Paul Biedermann hat die Olympia-Norm geschafft. (FOTO: DPA)
Seine 3:47,98 Minuten über 400 Meter reichten dennoch klar zum Titel. Und damit zu einem zweiten London-Startplatz. "Ich bin schließlich vornominiert durch meine Leistungen bei der WM letztes Jahr in Shanghai", begründete Biedermann seine Gelassenheit.
Was er nicht laut aussprach, aber im Hinterkopf hatte: Auch im Vorjahr war der Weltrekordler auf ebendieser Strecke in der Qualifikation an der Zeitvorgabe des Verbandes gescheitert. Beim Saisonhöhepunkt aber, als es darauf ankam, war er in Bestform.
Schneller als Lochte und Phelps
In seiner zweiten Paradedisziplin hatte sich der Topfavorit ganz regulär qualifiziert. Mit seinen 1:46,70 Minuten über 200 Meter war der 25-Jährige über eine Sekunde schneller als gefordert. Und auch schneller als zwei seiner Hauptkonkurrenten bei Olympia. Die beiden US-Amerikaner Michael Phelps (1:48,01) und Ryan Lochte (1:49,70) konnten ihm bei einem zeitgleichen Meeting jenseits des großen Teiches im Fernduell diesmal nicht das Wasser reichen. Doch abgerechnet wird in zehn Wochen in London. "Niemand will mit offenen Karten spielen", kommentierte Biedermann die Leistungen von Lochte und Phelps. "Ich glaube, die Zeiten sind normal. Bei jedem ist der Trainingsaufbau anders."
Biedermann beispielsweise muss noch an seiner Grundschnelligkeit arbeiten. Deshalb forderte der Hallenser am Sonntag über die 100 Meter Freistil die Spezialisten heraus. Seine 48,98 Sekunden reichten immerhin zu Platz vier. Einen Start in der kurzen Freistilstaffel hat Biedermann für London dennoch nicht geplant.
Beim Formaufbau helfen soll die EM in anderthalb Wochen im ungarischen Debrecen. "Es ist gar nicht so verkehrt, zwei so schwere Wettkämpfe kurz hintereinander zu haben", sagte Biedermann. "Bei der Europameisterschaft will ich mir keine Blöße geben."
Ganz ohne Qualifikationsdruck kann auch Biedermanns Trainingsgefährtin Daniela Schreiber in Ungarn ins Wasser springen. Die 22-Jährige, in der Staffel seit Jahren gesetzt, unterbot mit ihren 54,41 Sekunden über 100 Meter Freistil als Zweite hinter Britta Steffen die Norm um fünf Hundertstel. Damit hat sie einen Einzelstart sicher. Dass ihr über 50 Meter - erneut als Vizemeisterin hinter Steffen - 19 Hundertstel fehlten, konnte sie deshalb verschmerzen. Als Dritte auf der 200-Meter-Distanz empfahl sich Schreiber zudem für die 4 x 200 Meter-Staffel.
Das gilt wohl auch für Theresa Michalak, die sich in 1:59,12 Minuten und mit Platz zwei hinter Medaillenhoffnung Silke Lippok für das Kraul-Quartett unentbehrlich gemacht hat. Dennoch gehört die 20-jährige Sportschülerin aus Halle nicht zu den 14 Athleten des Verbandes, deren Olympia-Start dank Normerfüllung nun amtlich ist. Auf ihrer Hausstrecke über 200 Meter Lagen gab es für die Allrounderin zwar Gold und eine neue Bestzeit. Dennoch hätte sie zwölf Hundert-stel schneller sein müssen als 2:12,49 Minuten. Also heißt es bei der EM nachsitzen.
Meeuw muss auf die EM hoffen
Auch Helge Meeuw setzt seine ganzen Hoffnungen auf die EM. Der Magdeburger, seit Jahren der Dominator der Rückendisziplinen in Deutschland, musste sich Jan-Philip Glania geschlagen geben. Der Frankfurter unterbot in 53,50 Sekunden die Norm, Meeuw blieb knapp darüber. Will der Altmeister den Platz in der Lagenstaffel, muss er bei der EM groß auftrumpfen. Auch seine Vereinsgefährtin Franziska Hentke wird dort noch einmal angreifen. Die Meisterin über 200 Meter Schmetterling muss sich allerdings um anderthalb Sekunden steigern, wenn sie noch ins London-Aufgebot rücken will.
Abgefahren ist der Zug für Toni Embacher. Der Sohn von Halles Cheftrainer Frank Embacher sicherte sich zum wiederholten Mal den Titel über 200 Meter Schmetterling. In 1:58,53 Minuten war er so schnell wie nie zuvor in seiner Karriere. Dennoch fehlen ihm zweieinhalb Sekunden zum London-Ticket. Da der 24-Jährige nicht für die EM nominiert wurde, ist die Saison für ihn damit beendet.