Schwimmen: Schreiber will aus dem Schatten treten

27.07.2012 20:43 Uhr | Aktualisiert 27.07.2012 21:20 Uhr
Daniela Schreiber zu Hause. (FOTO: SCHULZ) 
Von Petra Szag
Daniela Schreiber gilt als Kronprinzessin von Superstar Britta Steffen. Eine Rolle, die der gebürtigen Dessauerin nicht immer leicht gefallen ist.
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London/Halle (Saale)/MZ. 

Die Worte von Daniela Schreiber überraschen. "Ich liebe Kuchen", sagt die 23-Jährige mit der Model-Figur und tunkt ihren Finger demonstrativ in die Schlagsahne. Und sie liebt es nicht nur, ihn zu essen. "Beim Backen", erzählt sie weiter, "kann ich herrlich entspannen."

Schon seit Wochen ist die Hallenserin nicht mehr dazu gekommen, ihrer heimlichen Leidenschaft nachzugehen. Wegen ihrer zweiten Leidenschaft, die allseits bekannt ist. Und die sie dieser Tage nach London geführt hat: dem Schwimmen auf allerhöchstem Niveau. Mit der Freistil-Sprintstaffel greift sie am Samstag zum ersten Mal an. An der Seite von Silke Lippok, Lisa Vitting und vor allem der großen Britta Steffen.

Lange vor ihrer Abreise zu den Spielen war sie mit den anderen deutschen Olympiastartern im Hamburger Trainingslager. Auch dort spielte Gebackenes eine tragende Rolle: Zu Kaffee und Kuchen hatten sich die Mädels der DSV-Mannschaft in einem edlen Restaurant getroffen, dabei über Gott und die Welt geschwatzt. "Einfach nur, damit wir uns alle ein bisschen besser kennenlernen", beschreibt Daniela Schreiber das, was man hinlänglich unter teambildende Maßnahme versteht.

Ärger aus der Welt geräumt

Wie eine eingeschworene Truppe hatten sie zuletzt tatsächlich nicht gewirkt. Bei der WM letztes Jahr in Shanghai war es sogar zum Eklat gekommen. Als Britta Steffen nach schwachen Auftaktleistungen heimlich, still und leise abgereist war und damit auch nicht mehr für die um die Olympia-Qualifikation kämpfende Lagenstaffel zur Verfügung stand, hatte ihre Nachrückerin aus Halle aus dem Bauch heraus gesagt: "Ich finde es egoistisch zu sagen, ich starte nicht und lasse die Staffel allein dastehen."

Die spontane Kritik wurde zur Schlagzeile und musste bei der Berlinerin wie Salz in einer offenen Wunde gewirkt haben. "Die Sache ist aus der Welt geräumt", erklärt Daniela Schreiber. Erst per Mail und dann beim Trainingslager in Potsdam haben sie sich ausgesprochen.

Geblieben ist trotzdem ein gewisses Konkurrenz-Verhältnis. Schreiber hatte lange Zeit daran zu tragen, als Kronprinzessin der Freistil-Königin zu gelten. Im Jahr 2006 überraschte die gebürtige Dessauerin bei der Junioren-WM in Rio mit dem Gewinn von zwei Titeln. Fast zeitgleich stellte Britta Steffen in Budapest einen Weltrekord auf. Es war fast eine symbolhafte Parallelität, dass Schreiber immer an Steffen gemessen wurde - und deren Fußstapfen erschienen ihr übergroß. "Es war anfangs schwierig für mich, zu ihr eine Beziehung aufzubauen", erinnert sich Daniela Schreiber. "Ich hatte großen Respekt vor ihr."

Die beiden sind längst miteinander im Reinen. "Britta ist eine super Staffelkollegin. Mit ihr haben wir eine Chance, ohne sie hätten wir keine", sagt Daniela Schreiber. Sich selbst sieht sie in erster Linie als Staffel-Schwimmerin. Obgleich sie bei der EM im Mai mit Bronze auch ihre erste internationale Einzelmedaille gewann. Und obwohl sie im November beim Weltcup in Berlin ihre Konkurrentin erstmals auch im direkten Duell geschlagen hat. "Ich glaube schon, dass es sie gewurmt hat", meint Schreiber. Denn sie sieht in Steffen eine Sportlerin, die wahnsinnig ehrgeizig und diszipliniert ist. Eigenschaften, die sie sich auch zuschreibt.

Kein gemeinsames Training in Halle

Seit Britta Steffen mit Paul Biedermann befreundet ist, trainiert die Berlinerin immer wieder auch in Halle. Allerdings nicht gemeinsam mit ihrer Auswahlkollegin. Aus ganz praktischen Gründen. "Unsere Programme sind zu unterschiedlich. Sie trainiert kürzere Distanzen, ich mehr die langen." Denn Steffen favorisiert neben den 100 Metern die 50, Schreiber ist auch über die 200 Meter und die lange Kraulstaffel eine feste Größe.

Im Schatten des Medienstars Britta Steffen zu stehen, sieht die Studentin für Fitness-Ökonomie nicht unbedingt als Nachteil. Das gilt zumindest für London. "Es ist sicher gut, sich in Ruhe auf seinen Wettkampf konzentrieren zu können", sagt Daniela Schreiber.

Sollte sich das auszahlen in Form einer Medaille, bekäme auch sie sicher etwas ab vom großen Kuchen. Es wäre ein weiterer Schritt ins Rampenlicht.