bei den Spielen soll es 17 500 Zuschauern Platz bieten. Diesmal war die Tribünenkapazität auf 2 500 begrenzt, so dass die Halle Biedermann anfangs beengt vorkam. "Wenn aber die Flügel an den Seiten aufgemacht werden, ist es so weitläufig wie in Peking", meinte der Weltrekordler über 200 und 400 Meter.
Die Voraussetzungen für schnelle Zeiten sieht Biedermann jedenfalls gegeben. "Es ist sehr schnelles Wasser, ein Meter tiefer als sonst, man kommt gut vorwärts." Er selbst hinkte seinen Wunschzeiten allerdings noch hinterher. Über 400 Meter Freistil begnügte sich Biedermann als Sieger des internationalen Laufs mit 3:50,95 Minuten. Der Brite Robert Renwick überraschte im nationalen Endlauf mit 3:46,73 Minuten. Auf der halb so langen Distanz am Sonntag schlug Biedermann in seinem Vorlauf nach 1:48,76 Minuten an und schenkte sich das Finale am späten Abend. Ebenso wie sein französischer Dauerrivale Yannick Agnel (1:46,73 Minuten).
Trotz der für ihn mäßigen Zeiten unterbot Biedermann die Normen für die EM Ende Mai in Debrecen. Für diese ist er als dreifacher WM-Dritter aber ohnehin gesetzt. "Ich bin noch etwas geschafft. Die nötige Regeneration fehlt", sagte Biedermann, dem ein Trainingslager auf Teneriffa in den Gliedern steckt. "Aber ich wollte unbedingt hier starten."