Schwimmen: Ulrich-Zwillinge mit gemeinsamer Vision

12.06.2012 20:27 Uhr | Aktualisiert 12.06.2012 21:10 Uhr
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Marek (l.) und Hendrik Ulrich

Die Vorbilder der Dessauer Schwimmzwillinge Marek (l.) und Hendrik Ulrich sind die boxenden Brüder Klitschko. (FOTO: LÖFFLER)

Von petra szag
Man male sich das Szenario einmal aus: eine internationale Meisterschaft. Siegerehrung. Über 50 Meter Freistil wird der Schwimmer "Ulrich - from Germany" als Sieger aufgerufen. Dann dasselbe Prozedere für die 100 Meter, die 200, 400, 800 und 1 500 Meter. Alle sechs Strecken - immer derselbe Name.
Halle (Saale)/MZ. 

Zugegeben, dieses Szenario bei einer internationalen Meisterschaft ist noch Vision. So ganz aus der Luft gegriffen aber ist es nicht. Denn im Grunde ist genau das bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften vor einigen Wochen in Magdeburg tatsächlich schon passiert. Dort gewann Marek Ulrich über 50, 100 und 200 Meter Freistil, sein Bruder Hendrik war der Schnellste über die 400, 800 und 1 500 Meter. Alle Freistil-Strecken immer derselbe Name. Alle Strecken in der Hand einer Familie.

Der Weg bis zu einer internationalen Meisterschaft ist für die Zwillinge aber noch weit. Marek und Hendrik Ulrich, aus Dessau stammende, sind erst 15 Jahre alt. Aber sie sind erstaunlich weit für ihr Alter. Und das fällt auf den ersten Blick auf. Marek ist 1,97 Meter groß, sein Bruder 1,95 Meter. Beide haben die Schuhgröße 47. Beachtliche Werte, die sich auch im Schwimmbecken bemerkbar machen. Denn tatsächlich sind die Ulrich-Brüder auf den kurzen Strecken schneller, als es Weltrekordler Paul Biedermann in ihrem Alter war. Die Dominanz der Dessauer, die seit der 5. Klasse an der Sportschule in Halle lernen und trainieren, durfte so nicht unbedingt erwartet werden. Erst vor einem Dreivierteljahr ist Hendrik nach langwierigen Rückenproblemen in die Wettkampfvorbereitung zurückgekehrt. Dass er nicht aufgab, hat er auch seinem Bruder zu verdanken. "Die beiden ziehen sich gegenseitig", sagt Trainerin Heike Gabriel.

Auch Biedermanns Trainer Frank Embacher hat die Zwillinge längst im Blickfeld. Den reinen Zeiten-Vergleich mit seinem Weltrekordler will er zwar nicht überbewerten. "Paul hatte mit 15 Jahren noch nicht die optimalen körperlichen Voraussetzungen." Doch er hält die beiden für Talente, die es im Training sauber zu entwickeln gilt. Denn der körperliche Vorteil wird nicht ewig Bestand haben. "Wenn die Konkurrenz aufholt und die beiden stagnieren, müssen sie auf saubere Technik setzen." Auch die Streckenvielfalt, jetzt noch wegen des abwechslungsreichen Trainings ein Plus, wird laut Embacher nicht dauerhaft zu halten sein. "Spätestens im Alter von 17, 18 Jahren sollten sie sich auf ihre Stärken konzentrieren. Wenn sie nicht nur groß, sondern auch noch kräftig sind, sehe ich sie eher im Sprintbereich."

"Der Erfolg entscheidet, welche Strecke am meisten Spaß macht", hält Marek dagegen. Also alle derzeit. Bisher war es gewollt, dass sich die Geschwister sportlich aus dem Weg gehen. "So wie unsere Vorbilder, die Klitschkos", sagt Hendrik. Die Box-Brüder aus der Ukraine haben ihnen gezeigt, dass man nicht aufgeben soll, auch wenn's mal nicht so läuft. Und von ihrem prominenten Trainingskameraden Biedermann haben sie auch etwas Positives mit auf den Weg genommen. "Er hat sich bis ganz nach oben gearbeitet, uns vorgemacht, was alles möglich ist."

Deshalb haben sie sich auch ein hohes Ziel gesteckt. "Bei Olympia 2016 dabei sein", spricht Marek auch für seinen Bruder. Und da am liebsten gegen Biedermann schwimmen.