Was macht einen zum Rebellen? Sich die Haare grün zu färben? Ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Angeln gegen rechts" zu tragen? Oder permanent die Stirn in Falten zu legen und zu allem und über jeden die Nase zu rümpfen? Theresa Michalak tut nichts von alldem. Die 20-Jährige kommt eher als braves Mädchen daher. Doch wer sie näher kennt, weiß: Hinter der netten Fassade verbirgt sich ein richtiger Dickkopf. Einer, der es hasst, sich anzupassen. Und der ein Faible hat für Außergewöhnliches.
"Spring in die Tiefe und schwimm gegen den Strom" - das ist ihr Leitsatz, und den trägt sie hautnah. Übersetzt ins Lateinische hat sie ihn sich tätowieren lassen auf der linken Körperseite.
In der Tat: Das, was sich Theresa Michalak in den Kopf gesetzt hat, das setzt sie auch durch. Kaum einer weiß das besser als Frank Embacher. Beispiel: Obwohl der Trainer skeptisch war, hatte die Lagenspezialistin ihren Willen durchgedrückt und bei den deutschen Meisterschaften auch die Konkurrenz über 200 Meter Freistil herausgefordert. Belohnt wurden ihr Mut und die Hartnäckigkeit mit der Silbermedaille und einem zweiten Startplatz bei Olympia in der langen Kraulstaffel.
Dabei schwört Theresa Michalak auf ihren Trainer. "Mit einigen seiner Vorgänger hatte ich so meine Probleme", sagt die Sportschülerin, "ihm aber vertraue ich voll und ganz."
Allerdings hat es sie nicht davon abgehalten, kurz vor der Qualifikation ein ungeschriebenes Gesetz zu brechen. Die Gymnasiastin, die gern zum Pinsel oder zur Gitarre greift und auch schon zwei Songs geschrieben hat, fuhr kurz vor dem alles entscheidenden Wettkampf zu einem Konzert ihrer Lieblingssängerin Jennifer Rostock nach Chemnitz. "Das hat mir unglaublich viel Kraft und Zuversicht gegeben", sagt sie zu ihrem heimlichen Ausflug.
Nur weil der MDR darüber berichtete, erfuhren ihr Trainer und die Eltern überhaupt davon. "Sie hätte sich sowieso von nichts auf der Welt davon abhalten lassen", weiß ihr Vater Ingo Michalak aus Erfahrung.
Bruder Till jedenfalls profitiert vom Durchsetzungsvermögen seiner großen Schwester. Lange haben sich die Eltern dagegen gewehrt, dass sich auch der 17-Jährige ein Tattoo stechen lässt. "Gegen Theas Argumente ist kein Kraut gewachsen", sagt der Vater schmunzelnd.
Bleibt sie sich treu, werden die Familie und ihr Verein SV Halle sie nicht mehr lange halten können. Denn Theresa Michalak will in der Ferne Ernährungswissenschaften und Sport studieren. Sie liebt Amerika und Dänemark, dort zieht es sie hin.
Allerdings ist da noch ihre Liebe zum Schwimmen, ihr sportliches Potenzial ist längst noch nicht ausgereizt. Und da ist ihr gutes Verhältnis zum Heimtrainer. Was sie sich in ihren Dickkopf setzt, scheint völlig offen.