Paul Biedermann (l.) und Frank Embacher besprechen sich im täglichen Training. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)
Der frisch gebackene Schokoladenkuchen duftete verführerisch. Eine Trainingskollegin hatte die Kalorienbombe für Theresa Michalak mitgebracht - als Geschenk zu ihrem 20. Geburtstag am Montag. Doch derartige Sünden so kurz vor den deutschen Meisterschaften sind natürlich tabu, das weiß Michalak. "Das ist Nervennahrung", sagte sie. "Deshalb werde ich bei unserer Abschiedsfeier vor der Abreise nach Berlin allen ein Stück abgeben."
Gute Nerven brauchen Halles Schwimmer ab Donnerstag im Europasportpark mit Sicherheit. Für Theresa Michalak, Daniela Schreiber und Paul Biedermann geht es um die Erfüllung der Olympianorm. "Diese drei haben eine reale Chance", sagt Trainer Frank Embacher.
Paul Biedermann, Chance: 90 Prozent
Vom doppelten Weltrekordler Biedermann erwarten alle, dass er die Normen über 200 und 400 Meter Freistil erfüllt. Embacher sieht die Erfolgsaussichten seines Meisterschülers bei 90 Prozent. Die Normen von 1:47,76 und 3:47,26 Minuten hat der 25-Jährige in diesem Jahr noch nicht geschafft. Allerdings vor allem mangels hochkarätiger Wettkämpfe. Wenn es um Alles oder Nichts geht, "kann sich Paul unheimlich motivieren", sagt sein Trainer. Und es gibt ein weiteres Plus: Deutschlands Vorzeigeschwimmer hat bislang präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, also verletzungs- und krankheitsfrei, sein Programm abspulen können.
Daniela Schreiber, Chance: 75 Prozent
Verletzungs- und krankheitsfrei - das war bei Daniela Schreiber nicht immer der Fall. Hier mal eine Erkältung, da eine Magenverstimmung - "das ist nun mal so, wenn der Körper K.o. ist. Das war bei mir eigentlich nie anders", sagt die Staffel-Europameisterin.
Sie sieht darin aber kein Handicap. Bei den Meisterschaften will die 22-Jährige die Norm über 100 Meter Freistil unterbieten und sich neben Britta Steffen, deren Qualifikation alle Experten erwarten, als zweite Deutsche für einen olympischen Einzelstart empfehlen. Während die 54,46 Sekunden für Schreiber "zu packen sind", erscheinen ihr die 1:57,83 Minuten über 200 Meter fast zu anspruchsvoll. "Aber für einen Staffelplatz müsste es reichen", sagt sie. Dafür braucht sie einen Platz unter den ersten Vier. Im Sprint über 50 Meter hält sie die Qualifikation "für eine Glücksache". Bei 25,11 Sekunden muss einfach alles passen.
Frank Embacher traut ihr das London-Ticket zu. "Ihre Chance liegt bei 75 Prozent", sagt der Trainer. In den Freistilstaffeln ist Schreiber eine feste Größe.
Theresa Michalak, Chance: 67 Prozent
Für Nesthäkchen Theresa Michalak stehen über 200 Meter Lagen die 2:12,37 Minuten als Normwert. Obwohl ihre Bestzeit eine Sekunde darüber liegt, sieht sich die Sportschülerin nicht chancenlos. Schon zu Beginn des Jahres war die Allrounderin auf ihrer Spezialstrecke sehr schnell unterwegs. Ihre Formkurve geht seitdem steil nach oben.
"Auch Thea ist hochmotiviert und sehr trainingsfleißig", sagt Embacher. Er sieht ihre Chancen bei zwei Drittel, also 67 Prozent. Ein Hintertürchen sind zudem die Staffeln. Sowohl über 100 als auch 200 Meter Freistil will sich Michalak auf Position vier, fünf einordnen. Über 100 Meter Schmetterling ist Platz zwei das Ziel. Embacher: "Damit wäre sie die ideale Ersatzfrau für mehrere Rennen."