Theresa Michalak startet erstmals bei einer Langbahn-EM. (FOTO: LÖFFLER)
Blass sieht Theresa Michalak aus, wie sie da am Küchentisch in der elterlichen Wohnung hockt. Und noch immer ganz schön geschafft. Die Strapazen der letzten Tage haben bei der Schwimmerin ihre Spuren hinterlassen: der Wettkampf-Marathon bei den deutschen Meisterschaften in Berlin, der Ärger über die nur um eine Winzigkeit verpasste Qualifikation für Olympia, der quälende Husten.
Doch Theresa Michalak ist wie ein Stehaufmännchen. Und so ist sie in Gedanken längst bei Teil zwei ihrer Mission Olympia-Ticket. Am Freitagfrüh geht es nach Debrecen in Ungarn. "Ich freue mich auf die EM", sagt die 20-Jährige. Dort endlich soll die Norm für London fallen: 2:12,37 Minuten über die 200 Meter Lagen.
Bruder Till und Freundin Sandra, beide ebenfalls dem Wasser verfallen, leisten ihr an diesem Morgen Gesellschaft. Theas Frühstücks-Marotten teilen sie nicht. "Ich will nichts unversucht lassen", erklärt Michalak, warum sie seit Wochen auf Sojamilch sowie selbst zusammengestelltes und im Internet bestelltes Müsli zurückgreift. Haferkleie, Dinkelflakes, Pinienkerne und viel Liebe, wie auf der Dose versichert wird, helfen beim Krafttanken.
Willenskraft hat sie ohnehin jede Menge. "Seit ich denken kann, habe ich diesen Traum und will zu Olympia", erzählt sie. Das habe sie damals schon ihren Mädels in das Freundschaftsbuch geschrieben. Nun wähnt sie sich kurz vorm Ziel. Und Rückendeckung bekommt sie nicht nur von der Familie und Freunden. Sogar Britta Steffen glaubt an sie. Die Freundin ihres Trainingskameraden Paul Biedermann will mit Theresa Michalak im Falle der Olympia-Qualifikation in London das Zimmer teilen. "Ich bin stolz, dass sie mich gefragt hat", gibt die Newcomerin zu. Ein Vorbild ist die doppelte Olympiasiegerin ohnehin. "Britta wirkt nach außen hin so stark."
Doch nicht nur aus dem Schwimmerlager holt sich die Sportgymnasiastin Hilfe. Im März war sie in Chemnitz zum Konzert von Jennifer Rostock und hat ihr Idol hinter der Bühne ausgefragt. Nicht nur die Stimme ihrer Lieblingsängerin bewundert die Sportlerin: "Sie ist auf den Punkt fit, wenn's sein muss. Sie lässt sich auch dann nichts anmerken, wenn sie nicht fit ist."
So selbstbewusst will Theresa Michalak bei der EM auftreten, keinen Zweifel aufkommen lassen an ihrer Stärke. Dass sie durch ihre Vizemeisterschaft über 200 Meter Freistil für die Olympia- Staffel gesetzt sein müsste, darauf will sie sich nicht verlassen. Schon oft wurden im Verband Entscheidungen getroffen, die sie nicht nachvollziehen konnte. "Ich will lieber Sicherheit", sagt sie. "Und ich weiß, dass ich die Norm draufhabe."