Tim Wallburger, Paul Biedermann, Dimitri Colupaev und Clemens Rapp (v.l.) jubeln nach ihrem Sieg der 4 x 200 Meter Freistil-Staffel bei der Schwimm-EM in Debrecen (Ungarn). (FOTO: DPA)
Goldenes Triple für Paul Biedermann, silbernes Double für Silke Lippok: Die deutschen Athleten sind auch am vorletzten Tag der EM auf der Erfolgswelle geschwommen und haben zwei weitere Medaillen gewonnen. Als Höhepunkt brachte Weltrekordler Biedermann die 4x200-m-Freistilstaffel als Startschwimmer auf Kurs zum ersten Titelgewinn seit 1999 und zum sechsten Gold in Debrecen. Am Sonntag greift seine Freundin Britta Steffen über 50 m mit der besten Halbfinalzeit ebenfalls nach ihrer dritten Medaille. „Dreimal Gold, das habe ich so nicht erwartet. Das ist ein sehr schönes Gefühl und hilft jetzt auch, für die nächsten Wochen zu motivieren. Aber ich bin realistisch genug, dass meine Zeiten hier vielleicht nur für ein Halbfinale reichen. Da habe ich noch viel zu tun“, sagte Biedermann, der schon im Einzel über 200 und 400 m triumphiert hatte und damit erstmals bei einer internationalen Meisterschaft drei Titel gewann.
Die Taktik, Biedermann anders als im Vorlauf auf die erste Position zu setzen, ging voll auf. Dimitri Colupaev (Mainz) und Clemens Rapp (Bad Saulgau) behaupteten Bierdermanns Führung, schließlich brachte der Einzel-Vierte Tim Wallburger (Berlin) die Staffel in 7:09,17 Minuten vor Italien und Ungarn ins Ziel. Etwa 80 Minuten vorher hatte die 18-jährige Lippok, die mit der kurzen Staffel Gold gewonnen hatte, das Feld über 200 m Freistil lange angeführt. „Meine Renntaktik ist gar nicht aufgegangen. Ich wollte die ersten 100 gemäßigt angehen und es dann krachen lassen. Jetzt habe ich es doch 150 Meter krachen lassen. Mein Trainer hat bestimmt geweint vor dem Fernseher“, sagte die Pforzheimerin.
Im Schlussspurt musste die Kurzbahn-Europameisterin in 1:58,19 Minuten wie vor zwei Jahren in Budapest Olympiasiegerin und Weltmeisterin Federica Pellegrini aus Italien passieren lassen. „Silber ist super“, sagte Lippok, die die Olympia-Norm um 36 Hundertstel verfehlte. „Das ist mir egal. Ich bin sie schon zweimal geschwommen.“ Der DSV hat bereits bestätigt, dass Lippoks Zeit aus dem Vorlauf der deutschen Meisterschaften gewertet wird. Auf der kurzen Sprintstrecke bestätigte Doppel-Olympiasiegerin Steffen nach Staffelgold und Silber über 100 m ihre starke Form und schwamm in 24,56 persönliche Saisonbestzeit. „Das war ganz gut - ein Wink in Richtung Olympische Spiele, dass ich im Plan bin. Ich versuche morgen, nochmal eine ähnliche Zeit zu schaffen. Mal schauen, was dann rauskommt“, sagte Steffen.
Daniela Schreiber (Halle/Saale), die am Schlusstag die Freistilstrecke in der Lagenstaffel schwimmt, schied in einem Ausschwimmen aus und verpasste einen weiteren Einzelstart in London. Gar nicht bei Olympia starten wird Dorothea Brandt. Die Berlinerin verabschiedete sich wie Lisa Vitting (Essen) nach dem Vorlauf und hatte keine Chance mehr, die Olympia-Norm zu unterbieten. „Ich habe mich in der Mannschaft und in Debrecen wohl gefühlt, dass dabei so 'ne Rotze rauskommt, ist schon frustrierend“, sagte die 28-Jährige, die extra auf ihren Start über 50 m Brust verzichtet hatte. Hier zog Caroline Ruhnau (Essen) als Vierte ins Finale ein, Vanessa Grimberg (Stuttgart/15.) scheiterte. Die erfolgsverwöhnten Rückenschwimmer gingen leer aus. Jenny Mensing (Wiesbaden) verpasste als Vierte über 50 m trotz der zweitbesten Zeit ihrer Karriere um fünf Hundertstel ihre dritte Medaille nach Gold über 100 und Silber über 200 m. Yannick Lebherz und Felix Wolf (beide Potsdam) belegten über 200 m zeitgleich Rang fünf. Marco di Carli scheiterte einen Tag nach verpasster Olympia-Qualifikation über 100 m Freistil auf der halben Distanz als Halbfinal-Zehnter. Über die Kurzstrecke hatte der Frankfurter keine Olympia-Chancen mehr. „In der Lagenstaffel will ich nochmal einen Klopper setzen. Da ist immer eine Medaille drin“, sagte di Carli mit Blick auf den Schlusstag.
Als schnellster Deutscher über 100 m ist er für die Freistil-Staffel in London gesetzt und hofft nun auch auf eine Einzel-Nominierung. Schmetterling-Spezialistin Franziska Hentke verfehlte über 200 m in 2:09,40 Minuten die Qualifikationszeit. Als Halbfinal-Fünfte hat die Magdeburgerin am Sonntag noch eine letzte Chance. Über die halbe Distanz bei den Männern gewann der serbische Olympia-Zweite Milorad Cavic Gold. Den Titel im nicht-olympischen Wettbewerb über 50 m Brust holte Damir Dugonjic (Slowenien), zum Auftakt hatte sich die Spanierin Mireia Belmonte Garcia Gold über 1500 m Freistil gesichert.